DOMRADIO.DE: Zehntausende Menschen haben den Katholikentag in Würzburg gefeiert. Auf der anderen Seite leben wir in einer Zeit, in der viel davon gesprochen wird, dass das Interesse an Kirche zurückgeht. Wie erleben Sie das hier?
Marc Frings (Generalsekretär des Zentralkomitees der deutschen Katholiken): Ich erlebe hier das Gegenteil. Wir haben hier Zehntausende Menschen seit Mittwoch in den Straßen. Das Wetter ist so lala, aber das hält die Leute nicht davon ab, da zu sein, da zu bleiben, auch beim Live-Gottesdienst zu Christi Himmelfahrt, bei der Eröffnungsfeier. Wir hatten viele Tausende Menschen auf den Plätzen. Das ist erst mal die quantitative Botschaft. Noch viel wichtiger ist die Qualität.
Die Leute nehmen unsere Angebote wahr. Wir haben weit über 200 Veranstaltungen, die sich allein mit Spiritualität und mit Glaubensfragen beschäftigen. Wir hatten mehrere Dutzend Gottesdienste, die alle voll besetzt waren. Wir hatten von Freitag auf Samstag die Taizé-Nacht, die völlig überfüllt war. Die Teilnehmenden saßen sogar zwischen den Reihen. Das heißt, es ist ein großes Glaubensfest. Die Leute wollen sich auseinandersetzen mit Spiritualität.
Es ist im Grunde genommen ein Signal gegen die Säkularisierungs- und gegen die Individualisierungsthese. Wir haben hier ein tief gefestigtes Glaubenspublikum. Gleichzeitig sind es aber auch die Menschen, die sich politisch und gesellschaftlich einbringen wollen. Denn auch diese Formate – unsere Podien, unsere Werkstattgespräche – sind extrem gut besucht.
Insgesamt erlebe ich hier ein sehr positives Grundrauschen, ein zugewandtes Diskutieren, ein Sich-Einbringen-Wollen. Das ist auch das, was uns die Politik spiegelt, die uns auch auf dem Katholikentag besucht hat. Auch sie sagen immer wieder: Ihr müsst euch einbringen!
DOMRADIO.DE: Wir leben in angespannten Zeiten und diskutieren darüber, ob es bald eine AfD-Landesregierung in Sachsen-Anhalt geben wird. Was für ein Zeichen kann dafür ein Katholikentag mit dem Motto "Hab Mut, steh auf" setzen?
Frings: Es ist erst einmal ein ermutigendes Signal. Denn zu der Bilanz gehört auch, dass das Leitwort total gut funktioniert. Es ist ein Zweiklang, das Motto "Hab Mut, steh auf". Ab Montag heißt es aber auch, loszulaufen. Wenn man mit Mut aufgestanden ist, muss man loslaufen, um sich einzubringen: im Familiären, im Kommunalpolitischen, aber eben auch in der Kirche.
Für uns, mit Blick auf die AfD, die Sie konkret ansprechen, heißt das, jetzt noch intensiver in die sogenannten Regierungsprogramme hineinzuschauen, die die AfD für die Landtagswahlen vorgelegt hat. Es ist schon zynisch genug, dass sie es nicht Wahlprogramm nennen. Wir müssen herausarbeiten, dass diese Vorstellungen und Ziele in keiner Weise mit dem christlichen Menschenbild, mit Solidarität und unserem Gesellschaftsverständnis in Einklang zu bringen sind, und dass Christinnen und Christen diese Partei deswegen nicht wählen können.
DOMRADIO.DE: Der Katholikentag ist zu Ende. Der Staffelstab wird weitergegeben. In zwei Jahren geht's nach Paderborn. Worauf stellen Sie sich ein?
Frings: Auf ostwestfälische Gemütlichkeit und Gastfreundschaft. Es gab bereits im Rahmen dieses Katholikentags einen schönen Empfang des Erzbistums Paderborn. Wir konnten dabei das Diözesan-Komitee noch besser kennenlernen. Erzbischof Bentz freut sich wahnsinnig darauf. Ich bin sehr gespannt, auch hier in einer Gegend zu sein, die sehr katholisch geprägt ist, mit viel Verbandskatholizismus und auch Schützen in Paderborn.
Ich lerne jetzt auch schon langsam die ostwestfälischen Traditionen kennen. Ich freue mich sehr darauf. Wir haben schon vor einigen Wochen sowohl den Trägerverein als auch die Leitung des Katholikentags gegründet. Das heißt, finanziell, administrativ und inhaltlich sind wir aufgestellt. Aber diese Fragen beschäftigen mich erst ab Montag. Jetzt feiere ich erst einmal den Abschluss dieses Katholikentags.
Das Interview führte Renardo Schlegelmilch.