Auch an Ostern gibt es keine öffentlichen Gottesdienste
Auch an Ostern gibt es keine öffentlichen Gottesdienste
Gerhard Feige, Bischof von Magdeburg
Gerhard Feige, Bischof von Magdeburg

04.04.2020

Bischof Feige verteidigt Absagen von Gottesdiensten wegen Corona "Mich selbst erschüttert das enorm"

In einer Videobotschaft hat der Magdeburger Bischof Gerhard Feige die Absagen der Gottesdienste wegen der Corona-Pandemie verteidigt. Es ginge nicht um Selbsterhaltung, sondern um Solidarität mit allen Mitbürgerinnen und Mitbürgern. 

"Manche Christen beklagen inzwischen, dass ihre Religionsfreiheit willkürlich eingeschränkt sei und die Kirchen sich nicht entschieden dagegen zur Wehr setzen würden", sagt Feige in der ab Freitag auf Youtube abrufbaren Botschaft.

Vorsorglicher Schutz vor Ansteckung 

"Worum es in dieser Krise aber geht, ist nicht unsere Selbsterhaltung oder Durchsetzungskraft, sondern die Solidarität mit allen unseren Mitbürgerinnen und Mitbürgern", betont der Bischof. "Es geht um den vorsorglichen Schutz vor gegenseitiger Ansteckung mit dem unberechenbaren Coronavirus und einem Kollaps unseres Gesundheitswesens mit noch mehr tragischen Todesfällen."

Feige ruft dazu auf, auf Länder wie Italien und Spanien zu schauen, weil einige die Gefahr immer noch nicht ernst nähmen. Die Absage aller öffentlichen Gottesdienste bedeute aber einen "ungeheuren Einschnitt in das religiöse Leben vieler Gläubigen", hebt der Bischof zugleich hervor. "Mich selbst erschüttert das enorm".

Schöpferische Ideen und Empfehlungen 

Andererseits sei er "erstaunt und erfreut, wie viele schöpferische Ideen und anregende Empfehlungen es auch in unserem Bistum gibt, um nicht zu vereinsamen, Familienangehörigen und Nachbarn das Leben erträglicher zu machen und in seinem Glauben lebendig zu bleiben", so Feige. Auch Radio und Fernsehen könnten helfen, Gottesdienste bewusst mitzufeiern oder Verbundenheit zu erfahren.

Darüber hinaus gebe es vielfältige Einladungen, zu bestimmten Zeiten und Anlässen miteinander zu beten. "Wenn Sie Glocken - von welcher Kirche auch immer - läuten hören, dann sollten Sie besonders daran denken, dass jetzt auch andere beten."

Ideologische Auseinandersetzungen befremdlich

Angesichts der Krise wirkten ideologische Auseinandersetzungen über die Möglichkeit, übliche Gottesdienste - nur eben im kleinsten Kreis - per Funk oder Bildschirm mitzufeiern oder in häuslicher Umgebung zusammen mit anderen beziehungsweise allein eigene zu gestalten, als befremdlich, so Feige weiter.

Wenn Christen sich zuhause zu Gebeten und zu kleinen Gottesdiensten versammeln, sei das nicht als Konkurrenz zu den offiziellen Liturgien oder als billige Ersatzlösung zu sehen, sondern als lebendiger Ausdruck des gemeinsamen Priestertums aller Getauften und Gefirmten zu begrüßen.

(KNA)

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