Ein Mitarbeiter in Schutzkleidung hält ein Teströhrchen.
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Auch in Zeiten von Corona kann man sich bei den Regensburger Domspatzen bewerben
Auch in Zeiten von Corona kann man sich bei den Regensburger Domspatzen bewerben

10.02.2021

Kindermediziner Michael Kabesch zu Teststrategien an Schulen "Nur zu öffnen, führt uns in den neuen Lockdown"

Zu einem Pilotprojekt am Gymnasium der Regensburger Domspatzen zur großflächigen Corona-Testung an Schulen liegen erste Erkenntnisse vor. Kindermediziner Michael Kabesch zu der Frage, was es für eine sichere Öffnung von Schulen braucht.

KNA: Herr Professor Kabesch, Sie haben bei den Domspatzen die sogenannte Stacado-Studie gestartet, die großflächiges Testen der Schule vorsah. Wie ist das möglich?

Univ.-Prof. Dr. med. Michael Kabesch (Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin, Kinderpneumologe, Allergologe und Chefarzt am Krankenhause der Barmherzigen Brüder, Regensburg): Wir hatten dabei vor allem logistische Fragen im Blick. Die werden immer unterschätzt. Es geht meist nur um die Laborkapazitäten. Entscheidend ist aber, wie ich schnelle Tests ermögliche. Durch das Gurgeln und die Pools, also das Testen mehrerer Proben gleichzeitig, ist es gelungen, günstiger und vor allem schneller zu Ergebnissen zu kommen. Vor allem letzteres ist wichtig.

KNA: Warum ist der Zeitfaktor so entscheidend?

Kabesch: Schultestungen sind ja eigentlich Umweltuntersuchungen. Man will die asymptomatischen Schüler finden, die eine Infektion in die Schule tragen, weil sie ja schon ansteckend sind. Mit unserem Modell wollen wir den Infizierten früh genug erkennen, bevor er weitere Schüler ansteckt, es also zur Kettenreaktion kommt. Dafür braucht es rasche Ergebnisse. Es nützt nichts, wenn man drei, vier Tage später weiß, dass ein Infizierter schon so lange in der Schule ist.

KNA: Die Studie lief von November bis zur Schulschließung - also keine zwei Monate. Gibt es trotzdem schon erste Erkenntnisse?

Kabesch: Wir haben mit Pilot-Testungen im Oktober begonnen. Die Sänger der Domspatzen haben wir vor Konzerten wie dem in der Elbphilharmonie komplett getestet. Als wir dann losgelegt haben, konnten wir rasch vom Gurgeln in der Schule auf das Gurgeln zu Hause umstellen. Das wiederum ist die Voraussetzung, das Konzept auf mehr Schulen übertragen zu können. Wir haben gelernt, welche Flüssigkeit die Schüler gern nutzen, ohne dass es die Ergebnisse beeinflusst. Außerdem wurden die Abläufe trainiert und eine Software entwickelt, mit der Schüler individuell und gleichzeitig sicher ihre Ergebnisse erfahren. Die Kooperation mit den Domspatzen war toll.

KNA: Man kann also die Ergebnisse von den Domspatzen auf andere Schulen übertragen?

Kabesch: Das war das Ziel der Studie. Am Anfang waren die Tests sehr teuer und auch die Technik steckte noch in den Kinderschuhen. Mit Kollegen in Wien haben wir mittlerweile Protokolle entwickelt, wie solche Tests schneller und günstiger werden. Statt anfangs fünf Proben haben wir jetzt 30 in den Pools, ohne dass die Empfindlichkeit zu schlecht wurde. Die Kosten liegen jetzt bei unter einem Euro pro Test. Im Lockdown haben wir dann noch an der Logistik gefeilt: Jetzt sind Tests ohne Experten an den Schulen möglich. Hilfreich war da auch ein Projekt in einem Erlanger Betrieb.

KNA: Halten Sie derzeit eine Öffnung von Schulen angesichts der Mutanten für verantwortungsvoll?

Kabesch: Das ist ein zweischneidiges Schwert. Kinder brauchen wieder den Präsenzunterricht. Der Distanzunterricht ist gerade für die, die eh schon Schwierigkeiten haben, problematisch. Aber wir haben in der ersten Welle mehr als 3.000 Kinder hier in der Klinik untersucht und gesehen, dass auch Kinder langfristig von Corona schwer betroffen sein können. Eine Infektion ist nicht automatisch harmlos. Schulen müssen also möglichst sicher sein. Da reichen Hygienemaßnahmen angesichts der Mutanten nicht aus. Es braucht engmaschige Testungen. Sonst geraten wir in den nächsten Lockdown. Wenn aber der politische Wille für so ein Monitoring da ist, ist es auch zu machen.

KNA: Ist das Konzept auch jenseits von Schulen anzuwenden?

Kabesch: Das Beispiel in Erlangen zeigt, dass es in Betrieben möglich ist. Aber auch in Kindergärten ist es prinzipiell vorstellbar. Mit etwas Übung können auch Dreijährige gurgeln. In der Uni-Kinderklinik der Barmherzigen Brüder machen das unsere kleinen Patienten seit März.

KNA: Wären nicht auch Antigen-Schnelltests ein Ersatz?

Kabesch: Vor dem Auftreten der Mutanten hätten sie sicher geholfen. Doch jetzt ist fraglich, ob man damit rechtzeitig einen Infizierten erkennt.

KNA: Die große Frage ist: Wann können wir halbwegs normal wieder leben? Können da solche Umwelt-Testungen helfen?

Kabesch: Es gibt schon Modellrechnungen: Wenn etwa die Hälfte der Menschen zwei Mal in der Woche getestet wird und man so rechtzeitig Infizierte erkennt, wird es innerhalb von vier bis fünf Wochen dazu kommen, dass hohe Inzidenzen merklich sinken oder niedrige auch niedrig bleiben. Das hätte also Potenzial. Nur zu öffnen, führt uns in den neuen Lockdown.

Christian Wölfel
(KNA)

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