Philosoph Zaborowski fordert gesellschaftliches Umdenken

In welcher Gesellschaft wollen wir leben?

Der Philosoph Holger Zaborowski mahnt, nach der akuten Corona-Krise weiter solidarisch zu sein und Gesellschaft neu zu denken. Es ließe sich beispielsweise nicht weiter auf Kosten anderer Menschen oder der Natur leben.

Umdenken und kreativ werden beim Konsumverhalten (shutterstock)
Umdenken und kreativ werden beim Konsumverhalten / ( shutterstock )

Das werde notwendig sein, um die weltweiten, derzeit nicht abzuschätzenden Folgen der Krise zu überwinden, erklärte der Wissenschaftler in einem Impuls der Philosophisch-Theologischen Hochschule Vallendar am Dienstag. "Wir müssen ganz neu darüber nachdenken, in welcher Gesellschaft wir leben wollen."

Das aktuelle Zusammenrücken der Menschen nannte er berührend, aber auch erstaunlich, "da in unserer Gesellschaft oft Haltungen beschworen oder absolut gesetzt werden, die in einer Spannung zum solidarischen Handeln stehen können", so Zaborowski. Er verwies auf Beispiele von Selbstverwirklichung auf Kosten anderer Menschen oder der Natur. Die Krise lasse nun Menschen zusammenrücken. Viele setzten sich für andere ein.

Eine Krise in einem der reichsten Länder der Welt

"Wenn in hoffentlich nicht allzu ferner Zukunft die unmittelbaren gesundheitlichen Gefahren nicht mehr bestehen, hört die Notwendigkeit, füreinander da zu sein, nicht auf", so der Philosoph. Die Krise erfordere weltweite Solidarität und Verantwortung. "Wir erleben diese Krise in einem der reichsten Länder der Welt mit einem der besten Gesundheitssysteme der Welt", erklärte Zaborowski. Ärmere Länder dürften nicht vergessen werden.

Zaborowski war bis Ende März Rektor der Philosophisch-Theologischen Hochschule Vallendar (PTHV) und dort Professor für Geschichte der Philosophie und philosophischen Ethik. Zum April wechselte er als Professor für Philosophie an die Katholisch-Theologische Fakultät der Universität Erfurt.

Sozialethiker Wiemeyer: Umdenken hinsichtlich Konsum und Arbeit

Die Corona-Pandemie könnte auch nach Ansicht des Bochumer Sozialethikers Joachim Wiemeyer zu einem gesellschaftlichen Umdenken in Bezug etwa auf Arbeit und Konsum führen. Möglich seien etwa Änderungen im Entlohnungssystem, schreibt er in einem am Dienstag veröffentlichten Beitrag auf der Homepage des Münsteraner Forums für Theologie und Kirche (MFThK). In der Krise sei deutlich geworden, dass die Menschen zwar auf hochbezahlte Sportakteure oder Popkünstler verzichten könnten, nicht aber auf Verkäufer und Pflegekräfte aus unteren und mittleren Einkommensgruppen.  

Prof. Dr. Dr. Holger Zaborowski / © Timo Michael Keßler (privat)
Prof. Dr. Dr. Holger Zaborowski / © Timo Michael Keßler ( privat )
Quelle:
KNA