Die Kirche als Verteidigerin der Demokratie, mit Blick auf die Geschichte findet Kardinal Reinhard Marx das "schon verrückt". Über Jahrhunderte habe sich die Kirche mühsam daran abgearbeitet, so der Erzbischof von München und Freising beim Katholikentag in Würzburg: "Und jetzt sind wir auf der Seite derer, die die westliche Moderne verteidigen müssen." Zugleich versicherte er: "Wir bleiben an der richtigen Stelle."
Die Münsteraner Sozialethikerin Marianne Heimbach-Steins wies unter dem Gelächter des Publikums darauf hin, dass die Kirche selbst trotz aller Fortschritte in Sachen Demokratie immer noch eine "Großbaustelle" sei. Vor allem aber müsse sich die Gesellschaft insgesamt neu darüber verständigen, was Demokratie bedeutet: "Was wollen wir verteidigen? Wie wollen wir ein gutes politisches Zusammenleben für die Zukunft gestalten?"
Rolle der Kirche im politischen Dialog
Die früher für selbstverständlich gehaltene Allianz der Kirchen mit den C-Parteien sei schon seit den 1990er Jahren nicht mehr selbstverständlich, fügte die Sozialethikerin hinzu. Heute sei klar, dass das ernsthafte Vertreten von Positionen, die im biblischen Gottesglauben verankert sind, unterschiedliche politische Konsequenzen haben könne, "aber nicht beliebige". Diese im Detail zu definieren, sei dann Sache der Parteien.
"Wir können nicht sagen, was Gott denkt", ergänzte Marx: "Aber wir können sagen, was vom Evangelium her nochmals aufgerufen werden soll". Denn wenn sich Kirche in die Politik einmische, müsse sie deutlich machen, über welche Fragen intensiver nachgedacht werden müsse. Kirche müsse insbesondere ethische Perspektiven einbringen, die sonst unter den Tisch fallen würden.