Ein Polizist steht in der Nähe der Al-Nur-Moschee Wache in Christchurch, Neuseeland
Ein Polizist steht in der Nähe der Al-Nur-Moschee Wache in Christchurch, Neuseeland
Gläubige nehmen nach den Angriffen auf Moscheen in Neuseeland an den Freitagsgebeten teil
Gläubige nehmen nach den Angriffen auf Moscheen in Neuseeland an den Freitagsgebeten teil

17.03.2019

Papst ruft nach Moschee-Anschlag zu Friedensgebeten auf Beten für "unsere muslimischen Geschwister"

Papst Franziskus hat am Sonntag für die Todesopfer der Attentate von Neuseeland gebetet. Die Angriffe nannte er "schreckliche Attentate". Inzwischen hat sich die Zahl der Getöteten auf 50 erhöht.

Der Papst hat die Angriffe auf zwei Moscheen im neuseeländischen Christchurch erneut verurteilt. Am Sonntag auf dem Petersplatz rief er zu "Gebeten und Friedensgesten" auf, um Hass und Gewalt etwas entgegenzusetzen.

Er gedachte der "muslimischen Brüder, die getötet wurden". Franziskus bezeichnete die Angriffe als "schreckliche Attentate". Er bete für die Toten, die zahlreichen Verletzten und die Angehörigen.

E-Mail eines Mörders?

Der mutmaßliche Attentäter von Christchurch hat seine rechtsextreme Kampfschrift kurz vor den Anschlägen auch an Neuseelands Premierministerin Jacinda Ardern geschickt. Die Regierungschefin bestätigte am Sonntag in Wellington, dass neun Minuten vor Beginn der Angriffe auf zwei Moscheen am Freitag eine E-Mail an ihr Büro gegangen sei. Darin seien aber keine Tatorte oder ähnliche Hinweise genannt worden, mit denen die Anschläge noch hätten verhindert werden können.

Die Zahl der Todesopfer stieg inzwischen auf 50. In einer der beiden Moscheen wurde eine Leiche gefunden, die man bislang nicht mitgezählt hatte. Die ersten Toten sollen noch am Sonntag an die Familien übergeben werden. Damit kann dann auch mit den Beerdigungen begonnen werden. Nach neuseeländischen Medienberichten sind alle Todesopfer Muslime, im Alter von zwei bis 77 Jahren. Eine offizielle Bestätigung dafür gibt es zunächst nicht. Von den mehreren Dutzend Verletzten waren noch mindestens zwei in Lebensgefahr.

Waren weitere Morde geplant?

Inzwischen geht die Polizei fest davon aus, dass es sich bei dem festgenommenen Mann, einem 28 Jahre alten Australier, um einen Einzeltäter handelt. Zwar gab es vier weitere Festnahmen, offensichtlich aber ohne Zusammenhang zu dem Verbrechen. Der mutmaßliche Todesschütze wurde von zwei Polizeibeamten überwältigt, nachdem er die zweite Moschee verlassen und sich mit seinem Auto davongemacht hatte. Offenbar hatte er weitere Morde geplant. "Er hatte absolut die Absicht, seine Attacke fortzuführen", sagte Ardern.

Die Regierungschefin trat Spekulationen entgegen, wonach der Verdächtige nicht in Neuseeland, sondern in seiner Heimat Australien vor Gericht gestellt werde. Ardern sagte: "Er wird sich vor dem neuseeländischen Justizsystem für seinen terroristischen Angriff zu verantworten haben." Seine 74-seitige Kampfschrift, die er auch ins Internet gestellt hatte, enthält zahlreiche rechtsextreme Parolen. Inzwischen sitzt er in einem Hochsicherheitsgefängnis. Wegen vielfachen Mordes droht ihm lebenslange Haft.

Mutmaßlicher Täter lächelt vor Gericht

Zu dem Gerichtstermin wurde der Mann in Handschellen und weißer Häftlingskleidung vorgeführt. Dabei zeigte er das "Okay"-Zeichen in die Kameras, wie es in der englischsprachigen Welt verbreitet ist: Daumen und Zeigefinger zusammengehalten, die anderen Finger abgespreizt. In der rechtsextremen Szene gilt dies auch als Geste für "White Power" - die rassistische Idee, dass Menschen weißer Hautfarbe anderen überlegen seien. Sein nächster Termin vor Gericht ist am 5. April. Wann der Prozess beginnt, steht noch nicht fest.

Der Täter erschoss in einer Moschee in der Innenstadt zunächst 42 Menschen, darunter mehrere Kinder. Dann brachte er in einer anderen Moschee acht weitere Menschen um. Mit einer Helmkamera übertrug er die Tat live ins Internet. Insgesamt wurden bei ihm fünf Waffen sichergestellt, halbautomatische Feuerwaffen und Schrotflinten, und auch Sprengstoff. Der Mann wohnte zuletzt in der neuseeländischen Stadt Dunedin. Er hatte seit November 2017 einen Waffenschein und war auch Mitglied in einem Schützenverein.

