In Georgien steigen Spannung und Nervosität im Vorfeld der anstehenden Wahl des neuen orthodoxen Patriarchen. Für das erweiterte Kirchenkonzil, das eigentlich laut Kirchenstatut spätestens am 17. Mai das neue Kirchenoberhaupt wählen soll, gibt es bislang noch keinen Termin. Das hielt das georgische Patriarchat selbst nochmals in einer offiziellen Erklärung fest.
Zugleich werden in der Erklärung vom Montag Spekulationen zurückgewiesen, wonach noch am selben Tag eine inoffizielle Versammlung der Bischöfe angesetzt gewesen sei. Einer der drei zur Wahl stehenden Kandidaten, Metropolit Gregory (Berbichashvili), rief unterdessen zu nationaler und kirchlicher Einheit auf. Die Wahl des neuen Kirchenoberhaupts dürfe nicht einer politischen Wahl ähneln.
Ein eher prorussischer Verwalter
Das bisherige Oberhaupt, Patriarch Ilia II., war Mitte März mit 93 Jahren gestorben. Der Heilige Synod der georgisch-orthodoxen Kirche hatte Ende April drei Kandidaten für das Amt des Patriarchen gewählt.
Bei der Abstimmung unter den georgischen Bischöfen erhielt Metropolit Schio (Mujiri) 20 Stimmen, Metropolit Job (Akiashvili) sowie Metropolit Gregory (Berbichashvili) jeweils 7. Metropolit Gregory zeigte sich am Wochenende besorgt, dass Spannungen, Anschuldigungen und Spaltungen selbst innerhalb der Kirche zutage treten könnten. Ein solches Verhalten widerspreche aber dem spirituellen Charakter des Wahlprozesses. Er rief Gläubige wie Klerus auf, dem Prozess mit Demut und Einigkeit zu begegnen.
Gregory betonte, dass alle drei Kandidaten für das Patriarchenamt Mitglieder derselben Kirche seien und einen gemeinsamen Glauben und eine gemeinsame Mission teilten. "Sie sind keine Vertreter verschiedener Parteien, Religionen oder Interessen", so der Metropolit.
Kyrill warnt künftigen Patriarchen
Unterdessen warnte der Moskauer Patriarch Kyrill bereits seinen künftigen Amtsbruder davor, die Anerkennung der selbstständigen Orthodoxen Kirche der Ukraine (ÖKU) voranzutreiben – wer auch immer in Georgien gewählt werde. Brisant: In dem vom Moskauer Patriarchat veröffentlichten Text zu dem betreffenden Termin fehlte diese Aussage laut dem Infoportal "Orthodox Times" ebenso wie in dem Video auf der Website des Patriarchats. Das entsprechende Videomaterial wurde aber auf anderen russischen Plattformen gefunden, wo die Warnung des Patriarchen deutlich zu hören sei.
Von den drei Kandidaten gilt Metropolit Schio (57) als regierungsfreundlich und eher prorussisch. Metropolit Job (65) gilt als konservativer Hierarch, der Distanz zu Moskau wahrt, sich aber in Glaubensfragen energisch äußert. Metropolit Gregory (69) gilt als regierungskritisch und europafreundlich und hat sich während der politischen Unruhen der vergangenen Jahre immer wieder deutlich zu Wort gemeldet.
39 wahlberechtigte Bischöfe
Laut Wahlordnung ist der Verwalter des Patriarchenstuhls – Metropolit Schio – verpflichtet, spätestens zwei Monate nach dem Tod des Patriarchen ein erweitertes Kirchenkonzil einzuberufen, dem Bischöfe, Geistliche und auch Laien angehören. Den neuen Patriarchen wählen aber nur die Bischöfe.
Als gewählt gilt, wer mehr als die Hälfte der Stimmen der anwesenden Bischöfe auf sich vereint; das wären mindestens 20 der derzeit 39. Erreicht in der ersten Runde keiner der Kandidaten die erforderliche Mehrheit, findet eine zweite Wahlrunde statt; mit den beiden Kandidaten, die die meisten Stimmen erhalten haben.