Arnold: Wir brauchen eine Solidarität zwischen den Menschen
Arnold: Wir brauchen eine Solidarität zwischen den Menschen
Dr. Thomas Arnold, Direktor der Katholischen Akademie des Bistums Dresden-Meißen
Dr. Thomas Arnold, Direktor der Katholischen Akademie des Bistums Dresden-Meißen

23.11.2021

Akademiedirektor plädiert für Gespräche mit Impfgegnern "Es ist nicht der Moment, sich zu zerstreiten"

In Sachsen ist die Corona-Lage besonders angespannt. Seit Montag gilt ein Lockdown. Der Direktor der Katholischen Akademie Dresden-Meißen, Thomas Arnold, rät, mit Impfgegnern ins Gespräch zu kommen. Die Spaltung im Land dürfe sich nicht vergrößern.

DOMRADIO.DE: Eigentlich dachten wir alle im Sommer, es würden keine Lockdowns mehr nötig sein. Jetzt haben wir ihn in Sachsen wieder. Wie erleben Sie die Zeit gerade? 

Dr. Thomas Arnold (Direktor der Katholischen Akademie Dresden-Meißen): Ich habe den letzten Tag mit Veranstaltungen am Sonntag erlebt, mit einem Gespräch mit Ministerpräsident Michael Kretschmer. Und dort habe ich einen Ministerpräsidenten erlebt, der nochmal sehr klar gesagt hat: Wir brauchen jetzt Impfungen, sonst wird es kein Ende dieses Lockdowns geben. Sonst wird der Wellenbrecher länger als nur bis zum 12. Dezember werden. Wir brauchen eine Solidarität zwischen den Menschen. Insofern kann die Botschaft nur sein, auch von der Kirche: Liebe Leute, lasst euch impfen! Alles andere ist eine falsch verstandene Freiheit. 

DOMRADIO.DE: 68 Prozent der Deutschen sind geimpft. Der Durchschnitt wird eben vom Bundesland Sachsen gesenkt, da sind es nur 60 Prozent. Versuchen Sie mal aus Ihrer Sicht zu erklären, warum das in Sachsen so anders mit der Impfbereitschaft läuft ... 

Arnold: Da gibt es viele verschiedene Erklärungsversuche. Ich würde aber davor warnen, jetzt alle Ungeimpften als Vertreter der Aluhüte oder einer sehr rechten, vielleicht rechtsextremen Szene einzuordnen. Nein, es sind Menschen, die haben Angst. Die Ängste sind vielleicht unbegründet und unerklärlich. Aber es sind subjektiv empfundene Ängste und Vorbehalte, vor allem gegen den Impfstoff. Und das ist natürlich auch eine Frage von Vertrauen. Hat Politik auch Vertrauen verspielt, mit den Streitigkeiten über die Fragen: Welcher Impfstoff ist der beste? Welcher wird eventuell vorgezogen?

Aber man muss sagen: Diese Impfstoffe sind sicher. Sie sind inzwischen milliardenfach verimpft. Die Nebenwirkungen oder die Impfreaktionen sind so niedrig, dass man guten Gewissens und nach bestem Wissensstand sagen kann: Diesen Impfstoffen kann man vertrauen. Und am Ende helfen sie nicht nur dem Einzelnen persönlich zum Schutz vor dieser Pandemie, sondern sie helfen eben auch einer ganzen Gesellschaft. Erstens vor Überlastung in den Krankenhäusern und zweitens wirtschaftlich, damit wir nicht einen riesengroßen Schuldenberg anhäufen. 

DOMRADIO.DE: Ihr Bischof Heinrich Timmerevers hat sich jetzt in einem Interview in den "Dresdner Neuesten Nachrichten"auch zu den Impfverweigerern geäußert. Ist er denn nicht auch sauer, dass wegen dieser Verweigerer wieder alle in den Lockdown müssen?

