Symbolbild Gestreamter Gottesdienst
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Wolfgang Beck
Wolfgang Beck

18.06.2020

Theologe sieht Veränderungen im Gemeindeleben in der Corona-Krise Viele Christen suchen neue Wege

Eine noch laufende ökumenische Studie unter Seelsorgern zu Erfahrungen mit digitalen Medien während der Corona-Pandemie zeigt schon jetzt Veränderungen im Gemeindeleben. In der Krise enstanden beispielsweise neue Formen von Gottesdiensten.

Es sei geradezu naiv zu denken, man könne nach der Krise in den Zustand vom Januar zurückkehren, sagte der Frankfurter Pastoraltheologe Wolfgang Beck der Verlagsgruppe Bistumspresse (Sonntag) in Osnabrück.

Viele Christen suchten sich inzwischen neue Wege, Orte und Verbindungen und lernten, dass sie durch die Online-Möglichkeiten nicht mehr zwingend an die ihre Gemeinde vor Ort oder gar an ihre Konfession gebunden seien.

Die Studie zeige, dass die Bedeutung des Sonntagsgottesdienstes abgenommen habe, so Beck. Das gelte auch für bisher regelmäßige Kirchgänger. "Die Sehnsucht nach der Wiederaufnahme der Gottesdienste ist nicht so stark ausgeprägt, wie das vielleicht vor der Krise erwartet worden wäre." Alarmismus sei aber nicht angebracht.

Neue Formen von Gottesdiensten

In der Corona-Krise entstünden neue Formen, so Beck. Als Beispiel nannte er das ökumenisch organisierte feministische Andachtskollektiv "fak", in dem junge Frauen online regelmäßig ein gottesdienstlich-spirituelles Angebot machten. Das ziele auf Gläubige, die mit klassischen Gottesdienstangeboten nicht erreicht würden. "An diese Kreativität in der Kirche kann auch nach der Corona-Zeit angeknüpft werden."

Die internationale und ökumenische Studie "Contoc - Churches Online in Time of Corona" wurde den Angaben zufolge im Mai gestartet. In Deutschland werden Pfarrer und andere Seelsorger über Landeskirchen und Diözesen per E-Mail zur Teilnahme an der Online-Umfrage aufgefordert.

Unterschiedlicher Fokus

Die Kirche habe sich bisher stark auf die Liturgie fokussiert, sagte Beck. Viele Gläubige empfänden aber den Wert der sonntäglichen Messfeier anscheinend als nicht so hoch, wie es als Ideal gelte. "Es könnte etwas Heilsames haben, da Korrekturen anzumerken." Demgegenüber sei die soziale Arbeit vernachlässigt worden. "Wir haben in den Gemeinden zum Beispiel nicht ausreichend die Themen Armut und Vereinsamung berücksichtigt."

Für die Studie kooperieren Wissenschaftler aus evangelischer und katholischer Theologie mehrerer Forschungsinstitute in Deutschland und der Schweiz, wie es hieß. Beteiligt sind Fachkollegen aus rund 20 weiteren Ländern.

(KNA)

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