Sie gilt als systemrelevant: die Krankenschwester
Krankenschwester an Beatmungsgeräten

07.04.2020

Katholische Arbeitnehmerbewegung fordert bessere Bedingungen für Pflegekräfte "Es muss kurzfristig etwas getan werden"

Auf den Balkonen wird täglich für sie applaudiert. Für die Katholische Arbeitnehmerbewegung ist das nicht zielführend. Sie fordert mehr Gehalt und feste Arbeitszeiten für Pflegekräfte, denn das Thema betreffe jedes Menschenleben.

DOMRADIO.DE: Nicht erst seit der Corona-Krise haben Pfleger und Pflegerinnen einen wichtigen und anstrengenden Job. Was fällt durch die Corona-Krise nun besonders auf?

Andreas Luttmer-Bensmann (Bundesvorsitzender der Katholischen Arbeitnehmerbewegung, KAB): Es fällt auf, dass die Bezahlung für die Pflegekräfte, egal ob im Krankenhaus oder im Altenheim, nicht besonders toll ist. Es hat zwar schon Sonderzahlungen gegeben, aber das ist zu wenig. Es müssen fairere Lohnbedingungen geschaffen werden. Zudem stimmen die Arbeitsbedingungen in vielen Bereichen nicht. Das betrifft die Arbeitszeiten, aber auch die Möglichkeiten sich zu schützen. Das merken wir zur Zeit besonders deutlich. Es fehlt Schutzkleidung für diejenigen, auf die wir am dringendsten angewiesen sind.

DOMRADIO.DE: Bisher wurden sie oft als Kostenfaktor fürs Gesundheitssystem angesehen. Und jetzt wird den Menschen erst klar wie wichtig diese Arbeit ist?

Luttmer-Bensmann: Ich glaube, dass es zumindest jetzt noch einmal öffentlich diskutiert wird. Wer Erfahrung hat, weil er davon direkt betroffen ist, der kennt das schon lange. Der weiß, wie schwer die Aufgabe ist, in einem Altenheim oder in einem Krankenhaus zu arbeiten. Es ist dafür viel aufopfernde Arbeit notwendig und es ist schwierig, dafür Menschen zu finden. Aber wir haben in den letzten Jahren mehr darauf geachtet, die Kosten in der Pflege und im Gesundheitswesen nach unten zu drücken und das geht dann auf Kosten derjenigen, die diese Arbeit leisten müssen.

DOMRADIO.DE: Was sind Ihre Forderungen von der KAB?

Luttmer-Bensmann: Wir fordern, dass jetzt ganz konkret und kurzfristig etwas getan wird. Die Beschäftigten müssen mehr Geld bekommen. Wir sagen 500 € mehr. Da sind wir schon einen ganzen Schritt weiter. Wir müssen über die Privatisierung im gesamten Gesundheitswesen nachdenken und die Vorsorge wieder in die Fürsorge des Staates legen. Es müssen andere Arbeits- und Ruhezeiten gelten. Zwölf-Stunden-Schichten sind einfach zu viel. Im konkreten Fall müssen die Beschäftigten mit entsprechender Kleidung vor Corona geschützt werden. Zudem müssen die Pflegekräfte auch regelmäßig auf Corona getestet werden, sonst entwickelt sich diese Krise in den Pflegeheimen und Krankenhäusern zu einer Katastrophe.

DOMRADIO.DE: Glauben Sie, dass es vor dem Hintergrund der aktuellen Situation jetzt einfacher wird, bessere Löhne für die Pflegekräfte auszuhandeln?

Luttmer-Bensmann: Einfacher wird es nicht, glaube ich. Es sind eine Menge Menschen davon betroffen. Die Idee, die Kosten im Gesundheitssystem niedrig zu halten, auch die Krankenkassenbeiträge und Pflegeversicherung so niedrig zu halten, sind immer wieder ein Thema. Aber es wird nun deutlicher, dass es sich dabei um Menschen handelt, die sich sehr aufopferungsvoll um andere kümmern. Das wird von vielen gesehen. Ich finde es toll, dass die Menschen klatschen und Schokolade anbieten. Dann sollte die Gesellschaft bald auch mehr Geld und bessere Arbeitsbedingungen anbieten.

DOMRADIO.DE: Warum ist das ein Thema, das jeden von uns etwas angeht?

Luttmer-Bensmann: Weil wir alle mehr oder weniger davon betroffen sind. Die Pflege wird dringend gebraucht. Zum Einen, wenn wir krank sind, aber zum Anderen wird die Gesellschaft immer älter. Die Pflege der älteren Menschen wird zunehmend eine größere Rolle spielen. Ein jeder sollte sich mit dieser Frage auseinandersetzen und Verantwortung übernehmen. Deshalb sollte man auch bereit sein, das eine oder andere dafür zu bezahlen.

DOMRADIO.DE: Sie haben auch den Wunsch, dass viele Sie unterstützen bei Ihrem Anliegen. Wie soll das funktionieren?

Luttmer-Bensmann: Erst einmal möchten wir darauf aufmerksam machen. Wir haben ein Plakat gestaltet, das überall aushängt. Die Männer und Frauen aus der KAB nach außen transportieren ist dabei unser Anliegen. Wir wollen auch politische Forderungen an die gesundheitspolitischen Verantwortungsträger richten, um Reformen anzugehen. Ich glaube, dass das auch gehört wird.

Das Interview führte Dagmar Peters.

(DR)

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