Die Corona-Berichterstattung ist eine Gratwanderung für den Journalismus
Die Corona-Berichterstattung ist eine Gratwanderung für den Journalismus

18.04.2020

Journalistikprofessor fordert Wandel in Corona-Berichterstattung "Das sollte die absolute Ausnahme in der Demokratie sein"

Die Berichterstattung in den ersten Wochen der Corona-Krise sieht der Journalistik-Experte Klaus Meier kritisch. Sie müsse sich nun wandeln, mahnt er im Interview. Allerdings hat Meier auch Lob zu vergeben.

KNA: Vor welchen besonderen Herausforderungen steht der Journalismus angesichts von Corona?

Klaus Meier (Journalisitik-Experte und Professor der Katholischen Universität Eichstätt Ingolstadt): Der Journalismus muss eine Gratwanderung vollziehen: Einerseits muss er immer und uneingeschränkt Aussagen und Fakten prüfen, politische Hinterzimmer-Entscheidungen ans Tageslicht bringen, Mächtige kontrollieren, investigativ recherchieren und vielfältige Perspektiven in öffentliche Diskurse einschleusen. Andererseits sollte Journalismus aber auch mögliche Folgen der Berichterstattung berücksichtigen und kann deshalb nicht immer alles vielfältig darstellen. In der Corona-Berichterstattung haben wir gerade am Anfang gesehen, dass die Redaktionen stark die möglichen Konsequenzen ihrer Arbeit bedacht haben.

KNA: Was heißt das?

Meier: In dieser höchst undurchsichtigen Phase sollten irritierende Vielfalt und Kritik nicht noch mehr zur Verunsicherung beitragen oder das Virus verharmlosen; die Gesellschaft sollte darauf eingeschworen werden, gemeinsam die Verbreitung des Virus zu bekämpfen.

KNA: Was halten Sie davon?

Meier: Dass weitreichende politische Entscheidungen mit Eingriffen in die Grundrechte zwischen einzelnen Experten und der Exekutive im Hinterzimmer verhandelt und anschließend an die Bevölkerung distanzlos vermittelt werden, das sollte die absolute Ausnahme in der Demokratie sein - und darf sich auch in den nächsten Tagen und Wochen nicht fortsetzen. Seit ein paar Tagen sieht man wieder mehr Vielfalt und Ergebnisse von Recherchen. Das hätte früher passieren können. In einer distanzierten Debatte müssen spätestens jetzt weitreichende Fragen gestellt und recherchiert werden.

KNA: Welche etwa?

Meier: Zu denken wäre da beispielsweise an die Frage, inwiefern die Anti-Corona-Maßnahmen im Einzelnen tatsächlich verhältnismäßig waren und sind und was die beste Exit-Strategie sein kann. Was antwortet man denen, die vermuten, dass die in Wirtschaft und Gesellschaft, Kultur und Familien durch die pauschalen Maßnahmen angerichteten Schäden längerfristig zu mehr ebenfalls ernsthaft Geschädigten führen als die direkt durch das Virus verursachten Opfer?

KNA: Hat die journalistische Arbeit sonst noch Verbesserungsbedarf?

Meier: Den sehe ich vor allem im Umgang mit Zahlen, die kein getreues Abbild der Wirklichkeit in Echtzeit liefern können und die deshalb noch stärker eingeordnet und hinterfragt werden müssten. Auch mit dramatischen Einzelfällen - wie einzelnen überfüllten Kliniken in Deutschland bei fast 10.000 freien Intensivbetten - oder mit dramatischen Bildern - zum Beispiel die der Särge aus Bergamo oder New York - sollte man vorsichtig umgehen, weil sie die gesamte Lage nicht korrekt wiedergeben und Angst und Panik verursachen. Zudem sollten die Medien nicht einzelne Virologen zu unfehlbaren Medienstars aufbauen.

KNA: Sondern?

Meier: Sie sollten vielmehr die wissenschaftlichen Studien, die sich bei neuen Herausforderungen immer widersprechen, kritisch überprüfen und vergleichen - und mehrere Forscher befragen. Es sollten nicht nur Virologen, sondern Wissenschaftler verschiedener Disziplinen zu Wort kommen.

KNA: Sehen Sie auch lobenswerten Journalismus?

Meier: Eine vielfältige Berichterstattung - auch über die Folgen und Nebenfolgen des Shutdowns - sah und sieht man schon länger im Lokaljournalismus: das Nachfragen bei lokalen Gesundheitsberufen und in regionalen Kliniken ebenso wie Geschichten über die Probleme dieses Shutdowns für die Menschen - für Unternehmer, Selbstständige, Restaurants, Künstler, Sportler, Schüler, Lehrer, Eltern, die Auswirkungen auf psychisch Kranke, Behinderte oder Familien in problematischen Verhältnissen.

KNA: Wie wirkt sich Corona auf die Rezeption von Journalismus aus?

Meier: Die Krise zeigt, wie wichtig glaubwürdiger Journalismus in Zeiten ist, in denen große Unsicherheit und ein hohes Informationsbedürfnis herrschen. Sprunghafte Zugriffszahlen auf digitale Angebote, neue Abo-Abschlüsse von Plus-Angeboten der Zeitungsverlage und schwindelerregende Quoten der Nachrichten und Sondersendungen im Fernsehen und im totgesagten Radio belegen, dass der Informationshunger der Menschen riesig ist, die nach aktuellen Zahlen, Informationen und Einordnungen suchen. Sie wenden sich in großer Breite journalistischen Medien zu und teilen auch auf sozialen Plattformen besonders häufig Medienbeiträge.

Christopher Beschnitt
(KNA)

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