Margot Käßmann
Margot Käßmann
Reinhard Kardinal Marx
Reinhard Kardinal Marx

13.06.2021

Käßmann nimmt Kardinal Marx die Erschütterung ab "Am Ende geht es um die eigene Glaubwürdigkeit"

Die evangelische Theologin Margot Käßmann glaubt nicht, dass das Rücktrittsgesuch von Kardinal Reinhard Marx inszeniert war. "Ich nehme ihm das ab, dass ihn das derart erschüttert", sagte die frühere Bischöfin im Deutschlandfunk.

Das Schwierigste bei Rücktritten ist es nach ihren Worten, sich vor die Öffentlichkeit zu stellen und einen Fehler schonungslos und beschämend zuzugeben beziehungsweise für Fehler Verantwortung zu übernehmen. Man müsse dabei aber immer auch noch zwischen persönlichen Fehlern und Fehlern der Institution unterscheiden. Mit Blick auf das Rücktrittsgesuch des Münchner Erzbischofs sagte sie, wenn in der Kirche etwas passiere, müsse dafür Verantwortung übernommen werden, auch stellvertretend.

Käßmann war 2009 als erste und bisher einzige Frau an die Spitze der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) gewählt worden. Nach knapp vier Monaten Amtszeit wurde eine Autofahrt in Hannover unter Alkoholeinfluss bekannt, bei der sie eine rote Ampel überfahren hatte. Daraufhin trat sie am 24. Februar 2010 von allen ihren Ämtern zurück.

Persönliche Verantwortung – und Verantwortung für die Institution

"Ich denke, für manch andere ist es ein längerer Prozess, weil es manche schwerer haben, sich vom eigenem Amt zu lösen, aber am Ende geht es um die eigene Glaubwürdigkeit", sagte Käßmann.

Eine Person, die in einer Leitungsposition lebe, habe immer Verantwortung. Niemand sei aber vor Fehlern gefeit, betonte die Theologin. Auch die Kirchen müssten sich der öffentlichen Debatte stellen, denn sie seien kein rechtsfreier Raum. Gerade den Kirchen werde viel Vertrauen entgegengebracht: Wenn dort dann etwas passiere, dann müsse dafür Verantwortung übernommen werden. Wenn Einzelne dies nicht täten, müssten andere dies für die Institution übernehmen.

Man müsse Menschen aber auch zugestehen, dass sie sich nach Fehlern rehabilitieren und einen Neuanfang machen könnten, sagte Käßmann mit Bezug auf den Rücktritt von Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD). Giffey hatte nach Plagiatsvorwürfen zu ihrer Doktorarbeit im Mai das Amt der Bundesfamilienministerin aufgegeben. An ihrer SPD-Spitzenkandidatur für die Abgeordnetenhauswahl in Berlin im September hält sie aber fest.

(KNA)

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