Arnold: Ich erlebe Bischof Heinrich als einen sehr ruhigen Menschen, der selten emotional ist und dann sauer ist. Aber natürlich hat er sich auch geäußert und hat gesagt, er selbst würde sich jederzeit wieder impfen lassen. Die ganzen Gründe sprechen für ihn persönlich ganz klar dafür, sich impfen zu lassen. Er hat deswegen die Menschen aufgefordert, ihre Freiheit zu überprüfen, ihre Verantwortung zu überprüfen und sich impfen zu lassen.

Auf der anderen Seite hat er aber auch noch mal sensibilisiert in dem Interview, dass die Menschen, die schon geimpft sind, jetzt nicht die anderen verurteilen, sondern das Gespräch suchen sollten. Sie sollten versuchen, in einen Dialog zu kommen, erklären, warum es gut ist, sich impfen zu lassen und dann nicht am Ende die Spaltung in dem Land noch stärker zu vergrößern. Es ist eine Krise, es ist ein Charaktertest. Aber jetzt ist nicht der Moment sich zu zerstreiten, sondern zusammenzuhalten und gerade durch das Impfen vielleicht auch ein Zeichen von Solidarität zu setzen. 

DOMRADIO.DE: Viele können sich ja nicht freimachen vom Wunsch, dass Ungeimpfte selber für Covid-Behandlungskosten aufkommen müssen, bzw. dass die Geimpften dann eben auch Vorrang bei einer Intensiv-Behandlung haben. Wie ist da die Haltung Ihres Bistums? 

Arnold: Wenn es im Ernstfall - und wir stehen ja nicht weit weg von diesem Ernstfall - zu Situationen kommt, wo zu wenig Ressourcen verfügbar sind und ein Ungeimpfter und ein Geimpfter zugleich auf diese Ressourcen zugreifen müssen, dann muss man nach der Prämisse verfahren: "Vor aller Leistung und trotz aller Schuld." So drückt es Professor Andreas Lob-Hüdepohl (Anm. d. Red.: Theologe und Mitglied des Deutschen Ethikrats) aus. Das heißt, man kann dann nicht schauen: Ist jemand geimpft? Hat sich jemand vielleicht vorher im Leben falsch verhalten? Nein. Wenn es zur Ressourcenknappheit kommt, müssen andere Kriterien greifen. Und da ist die Frage: Wer braucht zuallererst diese Ressource der Medizin? 

DOMRADIO.DE: Die Gottesdienste in Sachsen sind weiterhin öffentlich möglich, trotz des Lockdowns - aber natürlich mit Einschränkungen. 

Arnold: Genau. Der Freistaat Sachsen hat seit Montag verordnet, dass auch für die Gottesdienste 3G gilt. Am Ende muss man sagen: Es ist gut, dass 3G gilt. Es herrscht nochmal eine größere Freiheit als bei anderen Dingen. Wenn ich es mit anderen Kultureinrichtungen vergleiche, die sind geschlossen. Wenn ich es mit Restaurants vergleiche, die haben 2G.

Ich glaube, es ist gut, dass die Gottesdienste mit 3G ermöglicht sind, denn wir werden wahrscheinlich in den nächsten Wochen nicht nur Advent feiern. Sondern wir werden wahrscheinlich Orte zum Klagen und Trauern brauchen und vielleicht auch Orte, wo Sehnsucht nach Hoffnung, nach Licht deutlich werden kann. Und da sind die Gottesdienste, die Kirchenräume, ein guter Ort.

Man muss aber auch sagen: Natürlich bietet auch das Bistum Dresden-Meißen in den nächsten Wochen zusätzlich Gottesdienste mit 2G an, damit die Leute, die Bedenken haben, mit Menschen, die nicht geimpft sind, in Kontakt zu kommen, einen Sicherheitsraum haben, wo sie ihre Hoffnung und Sehnsucht und ihren Glauben frei leben können.

Das Interview führte Carsten Döpp. 

(DR)

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