Papst Franziskus und Angela Merkel im Jahr 2013
Papst Franziskus und Angela Merkel im Jahr 2013

13.06.2017

Merkel besucht vor G20-Gipfel Papst Franziskus Moralische Unterstützung für die Kanzlerin?

Bereits zum vierten Mal empfängt Papst Franziskus an diesem Samstag die Bundeskanzlerin zur Privataudienz. Kein Staatslenker führte mehr offizielle Unterredungen mit dem Kirchenoberhaupt. Bei vielen Themen stimmt ihre Chemie.

Angela Merkels erste Audienz im Mai 2013, zwei Monate nach Franziskus' Amtsantritt, war damals eine kleine Sensation. Denn eigentlich galt es als ungeschriebenes Gesetz, dass der Papst aus Gründen der Neutralität keine Spitzenpolitiker in den Vatikan einlädt, die gerade im Wahlkampf stehen. Nun liegt der nächste, bereits vierte Audienztermin beim allseits beliebten Papst am 17. Juni sogar noch näher an der Bundestagswahl im September.

Moralische Unterstützung

Doch für Merkel dürfte dies nur ein positiver Nebeneffekt sein. Ihr geht es vor allem um moralische Unterstützung für ihre politische Linie beim anstehenden G20-Gipfel in Hamburg. Unter deutscher Ägide berät die Staatengruppe am 7. und 8. Juli über globale Fragen wie Flüchtlingskrise, Klimaschutz und Armutsbekämpfung. Und auf diesen Feldern liegen die CDU-Politikerin und das Kirchenoberhaupt nah beieinander.

Der vatikanische Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin dürfte der einzige Regierungschef sein, mit dem sich Franziskus öfter über die Weltlage austauscht als mit der Kanzlerin, könnte man witzeln. Und auch Merkel scheint die Nähe zu suchen. Dem deutschen Vorgängerpapst Benedikt XVI. stattete sie nur ein einziges Mal 2006 in dessen Sommerresidenz Castel Gandolfo einen Besuch ab und traf ihn ansonsten nur zwei Mal während seiner Besuche im Heimatland, quasi pflichtgemäß.

Chemie stimmt

Mit dem Argentinier besprach sie dagegen im Februar 2015 die Agenda der deutschen G7-Ratspräsidentschaft und nutzte die Verleihung des Karlspreises an Franziskus im Vatikan für eine dritte Audienz. Die Unterredungen dauerten jeweils zwischen 25 und 45 Minuten. Daneben begegneten sich die beiden bei Franziskus' Amtseinführung und beim Empfang der EU-Staatschefs vergangenen März im Vatikan.

Dass die Chemie zwischen Merkel und dem Papst stimmt, liegt nicht nur daran, dass beide in ihrem früheren Leben im Labor gearbeitet haben.

Franziskus lobte die Flüchtlingspolitik der Kanzlerin, wenn er auch die von der Bundesregierung befürwortete Schließung der Balkanroute hart kritisierte. Weitere Anknüpfungspunkte sind die Sorge um den europäischen Einigungsprozess und das Engagement für den Klimaschutz.

Wichtige Ansprechpartnerin

Auch die Armutsbekämpfung, Religionsfreiheit und globale Friedenssicherung standen bei den Audienzen auf der Agenda. Für Franziskus ist Merkel zweifellos die wichtigste Ansprechpartnerin in der politischen Führungsetage Europas. Mit Blick auf seine eigenen global-politischen Anliegen dürfte er sie oft als Verbündete sehen.

Merkel wiederum spricht gerne davon, dass sie das Christentum als eine Säule für die humanitäre Ausrichtung des Kontinents hoch hält und begrüßte in diesem Zusammenhang "klare Botschaften" des Pontifex. Diese mahnten dazu, "Neues zu schaffen".

Die katholische Kirche spiele eine "zentrale Rolle" für den gesellschaftlichen Zusammenhalt, sagte die Protestantin 2013 nach ihrer ersten Audienz bei Franziskus. Zugleich werfen ihr konservative Kritiker vor, dass gerade sie das Traditionell-Christliche systematisch aus der CDU hinausdränge. Doch derlei innenpolitische Niederungen wird Franziskus kaum ansprechen.

Dementi wegen kleiner Verstimmung

Nur einmal war die Rede von einer kleinen Verstimmung zwischen Papst und Kanzlerin. Diese habe sich bei Franziskus am Telefon beschwert, nachdem das Kirchenoberhaupt in seiner Rede vor dem Straßburger EU-Parlament 2014 den Alten Kontinent als "unfruchtbare Großmutter" getadelt hatte, behauptete zumindest eine italienische Zeitung.

Vatikan und Bundesregierung dementierten schnell, ein solches Telefonat habe nie stattgefunden. Offenbar blieb die Liaison ungetrübt.

Für die Deutschland-Connection des Papstes, der in den 1980er Jahren einige Zeit in Frankfurt für eine nie vollendete Doktorarbeit recherchierte und etwas Deutsch kann, sprechen auch kulturelle Präferenzen. Zum Antrittsbesuch brachte ihm Merkel eine antiquarische Hölderlin-Gesamtausgabe und das Furtwängler-Oeuvre in 107 CDs mit.

Später folgte eine Bach-Edition. Auch eine Einladung in die Heimat der von Franziskus geschätzten Künstler sprach sie schon aus. Im Kalender des Kirchenoberhaupts ist eine Deutschland-Reise bisher aber noch nicht vorgesehen.

Christoph Schmidt
(KNA)

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