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Pflege im Krankenhaus
Prälat Peter Neher
Prälat Peter Neher

06.04.2020

Caritas-Präsident Neher zur Corona-Krise "Wir dürfen Risikogruppen nicht sich selbst überlassen"

Bestmöglichen Schutz für Alte, Kranke und Menschen am Rand der Gesellschaft fordert Caritaspräsident Peter Neher. Gefährlich sei aktuell vor allem der dramatische Mangel an Schutzkleidung und Gesichtsmasken für die Pflege.

KNA: Herr Neher, wie hat sich Ihre Arbeit in der Corona-Krise verändert?

Prälat Dr. Peter Neher (Präsident des Deutschen Caritasverbandes): Ich erlebe schon eine Art Krisenmodus, um die aktuellen Herausforderungen anzugehen. Viele persönliche Begegnungen und Außentermine können nicht mehr stattfinden, stattdessen steigt die Zahl der Telefon- und Videokonferenzen.

KNA: Caritas ist in vielen Bereichen besonders betroffen. Etwa in der Altenpflege, in Behinderten-Einrichtungen, Kinderheimen oder im Engagement für Wohnungslose. Was bereitet Ihnen aktuell die meisten Sorgen?

Neher: Jeder Bereich hat seine eigenen Probleme. Krankenhäuser und Pflege stehen im Moment sehr stark im Licht der Öffentlichkeit. Wie aber ist es um den Schutz wohnungsloser Menschen bestellt? Was bedeutet das alles für Menschen mit Behinderung, die jetzt nicht mehr in ihre Werkstätte können, sondern den ganzen Tag zu Hause oder im Wohnheim sind? Oder die Kinder und Jugendlichen in der Jugendhilfe; ihr Bedarf nach sozialpädagogischer Betreuung ist eigentlich jetzt noch größer.

Beinahe allen unserer Dienste gemeinsam ist derzeit aber das Problem fehlender Schutzausrüstung. Die größte Sorge ist: Wie können wir unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bestmöglich schützen und damit auch ihre Angehörigen und jene, für die sie da sein wollen? Sie können eben kein Homeoffice machen, sondern führen ihren Dienst für alte, kranke und pflegebedürftige Menschen oder für Menschen mit Behinderung unter schwierigen Rahmenbedingungen weiter. Ich hoffe, dass es uns bald gelingt, flächendeckend eine ausreichende Zahl von Schutzkleidung und -masken zu haben.

KNA: Wie sieht die Lage in Alteneinrichtungen und Pflegeheimen aus, in denen viele Menschen leben, die eine Covid-19-Erkrankung besonders gefährden würde?

Neher: Sie haben die bekannten Maßnahmen bestmöglich umgesetzt: Hygiene, Abstandsregeln, Besuchsverbote. Wir hatten glücklicherweise - anders als in Norditalien oder Spanien - ein wenig Zeit, um uns vorzubereiten. Aber leider wird die Betreuung alter und pflegebedürftiger Menschen auf absehbare Zeit extrem schwierig und risikoreich bleiben.

KNA: Welche emotionalen Folgen haben die Besuchsverbote?

Neher: Da gibt es nichts zu beschönigen. Die menschlichen Folgen dieser medizinisch notwendigen Maßnahmen sind dramatisch. Wenn beispielsweise eine Bewohnerin eines Altenheims noch nicht einmal zu ihrem 100. Geburtstag ihre Kinder in den Arm nehmen kann, sondern sie ihr nur vom Hof aus zuwinken können. Oder wenn es gar Kindern und Enkel nicht möglich ist, sich von ihrer sterbenden Mutter und Oma aus Sorge vor Ansteckung zu verabschieden.

Leider sehe ich aus medizinischer Sicht derzeit aber keine Alternative. Wenn wir hoffentlich bald genügend Schutzkleidung auch für Besucher haben werden, können wir vermutlich wieder zu anderen Besuchsregelungen zurückkommen.

KNA: Droht uns ein Generationen-Konflikt Jung gegen Alt - etwa bei den Debatten, wie wir aus dem gesellschaftlichen Stillstand wieder herauskommen?

Neher: Derzeit gibt es zu den weitreichenden Einschränkungen keine Alternative. Gleichwohl müssen wir in den kommenden Wochen intensiv über verantwortungsvolle Ausstiegsszenarien beraten. Einerseits sollen Gesellschaft und Wirtschaft wieder Tritt fassen, andererseits müssen wir Leben schützen und dürfen auf keinen Fall Risikogruppen sich selbst überlassen. Die Caritas kann hier ihre Erfahrungen einbringen. Letztlich muss aber die Politik die Entscheidungen verantworten.

KNA: Sind ohnehin sozial benachteiligte Menschen nun besonders von der Corona-Krise betroffen?

Neher: Die derzeitige Situation macht bereits bestehende Armutsprobleme noch einmal besonders deutlich. Wer ein Häuschen im Grünen hat, kann die derzeitigen Kontakteinschränkungen leichter aushalten als eine Familie in einer kleinen Wohnung ohne Balkon. Oder das Thema Schulschließungen: Kinder ohne Laptop und ohne engagierte Eltern, die sich intensiv um die Schulaufgaben kümmern, sind klar benachteiligt. Lehrer und Schüler müssen hier gleichermaßen unterstützt werden, um die sich verschärfende Ausgrenzung zu überwinden.

KNA: Drohen andere soziale Themen von der politischen Agenda zu verschwinden?

Neher: Dass Corona im Vordergrund steht, ist absolut verständlich. Eine Gesundheitskrise dieser Dimension gab es bislang noch nicht. Gleichzeitig arbeiten wir an anderen Themen weiter. So hoffen wir auf eine baldige Aufnahme von Kindern und Jugendlichen aus den Asyllagern auf den griechischen Inseln.

Auch das Thema Klima- und Umweltschutz macht keine Pause. Mich treibt besonders die Frage um, wie wir Ökologie mit Ökonomie und sozialer Gerechtigkeit verknüpfen. Der lebensnotwendige ökologische Umbau wird nur gelingen, wenn wir ihn sozial gerecht gestalten können.

KNA: Was aber, wenn die Corona-Krise große wirtschaftliche Folgen haben wird. Fehlen dann die Mittel für Umweltprojekte?

Neher: Ja, das macht mir Sorgen. Wir dürfen nicht den Fehler machen, kurzfristig Kosten senken zu wollen, etwa indem wir Umweltfragen hintanstellen. Wenn wir die notwendigen Klimaschutzmaßnahmen nicht schnell und konsequent ergreifen, wird uns das mittelfristig umso härter treffen.

Das Interview führte Volker Hasenauer.

(KNA)

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