Bundeskanzlerin Merkel und Ministerpräsident Laschet besuchen die Zeche Zollverein in Essen
Bundeskanzlerin Merkel und Ministerpräsident Laschet besuchen die Zeche Zollverein in Essen

18.08.2020

Katholisches Büro zum Merkel-Besuch in NRW "Wesentliche Orte für unser Land"

Das ehemalige Parlament und die Zeche Zollverein hat Bundeskanzlerin Merkel am Dienstag besucht - Synbolische Orte für das Land NRW. Was die Visite für den Machtkampf in der Union bedeutet, ordnet der Leiter des Katholischen Büros in Düsseldorf ein.

DOMRADIO.DE: Erst besucht Bundeskanzlerin Merkel Markus Söder in Bayern, danach erst Armin Laschet in NRW. Zufall?

Dr. Antonius Hamers (Leiter des katholischen Büros NRW): Man könnte sagen B wie Bayern kommt vor N wie Nordrhein-Westfalen. Angeblich war dieser Besuch ja schon länger geplant. Insofern geht man davon aus, dass aus der Reihenfolge der Besuche sich kein Ranking der Länder ablesen lässt.

DOMRADIO.DE: Die Szene war möglicherweise auch kein Zufall. Zeche statt Schloss, Bescheidenheit statt Prunk - oder interpretieren wir da zu viel rein?

Hamers: Mir als Westfalen kommt das natürlich sehr entgegen, das etwas weniger Prunk und etwas mehr Sachlichkeit bei diesem Besuch im Vordergrund gestanden haben. Aber ich glaube, das Wesentliche ist, dass der Ministerpräsident mit der Bundeskanzlerin an zwei ganz wesentlichen Orten für unser Land gewesen ist. Einmal in Düsseldorf im Ständehaus, das ehemalige Parlamentsgebäude, wo seit 1880 Parlamente getagt haben, zuletzt der nordrhein-westfälische Landtag, der jetzt aber natürlich im neuen Landtag ist. Insofern ist das für unsere Parlamentsgeschichte ein ganz wichtiger Ort. Und die Zeche Zollverein als Weltkulturerbe ist ein ganz, ganz wichtiges Denkmal, ein ganz wichtiger Ort unserer Industriekultur.

Ich glaube, dass insofern die Kanzlerin zwei Orte kennengelernt hat, die wichtig für unser Land sind und die ihr einen guten Eindruck von NRW geben, wenngleich wir natürlich noch viel, viel mehr zu bieten haben.

DOMRADIO.DE: Im Gegensatz zu Armin Laschet hat sich Markus Söder ja bisher noch gar nicht so eindeutig erklärt bei der Kanzlerfrage. Er beteuert bei jeder Gelegenheit, dass sein Platz in Bayern sei. Gleichzeitig befeuert er aber auch die Spekulationen um seinen Platzwechsel nach Berlin. Wie stellt sich das Ihnen dar?

Hamers: Zunächst mal ist es natürlich so, dass Menschen, die in der Politik eine Position innehaben, auch eine wichtige Position innehaben, mit einem gewissen Machtanspruch ausgestattet sein müssen. Ich glaube, das gehört einfach mit dazu, wenn man Politik gestalten will. Und dazu gehört wahrscheinlich auch, dass man sich zumindest Gedanken darüber macht, ob noch eine andere Aufgabe, vielleicht auch eine größere Aufgabe, grundsätzlich für jemanden infrage kommt.

DOMRADIO.DE: Nun müssen wir immer auch Corona mit berücksichtigen. Ministerpräsident Söder hat versucht, sich in dieser Pandemie als derjenige zu positionieren, der alles im Griff hat. Armin Laschet hat vergangene Woche erst im Münsteraner Paulusdom im Rahmen der "Domgedanken" zum Thema Corona sich seine Gedanken gemacht.  Wie versucht der sich darzustellen?

Hamers: Armin Laschet wird nicht müde zu betonen, dass es bei allen Maßnahmen, die zu ergreifen sind, immer darum geht, verschiedene Rechtsgüter abzuwägen. Da ist natürlich der Gesundheitsschutz ohne jede Frage ein ganz, ganz wichtiges Gut, aber nicht das einzige Gut, auch die wirtschaftliche Entwicklung, die Freiheit des Einzelnen. Der Bildungsauftrag beziehungsweise der Anspruch von Kindern und Jugendlichen, Bildung zu bekommen. All das sind wichtige Rechtspositionen, die immer wieder mit dem Gesundheitsschutz in Abwägung gebracht werden müssen. Und da wird der Ministerpräsident nicht müde, darauf hinzuweisen, dass sich immer wiederum die Frage stellt: Was ist verantwortbar an Einschränkungen? Was ist verantwortbar an Lockerungen? Wenn die Inflationszahlen steigen, muss eingeschränkt werden. Wenn die Zahlen aber runter gehen, muss es auch wieder Öffnungen geben. Ich halte das für plausibel, und ich halte das auch durchaus für verantwortlich, so zu handeln.

DOMRADIO.DE: Nun hat ja sozusagen der "andere im Team", Jens Spahn, heute gesagt, dass er bezüglich des demnächst anstehenden Karnevals denkt, dass man besser absagen sollte. Spielen Spahn und Laschet da gut zusammen?

Hamers: Die jetzige Situation, in der wir sind, hat natürlich Auswirkungen auf unser gesamtes gesellschaftliches Leben. Das merken wir ja. Jeder merkt das. Geburtstage werden abgesagt, private Feiern werden eingeschränkt. Treffen, Volksfeste. Der Karneval ist für viele ein wichtiges Volksfest. Aber die Schützenfeste sind natürlich auch wichtige Volksfeste, die ja jetzt im Grunde im Sommer alle schon abgesagt worden sind.

Das heißt, dass das gesellschaftliche Leben sich sehr stark verändert. Und ich bin davon überzeugt, dass sich das gesellschaftliche Leben auch mittelfristig verändern wird. Bis wir ein wirksames Medikament oder einen wirksamen Impfstoff haben, wird noch eine ganze Zeit ins Land gehen. Insofern bin ich selbstverständlich davon überzeugt, dass der Karneval in diesem Jahr - und vor allem im nächsten Jahr - nicht in der gleichen Weise gefeiert werden kann, wie wir das bislang gehabt haben. Mit vollen Kneipen, mit Schunkeln und singenden Leuten. Das wird so nicht möglich sein. Ob es vielleicht unter freiem Himmel Formen des Feierns geben kann, das vermag ich jetzt so nicht zu sagen. Da bin ich jetzt auch kein Fachmann. Ich glaube, dass da einige Leute durchaus auch Ideen entwickeln werden. Aber selbstverständlich werden wir nicht in der gleichen Weise Karneval feiern, wie wir das noch in diesem Frühjahr getan haben.

Das Gespräch führte Uta Vorbrodt.

 

 

(DR)

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