Frühjahrsvollversammlung der DBK 2021
Frühjahrsvollversammlung der DBK 2021
Ingo Brüggenjürgen
Ingo Brüggenjürgen

25.02.2021

DOMRADIO.DE-Chefredakteur zieht Bilanz zur Vollversammlung "Endlich und schnell in das richtige Fahrwasser"

Nach drei Tagen ist heute die Frühjahrsvollversammlung der Deutschen Bischöfe zu Ende gegangen. Ingo Brüggenjürgen hat die Tagung im Blick gehabt hat und berichtet von vielen Baustellen, die dringend bearbeitet werden müssten.

DOMRADIO.DE: Es war ja in der derzeitigen aktuellen Situation, in der die Kirche sich befindet, eine schwierige Konferenz für die Bischöfe, oder?

Ingo Brüggenjürgen (Chefredakteur DOMRADIO.DE): Das kann man wohl laut sagen. In der Corona-Situation kamen die Bischöfe erstmals in der über 150-jährigen Geschichte der Vollversammlung nicht real, sondern digital zusammen. Jeder, der digitale Konferenzen in der Größenordnung schon mitgemacht hat, weiß, dass das eine riesige Herausforderung ist.

Dann haben wir natürlich die aktuelle Debatte über die Aufarbeitung der sexuellen Gewalt mit dem Epizentrum im Erzbistum Köln. Das überlagert natürlich gegenwärtig auch die Debatte. Da hat der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Bischof Georg Bätzing, in seinem Abschlussstatement noch einmal deutlich gemacht, dass man sich da nicht nur auf den Kölner Erzbischof fixieren dürfe, sondern das sei Aufgabe aller Bischöfe.

DOMRADIO.DE: Und was haben neben Bätzing die anderen Bischöfe gesagt? Wie haben die reagiert?

Brüggenjürgen: Da möchte man ja gerne Mäuschen spielen. Wir hätten uns ja über einen entsprechenden Zoom-Link sehr gefreut. Aber die Bischöfe tagen hinter verschlossenen digitalen Türen. Aber wie man so hört, dann soll es gerade bei diesem Punkt, als das Thema sexuelle Gewalt auf der Tagesordnung war, überhaupt keine Nachfragen an den Erzbischof von Köln gegeben haben. Das verwundert dann doch ein wenig.

Gleichzeitig hört man aber von Bätzing, dass das Thema in allen Beiträgen irgendwo und in den Stimmungen doch eine Rolle gespielt hat, was ja auch gar nicht anders zu erwarten war. Aber Bätzing hat deutlich gemacht, dass es natürlich keine Rücktrittsforderungen aus dieser Runde gegeben habe. Das wäre eine völlig falsche Erwartungshaltung, so Bätzing in der Pressekonferenz. Und man ist bemüht, hier die Reihen geschlossen zu halten.

Wir müssen ja auch da berücksichtigen, dass alle Bischöfe, die schon länger im Amt sind, in ihren Diözesen ähnliche Aufgaben oder vielleicht ähnliche Probleme und Schwierigkeiten haben. Das macht die Sache nicht einfacher.

DOMRADIO.DE: Haben die Bischöfe beim Synodalen Weg eine einheitliche Position abstimmen können?

Brüggenjürgen: Bischof Bätzing hat dazu gesagt: Wir haben wie eine Familie gut gestritten und wir haben konstruktiv diskutiert. Und einig waren wir uns dann in der Sache, dass wir theologisch argumentieren müssen und dass die unterschiedlichen Positionen eingebracht werden müssen.

Also, das war viel Wortgeklingel, viele Fragen, die gestellt worden sind. Aber man konnte dem doch entnehmen, dass gerade in diesen schwierigen Fragen, die den Synodalen Weg bestimmen, es doch sehr unterschiedliche Auffassungen unter den Bischöfen gibt.

Das ist ja auch ein offenes Geheimnis, dass es auf der einen Seite eine kleine, aber feine Gruppe von Bischöfen gibt, die sagen, man könne doch den ganzen Laden nicht völlig umsortieren, es gäbe eine entsprechende Gliederung und eine Ordnung, woran es sich zu halten gilt.

Andere verweisen auf die Zeichen der Zeit. Man müsse dringend die gesellschaftlichen Realitäten - die Liebe zur Wirklichkeit, wie es ein Bischof formuliert hat - entdecken und sich dann entsprechend positionieren.

Also da ist noch viel Musik drin.

DOMRADIO.DE: Welche anderen wichtigen Baustellen gab es, die von den Bischöfen abgearbeitet wurden?

Brüggenjürgen: Dazu gehört zum einen, dass eine Generalsekretärin an die Spitze der obersten kirchlichen Verwaltung gewählt wurde. Früher hieß das immer "Sekretär der Deutschen Bischofskonferenz". 25 Jahre lang war das Pater Langendörfer. Den Begriff "Sekretärin" wollte man dann offensichtlich doch nicht. Es gibt jetzt also eine Generalsekretärin. Das ist ein starkes Signal, gerade auch an die Frauenverbände, die der Kirche ja immer mehr aufs Dach steigen. Das ist ja nicht nur Maria 2.0.

Dann wurde das wichtige Thema "Beihilfe zum Suizid" auch nochmal behandelt. Hier versuchen die Bischöfe, ihre Position zu halten. Niemand soll durch die Hand eines Menschen sterben, sondern an der Hand; also sinnvolle Begleitung.

Auch der andere Knackpunkt "Gemeinsames Abendmahl" kam natürlich wieder zur Sprache, gerade jetzt für den anstehenden Ökumenischen Kirchentag. Auch bei der Frage, wie das mit der Eucharistie ist, hat Bätzing deutlich gemacht, dass das kein langer Briefwechsel werden wird, aber eine lange Diskussion, auf die man sich einlassen muss.

Und last but not least haben die Bischöfe natürlich die Not und das Elend an unseren europäischen Außengrenzen, die Situation der Flüchtlinge, nicht außen vor gelassen.

Also wahrlich viele Baustellen, die die Bischöfe da eigentlich alle ganz schnell bearbeiten müssten und wo es dringend vorangehen muss.

DOMRADIO.DE: Wie ist Dein Fazit?

Brüggenjürgen: Ich hätte lieber die realen Konferenzen. Dann sitzt man zwar auch sehr lange vor verschlossenen Türen, aber dann kommt immer mal ein Bischof heraus und die haben dann doch das Herz auf der Zunge. Dann erfährt man mehr als in so digitalen Konferenzen.

Aber was wir sehen konnten als Journalisten, war ein souveräner Bischof Bätzing, der jetzt ein Jahr im Amt ist. Er hat die 17 Punkte auf seinem Papier der Abschluss-Pressekonferenz schnell wegmoderiert.

Gleichzeitig hat er nochmal deutlich gemacht und das, glaube ich, war auch kein Geheimnis, dass diese Fragen um den sexuellen Missbrauch und den Machtmissbrauch doch wirklich vieles überlagert haben. Und hier merkt man auf allen Seiten, dass gerade dieses Thema ein sehr toxisches Thema ist, das sehr viel Misstrauen sät in allen Bereichen.

Hier erlebt die Kirche einen katastrophalen Vertrauensverlust. Da ist es wirklich noch ein langer Weg. Und da reicht es wirklich nicht aus, nur auf Köln zu schauen, sondern da muss man den Blick weiten, denn das ist Aufgabe der gesamten Kirche, hier endlich, endlich und schnell, schnell, schnell in das richtige Fahrwasser zu kommen.

Das Gespräch führte Uta Vorbrodt.

(DR)

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