"Neuseeland ist in Trauer vereint"

Als Reaktion auf den brutalsten Anschlag in der jüngeren Geschichte Neuseelands will die Regierung nun die Waffengesetze verschärfen. «Unsere Waffengesetze werden sich ändern», kündigte Ardern an. In dem Pazifikstaat darf man bislang nach einer Überprüfung durch die Behörden schon mit 16 Jahren Waffen besitzen. Dazu benötigt man einen Waffenschein, muss die Waffen aber nicht alle einzeln anmelden. Neuseeland mit seinen knapp fünf Millionen Einwohnern war bislang von Terrorismus und Amokläufen weitgehend verschont geblieben.

Christchurch steht immer noch unter Schock. In der Nähe der Tatorte legten viele Menschen Blumen nieder und zündeten Kerzen an. Insgesamt war es in der Stadt jedoch viel ruhiger als an normalen Wochenenden. Viele Geschäfte blieben geschlossen. Auf einem Spendenkonto für die Hinterbliebenen gingen inzwischen mehrere Millionen Euro ein. Ardern sagte: "Neuseeland ist in Trauer vereint."

Muslime in der Minderheit

Mit etwa 50 000 Gläubigen - darunter viele Einwanderer aus Staaten wie Pakistan und Bangladesch - sind Muslime in Neuseeland eine Minderheit. Viele der Opfer waren als Einwanderer gekommen. Ihre Familien haben Wurzeln in Ländern wie Pakistan, Bangladesch, Afghanistan, Ägypten, Saudi-Arabien und Indien.

Die genaue Herkunft will die Polizei aber erst bekanntgeben, wenn alle Leichen identifiziert sind.

(dpa, KNA)

Im Video: Täglicher Gottesdienst

Sehen Sie hier den täglichen Gottesdienst aus dem Kölner Dom. An Werktagen ab 9 Uhr, an Sonn- und Feiertagen ab 12 Uhr in der Mediathek.

Messenger-Gemeinde

Tageskalender

Radioprogramm

 29.09.2020
06:30 - 10:00 Uhr

DOMRADIO - Der Morgen

  • Erzengelfest: Gedenktag der Erzengel Michael, Gabriel und Rafael
  • Heute ist Weltherztag: Wie das Herz fit machen – auch gegen Corona?
  • Als Katholikin Richterin am Supreme Court: Amy Coney Barrett
10:00 - 15:00 Uhr

DOMRADIO Der Tag

  • Corona: Weitere Verschärfungen nötig? Ministerpräsidenten beraten heute mit Kanzlerin
  • Corona: Weitere Verschärfungen nötig? Ministerpräsidenten beraten heute mit Kanzlerin
  • Weltherztag: Essen und Trimmen, beides muss stimmen
  • Weltherztag: Essen und Trimmen, beides muss stimmen
10:00 - 15:00 Uhr

DOMRADIO Der Tag

  • Corona: Weitere Verschärfungen nötig? Ministerpräsidenten beraten heute mit Kanzlerin
  • Corona: Weitere Verschärfungen nötig? Ministerpräsidenten beraten heute mit Kanzlerin
  • Weltherztag: Essen und Trimmen, beides muss stimmen
  • Weltherztag: Essen und Trimmen, beides muss stimmen
15:00 - 19:00 Uhr

DOMRADIO Der Nachmittag

15:00 - 19:00 Uhr

DOMRADIO Der Nachmittag

19:00 - 22:00 Uhr

DOMRADIO Der Abend

22:00 - 22:30 Uhr

DOMRADIO Nachtgebet

Heutiges Evangelium:
In dieser Woche zu Gast:
In dieser Woche zu Gast:

Das Heilige Jahr in Santiago de Compostela

Pilgerreise auf dem Jakobsweg mit „ne Bergische Jung“ Willibert Pauels! Jetzt anmelden für Juli 2021!

Himmelklar Podcast

durchatmen – Der Seelsorge Podcast

Weihbischof Puff: täglicher Impuls und Fürbitten

Wort des Bischofs

Der geistliche Impuls von Kardinal Woelki. Jeden Sonntag neu.

Wochenkommentar

Der DOMRADIO.DE Chefredakteur blickt auf die Woche.

Kostenlose Radio-App für iPhone und Android

Nehmen Sie Ihr DOMRADIO.DE mit wohin Sie wollen und wann immer Sie Lust haben. Funktionen: Nachrichten, Podcasts, Mediathek, Wecker, Sleep-Timer, Bluetooth, Chromecast, AirPlay, CarPlay, Android Wear…