Osteuropahilfswerk Renovabis zur Papstreise in den Kaukasus

Schmelztiegel und Brückenkopf

Der Papst reist in den Kaukasus und will seinen Beitrag dazu leisten, die Region zu einem Bindeglied zwischen Orient und Okzident zu machen. Die Chancen sind leider gering, meint Thomas Schumann vom Osteuropahilfswerk Renovabis.

Prozession führt durch Tiflis / © Zurab Kurtsikidze (dpa)
Prozession führt durch Tiflis / © Zurab Kurtsikidze ( dpa )

domradio.de: Wie tief gespalten ist die Region, die der Papst jetzt bereist?

Thomas Schumann (Osteuropahilfswerk Renovabis): Es ist eine schwierige Region. Seit 20 Jahren ist die Rede von der Krise um Bergkarabach. Dieses Gebiet wird mehrheitlich von Armeniern bewohnt und vom armenischen Staat besetzt gehalten, liegt aber auf aserbaidschanischem Hoheitsgebiet. Bei schweren Gefechten um diese Region gab es noch in diesem Frühjahr Dutzende von Toten. Insgesamt kamen in den letzten Jahrzehnten mehrere Zehntausend Menschen ums Leben. Das kennzeichnet den Kaukasuskonflikt. Georgien, wo wir heute sind und der Papst die kommenden beiden Tage sein wird, hängt dazwischen. Der ganze Kaukasus ist ein Schmelztiegel mit Menschen aus aller Herren Länder, das liegt daran, dass es sich um eine frühere Sowjetrepublik handelt. Außerdem liegt das Gebiet hier an der Nahtstelle zwischen Okzident und Orient, zwischen Europa und Asien. Eigentlich könnte diese Region aber nicht nur Schmelztiegel, sondern auch Brückenkopf und Bindeglied werden. Das verspricht sich auch der Heilige Vater.

domradio.de: Wie groß ist die Chance, dass der Papst etwas bewirken kann?

Schumann: Das wäre eine große Überraschung. Die Katholiken sind hier in der Minderheit. Die Mehrheitskirche ist die georgisch-orthodoxe Kirche. Und die schaut eher kritisch auf die Katholiken und nimmt sie nicht besonders ernst. Wenn sie sie nicht ignorieren kann, dann ärgert sie sich zuweilen über die katholische Kirche, die ja doch sehr viel an Sozialarbeit hier leistet.

domradio.de: Teile des orthodoxen Klerus waren sogar gegen den Papstbesuch, es soll auch eine Demonstration gegen den Papst gegeben haben, warum?

Schumann: Weil sie der Meinung ist, dass ihre Kirche hier doch ausreicht. Man muss es aber auch relativieren, die Proteste hier sind doch sehr überschaubar, die erwähnte Demonstration wurde in den Medien hochgespielt, das waren nur ein paar Handvoll Menschen.

domradio.de: Was tut das Hilfswerk Renovabis in der Region?

Schumann: Der Schwerpunkt liegt in pastoralen, sozialen und zivilgesellschaftlichen Projekten. Wir arbeiten mit der Caritas vor Ort zusammen. Es gibt ein Hospiz, ein Jugendzentrum und Ausbildungsstätten. Es gibt ein Krankenhaus für die Bergdörfer. Das trifft nicht nur für Georgien zu, sondern auch für Armenien, wo der Heilige Vater ja vor zwei Monaten zu Besuch war, und auch für Aserbaidschan. Dort wirkt die katholische Kirche durch die Salesianer von einer Pfarrei aus in Baku.

Das Interview führte Tobias Fricke.

Quelle:
DR