Am 22. August ist "Sei-ein-Engel-Tag"
Am 22. August ist "Sei-ein-Engel-Tag"

22.08.2018

Impulse zum "Sei-ein-Engel-Tag" Was ist eigentlich ein Engel?

Ob mit Flügen oder ohne, ob als Beschützer oder als Gegenspieler zum "Teufelchen": Engel gibt es in den meisten Religionen oder auch ganz ohne religiösen Rahmen. Aber was ist eigentlich ein Engel?

DOMRADIO.DE: Engel gelten als Boten Gottes und Beschützer der Menschen. Woher kommt dieses Bild?

Uwe Wolff (Kulturwissenschaftler, Buchautor und Engelexperte): Das Bild des Engels ist uralt, es reicht weit hinter die Anfänge des Judentums, Islams und Christentums zurück. Das Engel-Bild ist der Anfang allen religiösen Nachdenkens. Im Kern geht es um die Fragen: "Gehe ich als Mensch meinen Weg allein, oder ist über meinem Leben ein großer Plan, eine Idee? Gibt es jemanden, der an mich glaubt, der über meine Eltern und Großeltern und Verwandten hinausreicht? Gibt es einen Gott, der an mich glaubt und mich so liebt, dass er mir einen Engel zur Seite stellt?"

DOMRADIO.DE: Schutzengel sind auch bei Menschen beliebt, die sich zu keiner Kirche bekennen. Woher kommt dieser Engel-Glaube? 

Wolff: Der Schutzengel-Glaube ist ganz eng mit dem Auftreten Jesu verbunden. Jesus spricht ja von der Liebe Gottes und sagt, dass jeder Mensch einen Engel hat. Der Engel ist der Mittler zwischen Gott und den Menschen. Er schaut jederzeit mit einer Art doppelten Optik – mit dem einen Auge auf Gott und dessen Urbild des Menschen und mit dem anderen auf den Menschen, wie er sich verhält. Damit ist der Engel sozusagen der Pädagoge, der Begleiter zwischen dem was wir von unserem Wesenskern her sind und dem, wie wir uns verhalten. Er ist der, der uns erzieht, einen Weg der Menschlichkeit, der Liebe, des Glaubens und der Hoffnung zu gehen.

DOMRADIO.DE: Im Alten und Neuen Testament kommen Engel mehrfach vor. Kennen denn auch nichtchristliche Religionen Engel?

Wolff: Oh, ja! Alle großen Weltreligionen teilen den Glauben an die Engel und Schutzengel. Der Islam beginnt ja mit einer Engelsgeschichte: Es ist der Engel Gabriel, oder im Islam Dschibrīl, der zu Mohammed kommt und im das Heilige Buch, den Koran überreicht. Gerade in unseren Tagen ist es wichtig daran zu erinnern, dass es eine Religion gibt, die einen Engel als höchstes Wesen verehren: die Jesiden, die im Irak und in Syrien leben. Sie glauben an den Engel Melek Tau. Gott ist für sie der Inbegriff der Liebe und hat die Gestalt eines Engels.

DOMRADIO.DE: Wie kann man heute am "Sei-ein-Engel-Tag" selbst zum Engel werden? 

Wolff: Letztlich läuft alles darauf hinaus: Was können wir lernen von den Engeln? Das wichtigste ist dabei ein ganz altertümliches Wort: Demut. Das hat nichts mit demütigen zu tun, sondern meint, dass wir Menschen es schaffen können, von unserem Ego abzusehen und für einen anderen da zu sein. Es mal auszuhalten, dass es nicht immer nur um mich und um meine Selbstverwirklichung geht. Ein Engel zu sein und zu werden heißt, für andere da zu sein. Das ist so der Appell, den ich diesem Tag entnehmen würde. Frag' nicht: "Was bringt es mir?" Sondern frag: "Was bringt es ihm?" Diese Liebe kann sich auch auf die ganze Natur erstrecken, zum Beispiel auch auf den Umgang mit unseren Haustieren.

DOMRADIO.DE: Welche Ideen haben Sie für sich heute?

Wolff: Ich bin ein Schulmann, habe mehr als 20 Jahre lang Religionslehrer ausgebildet. Deswegen ist für mich "Sei ein Engel" ein Appell, den ich mir wünsche, dass unsere Kinder in der Schule auf Lehrer stoßen, die wie Engel sind und jedes einzelne Kind wahrnehmen. Aber auch andersherum: Denn wir leben ja in einer Zeit, in der man Verantwortung sehr schnell delegiert. Man gibt sie zum Beispiel an die Lehrer und Kindergärtnerin ab und sagt, dass die sich um die Kinder kümmern sollen. Aber ich sage: Nein, das reicht nicht, sondern auch ich als Vater, Mutter, Großvater oder Großmutter könnte für mein Kind zum Engel werden – zum Beispiel, indem ich mir mal Zeit nehme und mal Hausaufgaben kontrolliere oder so. Denn nur durch so eine Fürsorge wird auch die neue Generation heranwachsen, gebildet werden und glücklich sein.

Das Interview führte Dagmar Peters.

(DR)

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