Der Vatikan bleibt bei seinem Nein zu der angekündigten Bischofsweihe der traditionalistischen Piusbruderschaft – und droht mit Konsequenzen bei Zuwiderhandlung. Für die Weihe verfügten sie nicht über das entsprechende päpstliche Mandat, schreibt der Leiter der Glaubensbehörde, Kardinal Víctor Manuel Fernández, am Mittwoch.
Daher stelle eine solche Zeremonie einen schismatischen Akt dar. Die formelle Einwilligung in eine Kirchenspaltung sei eine schwere Beleidigung Gottes und ziehe die im Kirchenrecht festgelegte Exkommunikation nach sich, heißt es in der kurzen Mitteilung. Die Strafe habe den Ausschluss aus der kirchlichen Gemeinschaft zur Folge. Den Betroffenen ist dann verboten, Dienste in liturgischen Feiern zu übernehmen, Sakramente zu spenden oder zu empfangen sowie kirchliche Ämter auszuüben.
"Der Heilige Vater bittet in seinen Gebeten weiterhin den Heiligen Geist, die Verantwortlichen der Priesterbruderschaft Sankt Pius X. zu erleuchten, damit sie ihre schwerwiegende Entscheidung rückgängig machen", schreibt Fernández abschließend.
Unerlaubte Weihen und Gespräche im Vatikan
Anfang Februar hatte der Generalobere der Piusbrüder, Davide Pagliarani, die Bischofsweihen für den 1. Juli angekündigt. Kurz darauf folgten überraschend Gespräche im Vatikan. Unter der Bedingung, dass die Traditionalisten auf ihre Weihen verzichten, bot Fernández ihnen einen Dialog über theologische Streitfragen sowie über einen künftigen kirchenrechtlichen Status an. Dieser ist bis heute ungeklärt. Den Vorschlägen erteilte Pagliarani eine Absage – und beharrt weiter auf den Termin der Bischofsweihe.
Bischöfe für Priesterweihen benötigt
Die Genehmigung der angekündigten Bischofsweihe der Piusbruderschaft am 1. Juli durch Rom ist aber kirchenrechtlich notwendig. Dass die Piusbrüder trotz des Verbots aus Rom dennoch neue Bischöfe weihen lassen wollen, hängt damit zusammen, dass sie glauben, sich in einer Notlage zu befinden: Bereits 1988 hatte der Gründer der traditionalistischen Gemeinschaft, Erzbischof Marcel Lefebvre, mit einem weiteren Bischof unerlaubt vier neue Oberhirten für die Priesterbruderschaft geweiht. Damit wollte der damals 82-Jährige das Fortbestehen der Piusbrüder für die Zeit nach seinem Tod sichern. Auch 1988 hatte es zuvor Gespräche mit dem Vatikan gegeben, der sich letztlich gegen die Weihen aussprach.
Von den vier damals Geweihten leben heute nur noch zwei Bischöfe. Die beiden anderen sind letztes bzw. vorletztes Jahr gestorben. Deshalb sieht die Piusbruderschaft nun Handlungsbedarf und will neue Bischöfe weihen. Diese benötigen sie, um auch mittelfristig Priesterweihen durchführen zu können. Denn nur gültig geweihte Oberhirten, die in der sogenannten apostolischen Sukzession stehen – sich also in einer Weihelinie sehen, die bis zu den Aposteln und damit zu Jesus Christus zurückreicht –, können gültig Weihehandlungen vornehmen. Ohne Bischöfe also keine Priester und ohne Priester keine Sakramente für die Gläubigen der Gemeinschaft.
Die Piusbrüder wissen jedoch aus ihrer Geschichte, was die angekündigten unerlaubten Bischofsweihen bedeuten würden: Schon 1988 wurden Erzbischof Lefebvre, der weihende Bischof und die vier Geweihten exkommuniziert – so wie es das Kirchenrecht vorschreibt. Die Exkommunikation ist der Ausschluss aus der kirchlichen Gemeinschaft und die höchste Strafe im Kirchenrecht. Sie ist im Fall unerlaubter Bischofsweihen eine Tatstrafe, tritt also unmittelbar mit dem Begehen der verbotenen Handlung ein und kann nur vom Papst aufgehoben werden. Lefebvres unerlaubte Weihen wurden damals von Papst Johannes Paul II. zudem als schismatischer Akt verurteilt.
Unerlaubt aber gültig
Der Vatikan rief daraufhin die Gläubigen auf, den Priestern der Piusbrüder nicht mehr zu folgen und dort keine Sakramente mehr zu empfangen. Die unerlaubten Bischofsweihen waren jedoch sakramental gültig, weil sie mit Blick auf den Ritus der Weihe und die apostolische Nachfolge korrekt gespendet wurden. Das unauslöschliche Prägemal, das den Kandidaten nach kirchlicher Lehre mit der Weihe eingeprägt wurde, ist trotz der Illegitimität vorhanden.
2009 hob Papst Benedikt XVI. die Exkommunikation der Bischöfe der Piusbruderschaft auf, um eine Annäherung der Gemeinschaft an die katholische Kirche zu ermöglichen. Die daraufhin einsetzenden Gespräche waren jedoch nur von kurzer Dauer. Zu einer vollen Wiedereingliederung der Piusbrüder in die Kirche kam es trotz weitreichender Zugeständnisse an die Bruderschaft und einer Befürwortung durch den damaligen Generaloberen, Bischof Bernard Fellay, nicht.
Die Piusbrüder lehnen die meisten Reformen des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-1965) ab und beharren auf alten Formen des Gottesdienstes. Der Gemeinschaft gehören weltweit mehr als 700 Priester an, die meisten davon in Nordamerika und in Frankreich.