Katholikentag setzt sich mit kirchlichem Missbrauch auseinander

"Nachholende Gerechtigkeit schaffen"

Bei einem Podium auf dem Katholikentag in Würzburg ringen Verantwortliche darum, wie die Aufarbeitung kirchlichen Missbrauchs gelingen kann. Im Zentrum steht die Forderung nach unabhängigen Aufarbeitungskommissionen.

 © Karl-Josef Hildenbrand (dpa)
© Karl-Josef Hildenbrand ( dpa )

Vertreterinnen und Vertreter der Betroffenen haben auf dem Katholikentag in Würzburg mit Bischof Franz Jung über den Umgang mit kirchlichem Missbrauch diskutiert. 

Kerstin Claus (UBSKM)
Kerstin Claus / ( UBSKM )

Bei dem Podium mit dem Titel "Kann der Täter Richter sein?" betonte am Donnerstag Kerstin Claus, die unabhängige Bundesbeauftragte gegen sexuellen Missbrauch von Kindern und Jugendlichen, das Strafrecht greife nur begrenzt, weil es etwa durch Verjährung eingeschränkt sei.

"Wenn wir über Aufarbeitung sprechen, geht es auch um Rechenschaftspflicht und Verantwortung", sagte Claus. Aufarbeitung müsse etwas leisten, "was aus Sicht der Betroffenen etwas wie nachholende Gerechtigkeit schafft". Es gehe auch darum, rückblickend zu klären, wer damals die Verantwortung getragen habe, wer etwas hätte tun müssen und wer heute Verantwortung übernehmen könne. Dafür brauche es eine klare Verantwortungsübernahme, sowohl vom Staat als auch von den Kirchen.

Forderung nach unabhängigen Aufarbeitungskommissionen in den Bundesländern

An den Würzburger Bischof Franz Jung gerichtet, beklagte Claus zu wenig Engagement der Kirchen, bei den Bundesländern auf unabhängige Aufarbeitungskommissionen zu drängen. Laut Jung sind auch die Kirchen unzufrieden damit, dass sich der Staat nicht stärker engagiert.

Bischof Franz Jung / © Julia Steinbrecht (KNA)
Bischof Franz Jung / © Julia Steinbrecht ( KNA )

 Der Jurist Stephan Rixen, der auch in der Aufarbeitungskommission des Erzbistums Köln war, stellte von dieser Seite ebenfalls fehlende Motivation fest. "Der Staat müsste sich dann auch selbst fragen, wo er in seinen eigenen Strukturen versagt hat", sagte Rixen. Das Thema werde bis heute beiseite gedrückt.

Diese Wahrnehmung teilt auch Manfred Schmitz vom Betroffenenbeirat bei der Deutschen Bischofskonferenz in Bonn. In der Kirche wie in der gesamten Gesellschaft gebe es das Problem, "dass man nicht darüber reden möchte". 

Dabei gehe die Zahl der Menschen nicht zurück, die von ihren Missbrauchserfahrungen berichten: "Ich bekomme jede Woche mindestens zwei Sachverhalte geschildert, das sind so widerwärtige Geschichten, dass sie fast unvorstellbar sind." Auch Schmitz fordert unabhängige Stellen – nicht nur für den kirchlichen Bereich, sondern für alle gesellschaftlichen Bereiche und Einrichtungen.

Katholikentag

In der Regel findet alle zwei Jahre ein Katholikentag statt - diesmal in Würzburg. Der letzte war 2024 in Erfurt, 2028 wird erstmals Paderborn an der Reihe sein. In den ungeraden Jahren gibt es evangelische Kirchentage.

Katholikentage sind mehrtägige Großveranstaltungen, bei denen die katholische Kirche an die Öffentlichkeit geht. Sie finden in der Regel alle zwei Jahre statt, in diesem Jahr von Mittwoch bis Sonntag in Würzburg. 2024 war Erfurt an der Reihe, 2028 wird es erstmals Paderborn sein.

Schlussgottesdienst des 102. Katholikentags in Stuttgart  / © Harald Oppitz (KNA)
Schlussgottesdienst des 102. Katholikentags in Stuttgart / © Harald Oppitz ( KNA )
Quelle:
epd