Wohnungsloser auf der Straße
Wohnungsloser auf der Straße
Schwester Christina ist Wohnungslosen-Seelsorgerin im Erzbistum Köln
Schwester Christina ist Wohnungslosen-Seelsorgerin im Erzbistum Köln

20.03.2020

Wie kann man Obdachlose in der Coronakrise unterstützen? Wer zuhause bleibt, steckt keinen an

Es fehlen Kleiderkammern, Duschen und vor allem Begegnungen. Das Coronavirus bedroht auch Obdachlose. Nicht nur Einrichtungen sind geschlossen, auch ehrenamtliche Helfer fallen weg. Wie kann den Menschen auf der Straße geholfen werden?

DOMRADIO.DE: Menschen auf der Straße leben ohnehin in einer Dauereinschränkung. Wie hat sich ihre Situation in den vergangenen Tagen verschärft?

Schwester Christina Klein (Olper Franziskanerin und Obdachlosenseelsorgerin im Erzbistum Köln): Es sieht ziemlich dramatisch aus. Zuerst spüre ich die Angst bei den Menschen, die sehr traurig sind und sich verlassen fühlen. Sie wissen nicht, wie es weitergeht. Es fehlt ihnen an Treffpunkten, an Kleiderkammern, Duschen und Toiletten. Da generell ja nur wenige Menschen auf der Straße sind, gibt es auch kein Geld und keine Flaschen zum Wegbringen. Ebenso fehlen auch die ehrenamtlichen Helfer, die sonst immer Ausgaben an den Plätzen bereitgestellt haben. Diese Menschen fallen größtenteils weg, weil sie zur Risikogruppe gehören.

DOMRADIO.DE: Sie sind ja normalerweise in engem Kontakt mit vielen, die in Köln auf der Straße leben. Wie halten Sie das selbst im Moment? Gehen Sie ihre Leute weiter besuchen?

Schwester Christina: Ja, ich gehe die Leute weiter besuchen. Ich fahre durch die Straßen und gucke, wie es den Menschen geht. Ich versuche auch zu helfen. Dem einen fehlt vielleicht etwas zu essen, der andere braucht ein neues Kleidungsstück. So fahre ich durch die Straßen und gucke und führe natürlich Gespräche. Ich gehe auch in die Einrichtungen und schaue, was sich da entwickelt – und das ist zurzeit immer etwas anderes. Es werden immer andere Richtlinien herausgegeben. Auch die Einrichtungen sind bemüht, den Menschen zu helfen.

DOMRADIO.DE: Wie verfahren die Einrichtungen mit dem Risiko der Ansteckungsgefahr? Oder auch Sie, wenn Sie dann durch die Gegend fahren und sich mit den Leuten unterhalten?

Schwester Christina: Ich halte anderthalb Meter Abstand. Ich gebe keinem die Hand und versuche mich durch viel Händewaschen zu schützen.

DOMRADIO.DE: Was sind jetzt hier in Köln die Angebote, auf die sich Wohnungs- und Obdachlose weiter stützen können?

Schwester Christina: Die Streetworker sind noch unterwegs, sie besuchen auch die Menschen. Dann gibt es zum Beispiel den SKM (Sozialdienst Katholischer Männer e.V.) am Bahnhof. Der gibt Lunchpakete, also Butterbrote, heraus. Gestern waren es 80 Pakete. Sie machen das vor der Tür und versuchen auch den nötigen Abstand zu halten. Aber ein liebes Wort geht auch bei anderthalb Meter Abstand.

DOMRADIO.DE: Den Obdachlosen geht auch eine Einnahmequelle verloren, wie Sie schon sagten. Kaum noch jemand kommt vorbei. Wie groß ist dieses Problem?

Schwester Christina: Das Problem ist schon ziemlich groß. Ich habe auch gemerkt, dass einige Menschen einfach Hunger haben.

DOMRADIO.DE: Was können wir alle tun, damit auch wohnungs- und obdachlose Menschen möglichst gut durch diese Krise kommen? Was kann jeder einzelne tun?

Schwester Christina: Ich würde meinen, die Menschen sollen erstmal, wer kann, zu Hause bleiben. Damit auch die Ansteckungsgefahr nicht weiterverbreitet wird und auch nicht auf diese Menschen übergeht. Das ist nämlich ganz wichtig. Sonst müssten sie in Quarantäne und das geht irgendwie nicht. Das ist ja ihr Leben, ihr Wohnzimmer draußen.

Eine andere Sache ist natürlich: Lächeln kann man immer. Man kann die Menschen auch ansprechen und ihnen natürlich auch Geld spenden. Mittwoch haben Weihbischof Ansgar Puff, Christina Bacher und ich vom "Straßennetz gegen Wohnungslosigkeit" zusammengesessen und überlegt, was wir für die Menschen tun können.

Wir haben überlegt, dass wir Geschenkgutscheine kaufen aus Einkaufszentren, die wir auf der Straße verteilen. Zum anderen haben wir überlegt, dass wir unsere Wohnungslosen-Kirche "Gubbio" in der Ulrichgasse an zwei Tagen öffnen. Wir machen die Kirche dienstags und mittwochs immer ab 14 Uhr zum Gebet und auch zum Seelsorgegespräch auf. Dort werden wir auch diese Geschenkgutscheine verteilen.

Das Interview führte Michelle Olion.

(DR)

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