Kardinal Müller erklärt Kriege mit Abkehr von Gott

"Zerstörtes Verhältnis des Menschen zu seinem Schöpfer"

Kardinal Müller sieht im Brudermord Kains an Abel das Urbild aller Kriege. Der "Tod Gottes" führe zum "Massenmord an den Menschen", sagt er. Militärische Gewalt könne in bestimmten Fällen jedoch als ultima ratio gerechtfertigt sein.

Kardinal Gerhard Ludwig Müller / © Alessia Giuliani/CPP (KNA)
Kardinal Gerhard Ludwig Müller / © Alessia Giuliani/CPP ( KNA )

Der frühere Präfekt der Glaubenskongregation, Kardinal Gerhard Ludwig Müller, sieht die Ursache von Kriegen in der Abkehr des Menschen von Gott. 

Krieg sei Folge des zerstörten Verhältnisses des Menschen zu seinem Schöpfer und zeige "sein diabolisches und dämonisches Gesicht" in Gewalt und Mord, schreibt Müller am Mittwoch in der Zeitung "Die Tagespost" (online).

Das Bildmotiv des Brudermordes befindet sich auf dem Hauptportal des Speyerer Domes: Kain erschlägt Abel. / © Beatrice Tomasetti (DR)
Das Bildmotiv des Brudermordes befindet sich auf dem Hauptportal des Speyerer Domes: Kain erschlägt Abel. / © Beatrice Tomasetti ( DR )

Mit Blick auf historische Kriege bis hin "zur Aggression der Putin-Armee gegen die Ukrainer" verweist der Kardinal auf den Brudermord Kains an Abel als Urbild des Krieges. Je weiter sich die Menschen von Gott entfernten, desto erbarmungsloser würden ihre Kriege. Der "Tod Gottes" führe zum "Massenmord an den Menschen", so Müller. Er warnt vor der Gefahr eines atomaren Weltkriegs, der "die ganze Menschheit vom Erdboden vertilgen könnte".

Gerechter Krieg

Die eigentliche Ursache von Krieg liege nicht in der Natur des Menschen, sondern in der "Hinwendung zu den geschaffenen Dingen", die "an der Stelle Gottes wie Götzen verehrt werden". Millionen Menschen seien im Lauf der Geschichte "den Götzen von Macht, Habgier und Wollust" geopfert worden.

Zugleich verteidigt Müller unter bestimmten Bedingungen den Einsatz militärischer Gewalt. Wenn es keine andere Möglichkeit mehr gebe, müsse die Gewalt von Tyrannen "durch eine adäquate, aber auch wohlverantwortete Gegengewalt durch Polizei und Militär" begrenzt werden. Die christliche Lehre vom "gerechten Krieg" meine eine legitime Verteidigung gegen einen Aggressor.

Gerhard Ludwig Müller

Gerhard Ludwig Müller war Präfekt der Glaubenskongregation und damit Leiter der ältesten zentralen Kurienbehörde im Vatikan. Der aus Mainz stammende Theologe promovierte und habilitierte sich bei dem späteren Mainzer Kardinal Karl Lehmann. Er lehrte ab 1986 in München Dogmatik und verfasste ein Standardwerk über diese theologische Disziplin.

Kardinal Gerhard Ludwig Müller / © Harald Oppitz (KNA)
Kardinal Gerhard Ludwig Müller / © Harald Oppitz ( KNA )
Quelle:
KNA