Der frühere Präfekt der Glaubenskongregation, Kardinal Gerhard Ludwig Müller, sieht die Ursache von Kriegen in der Abkehr des Menschen von Gott.
Krieg sei Folge des zerstörten Verhältnisses des Menschen zu seinem Schöpfer und zeige "sein diabolisches und dämonisches Gesicht" in Gewalt und Mord, schreibt Müller am Mittwoch in der Zeitung "Die Tagespost" (online).
Mit Blick auf historische Kriege bis hin "zur Aggression der Putin-Armee gegen die Ukrainer" verweist der Kardinal auf den Brudermord Kains an Abel als Urbild des Krieges. Je weiter sich die Menschen von Gott entfernten, desto erbarmungsloser würden ihre Kriege. Der "Tod Gottes" führe zum "Massenmord an den Menschen", so Müller. Er warnt vor der Gefahr eines atomaren Weltkriegs, der "die ganze Menschheit vom Erdboden vertilgen könnte".
Gerechter Krieg
Die eigentliche Ursache von Krieg liege nicht in der Natur des Menschen, sondern in der "Hinwendung zu den geschaffenen Dingen", die "an der Stelle Gottes wie Götzen verehrt werden". Millionen Menschen seien im Lauf der Geschichte "den Götzen von Macht, Habgier und Wollust" geopfert worden.
Zugleich verteidigt Müller unter bestimmten Bedingungen den Einsatz militärischer Gewalt. Wenn es keine andere Möglichkeit mehr gebe, müsse die Gewalt von Tyrannen "durch eine adäquate, aber auch wohlverantwortete Gegengewalt durch Polizei und Militär" begrenzt werden. Die christliche Lehre vom "gerechten Krieg" meine eine legitime Verteidigung gegen einen Aggressor.