Die Verhandlungen des Libanon mit Israel über eine Verlängerung der Waffenruhe sind nach Worten des maronitischen Patriarchen Kardinal Bechara Rai kein Zugeständnis, sondern eine Notwendigkeit. Er stärkte bei einem Besuch im Präsidentenpalast dem libanesischen Präsidenten Joseph Aoun den Rücken.
Dieser hatte laut Berichten am Donnerstag betont, dass Verhandlungen mit Israel "kein Zeichen von Schwäche" seien, sondern ein Schritt zum Schutz der Rechte, der Souveränität und territorialen Integrität des Libanon. Rai erklärte die Diplomatie zum einzigen gangbaren Weg in dem Konflikt. "Wir haben genug von Zerstörung und Kriegen"; Verhandlungen basierten darauf, "die Würde und die Rechte aller Libanesen zu wahren", so Rai.
Keine konfessionelle Frage
Das Oberhaupt der größten christlichen Konfession im Libanon betonte, der Präsident spreche nicht als maronitischer Christ, sondern im Namen aller Libanesen. Der Staat sei die einzige Autorität für das libanesische Volk und die Waffen der libanesischen Armee die einzigen legitimen Waffen im Land, so Rai.
Im Blick auf die weiterhin unter israelischer Kontrolle stehenden Gebiete im Südlibanon forderte das Kirchenoberhaupt eine Öffnung humanitärer Korridore, um alle Bedürftigen zu erreichen. - Der Libanon hatte vor einer zweiten Gesprächsrunde zwischen den Kriegsparteien in Washington angekündigt, eine mehrmonatige Waffenruhe mit Israel anzustreben.