Kardinal Marx sieht Kirche als Verteidigerin der westlichen Moderne

"Wir bleiben an der richtigen Stelle"

Wie politisch darf oder muss Kirche sein? Über diese Frage haben Fachleute aus Politik und Kirche beim Katholikentag diskutiert. Aus Sicht von Kardinal Marx befindet sich die Kirche heute in einer überraschenden Rolle.

Kardinal Reinhard Marx / © Julia Steinbrecht (KNA)
Kardinal Reinhard Marx / © Julia Steinbrecht ( KNA )

Die Kirche als Verteidigerin der Demokratie, mit Blick auf die Geschichte findet Kardinal Reinhard Marx das "schon verrückt". Über Jahrhunderte habe sich die Kirche mühsam daran abgearbeitet, so der Erzbischof von München und Freising beim Katholikentag in Würzburg: "Und jetzt sind wir auf der Seite derer, die die westliche Moderne verteidigen müssen." Zugleich versicherte er: "Wir bleiben an der richtigen Stelle."

Katholikentag 2026 in Würzburg "Hab Mut, steh auf" / © Johannes Schröer (DR)
Katholikentag 2026 in Würzburg "Hab Mut, steh auf" / © Johannes Schröer ( DR )

Die Münsteraner Sozialethikerin Marianne Heimbach-Steins wies unter dem Gelächter des Publikums darauf hin, dass die Kirche selbst trotz aller Fortschritte in Sachen Demokratie immer noch eine "Großbaustelle" sei. Vor allem aber müsse sich die Gesellschaft insgesamt neu darüber verständigen, was Demokratie bedeutet: "Was wollen wir verteidigen? Wie wollen wir ein gutes politisches Zusammenleben für die Zukunft gestalten?"

Rolle der Kirche im politischen Dialog

Die früher für selbstverständlich gehaltene Allianz der Kirchen mit den C-Parteien sei schon seit den 1990er Jahren nicht mehr selbstverständlich, fügte die Sozialethikerin hinzu. Heute sei klar, dass das ernsthafte Vertreten von Positionen, die im biblischen Gottesglauben verankert sind, unterschiedliche politische Konsequenzen haben könne, "aber nicht beliebige". Diese im Detail zu definieren, sei dann Sache der Parteien.

"Wir können nicht sagen, was Gott denkt", ergänzte Marx: "Aber wir können sagen, was vom Evangelium her nochmals aufgerufen werden soll". Denn wenn sich Kirche in die Politik einmische, müsse sie deutlich machen, über welche Fragen intensiver nachgedacht werden müsse. Kirche müsse insbesondere ethische Perspektiven einbringen, die sonst unter den Tisch fallen würden.

Katholikentag

In der Regel findet alle zwei Jahre ein Katholikentag statt - diesmal in Würzburg. Der letzte war 2024 in Erfurt, 2028 wird erstmals Paderborn an der Reihe sein. In den ungeraden Jahren gibt es evangelische Kirchentage.

Katholikentage sind mehrtägige Großveranstaltungen, bei denen die katholische Kirche an die Öffentlichkeit geht. Sie finden in der Regel alle zwei Jahre statt, in diesem Jahr von Mittwoch bis Sonntag in Würzburg. 2024 war Erfurt an der Reihe, 2028 wird es erstmals Paderborn sein.

Schlussgottesdienst des 102. Katholikentags in Stuttgart  / © Harald Oppitz (KNA)
Schlussgottesdienst des 102. Katholikentags in Stuttgart / © Harald Oppitz ( KNA )
Quelle:
KNA