Walter Kasper, emeritierter Kurienkardinal
Walter Kasper, emeritierter Kurienkardinal

05.04.2018

Kardinal Kasper sieht Handreichung positiv "Johannes Paul II. hatte den Weg schon gebahnt"

Die "pastorale Handreichung" der katholischen Bischöfe hin zu einer gemeinsamen Kommunion konfessionsverschiedener Ehepaare in Einzelfällen sorgt für Klärungsbedarf. Der em. Kurienkardinal Walter Kasper sieht sie hingegen positiv.

DOMRADIO.DE: Die Ökumene ist Ihnen ein großes Anliegen. Sie war lange Zeit auch Ihre Hauptaufgabe. Was denken Sie, auf welchem Stand sind wir jetzt in der Ökumene? Sie sagten vor kurzem in einem Interview, es sei eigentlich noch viel mehr möglich. Was genau zum Beispiel?

Walter Kardinal Kasper (Emeritierter Kurienkardinal und ehemaliger Präsident des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen): Wir haben sehr viel erreicht, das muss man sagen. Es ist einfach nicht wahr, dass nichts vorangegangen ist. Das Reformationsjahr hat uns schon emotional auch durch viele Zeichen, durch viele schöne Gottesdienste, den Besuch des Papstes in Lund, aber auch schöne Gottesdienste in Deutschland – auch hier in Italien ist sehr viel aufgebrochen – weitergebracht. Jetzt muss man weitermachen. Die Rechtfertigungslehre hat man in den Grundfragen gelöst. Das war auch die Grundlage, um ein gemeinsames Christusfest zu feiern. Jetzt geht es weiter über Kirche, Eucharistie und Amt. Das hat sich der Einheitsrat jetzt auch vorgenommen. Das ist kein Projekt, das sich heute oder morgen lösen lässt. Das braucht ein paar Jahre, aber die wollen ein neues Dokument machen. Da gibt es schon viele Vorbereitungen vor allem in Amerika und ich habe den Eindruck, dass wir sind da zumindest mit den Lutheranern im Kirchenverständnis sehr viel weiter gekommen sind.

Auch im Eucharistieverständnis mit den wirklich gläubigen Lutheranern, die noch auf der Grundlage ihrer Bekenntnisschriften stehen, ist der Unterschied nicht mehr sehr groß, und auch im Amtsverständnis gibt es erhebliche Annäherungen, wenn auch noch nicht eine volle. Und so hoffe ich, dass wir da weiter kommen in diesen Fragen, denn das müssen wir auch. Die Kirche wird bei uns zahlenmäßig immer geringer und marginalisierter. Die muss heute mit einem Mund reden. Wir können uns nicht mehr gegeneinander profilieren. Das ist Blödsinn, da verlieren wir nur! Deshalb ist Ökumene auch von diesem Gesichtspunkt aus sehr, sehr wichtig und ich denke, da kann man schon Schritte machen.

Die Deutsche Bischofskonferenz hat es in Aussicht gestellt – das Papier ist ja noch nicht veröffentlicht –, dass in bestimmten Fällen Nicht-Katholiken zur Eucharistie zugelassen sein können. Das ist im Grunde etwas, was schon Johannes Paul II. zweimal in zwei Enzykliken gesagt hat. Da ist es unter bestimmten Voraussetzungen - vor allem unter der Voraussetzung, dass sie den Glauben teilen -, möglich. Er selbst hat es auch praktiziert, das weiß ich sehr genau; also nicht nur bei Roger Schutz, sondern auch sonst.

DOMRADIO.DE: Meinen Sie, dass das, was jetzt die deutschen Bischöfe in Aussicht stellen, auch im Sinne von Papst Franziskus ist?

Kasper: Ich glaube, ja. Ich habe mit dem Papst auch einmal darüber gesprochen und ich denke, wir waren da einig. Natürlich ist die Voraussetzung die Disposition, das ist klar. Und es ist die Voraussetzung, dass man den eucharistischen Glauben teilt.

Ein Sakrament ist ein Sakrament des Glaubens. Es ist also nicht so, als ob man da nur einen Keks in die Hand gedrückt bekommt. Das ist bei wirklich lutherischen Christen der Fall. Die glauben an die Realpräsenz. Die kennen nicht alle die Unterschiede. Das wissen aber normale Katholiken auch nicht, was Transsubstantiation ist und was Grundsubstanz ist. Das braucht der normale Katholik auch nicht zu wissen. Er muss wissen: Das ist der Leib Christi für mich dahingegeben. Punkt. Das ist es. Insofern kann man das schon verantworten.

Es ist ja nicht so, dass da alle so kommen dürfen, sondern es ist auf solche Fälle, wo ein wirkliches Verlangen da ist, begrenzt. Ich warte jetzt das Papier ab – wie es begründet ist, das habe ich nicht gelesen – und ich denke, dass es in diesem Sinn durchaus verantwortlich ist. Wir haben heute so viele konfessionsverschiedene Ehen in Deutschland, ich glaube fast die Hälfte. Also das kann man nicht so lassen und da muss man schon Schritte machen. Ich glaube, das geht auch. Es hat jetzt ein bisschen Aufsehen erregt, aber Johannes Paul II. hat den Weg dazu gebahnt, und deshalb sind wir auf einem sicheren Pfad.

Das Interview mit Kardinal Kasper führte Jan Hendrik Stens bereits am 18. März.

(DR)

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