DOMRADIO.DE: Warum haben Sie für den kommenden Katholikentag das Leitwort "Hab Mut, steh auf!" aus dem Markus-Evangelium gewählt?
Irme Stetter-Karp (Präsidentin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken / ZdK): Es ist uns als Veranstalter, als Zentralkomitee der Deutschen Katholiken, ein Anliegen, Mut zu machen und gerade jetzt die Menschenwürde zu verteidigen. Sie ist hier in Deutschland und auch andernorts in Gefahr.
Insofern stellen wir uns mit diesem biblischen Motto gegen Hass und Hetze, die das Klima auch in unserem Land zu vergiften drohen. Es entspricht unserem christlichen Profil, wenn wir sagen: "Nicht mit uns!"
DOMRADIO.DE: Nun werden die Christen und die Mitglieder christlicher Kirchen in Deutschland immer weniger. Wie viel Gewicht hat die christliche Stimme denn überhaupt noch in Deutschland?
Stetter-Karp: Die große Beachtung, die Katholikentage wie auch Kirchentage medial immer wieder erfahren, spricht für sich. Hier geschieht Zeitansage – und die interessiert. Gerade in Zeiten, in denen Menschen in herausfordernden Transformationsprozessen Orientierung suchen. Ich könnte auch fragen, wie viele Veranstaltungen es im öffentlichen Raum gibt, in denen sich Menschen unterschiedlicher Milieus, Herkunft, Überzeugungen, Parteizugehörigkeit, ob jung oder alt, reich oder arm, kommerzfrei begegnen können. Genau dieses Experiment wagen wir mit dem Katholikentag.
DOMRADIO.DE: Am 13. Mai beginnt der Katholikentag. Wie gut ist Würzburg vorbereitet? Haben Sie sich schon alles angeschaut?
Stetter-Karp: Natürlich, wir waren zwei Jahre in der Vorbereitung und immer wieder dort. Die Region freut sich sehr auf dieses große Ereignis. Ich habe den Eindruck, es gibt eine gute Dynamik im Vorfeld, und wir freuen uns auf die Gastfreundschaft der Unterfranken.
DOMRADIO.DE: Kritiker sagen, der Katholikentag sei eher ein "Binnenereignis" für ohnehin Engagierte. Wie wollen Sie die Menschen erreichen, die der Kirche längst den Rücken gekehrt oder vielleicht noch nie dorthin gefunden haben?
Stetter-Karp: Fakt ist: Wir haben rund 900 Veranstaltungen und es gibt über 300 Organisationen auf der Kirchenmeile (Anm. der Red.: Der Info- und Begegnungsbereich, wo sich zahlreiche kirchliche Gruppen, Verbände, Orden, Hilfswerke, Initiativen und Organisationen präsentieren), das sind mehr als bei den vergangenen Katholikentagen. Wir haben schon in Erfurt erlebt, in einer Umgebung, in der Katholikinnen und Katholiken eine wirklich kleine Minderheit der Bevölkerung sind, dass es sehr viel Interesse und Offenheit der Bürgerinnen und Bürger gab.
Insofern ist unser Programm auch etwas für die Umstehenden. Ich denke an die öffentlichen Konzerte, aber auch an die Veranstaltungen, die im öffentlichen Raum stattfinden. Längst sind Katholikentage ökumenische Ereignisse – auch in der Ökumene mit religionsfernen Menschen. Dass das gut funktioniert, hat Erfurt gezeigt.
DOMRADIO.DE: Wenn man sich das Programm anschaut, gewinnt man den Eindruck, dass der Katholikentag mit seinen Themen vor allem ein kirchenpolitisch progressives Milieu anspricht. Wie wollen Sie denn den Teil der Katholiken und Katholikinnen mitnehmen, die eher traditionell oder konservativ sind?
Stetter-Karp: Die sind selbstverständlich auch angesprochen. Ich freue mich sehr, dass es gerade auf der Kirchenmeile ein ganz breites Spektrum gibt, auch Gruppierungen aus dem konservativen katholischen Milieu. Es beteiligen sich wieder Organisationen, die an einigen Katholikentagen nicht dabei waren. Wir wollen die Menschen erreichen. Gespräche, Diskussionen, gemeinsames Feiern unseres Glaubens bringt zusammen.
DOMRADIO.DE: Welches Thema liegt Ihnen persönlich bei diesem Katholikentag besonders am Herzen?
Stetter-Karp: Das Programm ist dicht, aber was für mich persönlich bei den letzten beiden Katholikentagen an Bedeutung gewonnen hat, sind die christlich-muslimische Feier und die jüdisch-christliche Feier am Abend.
Das sind für mich prägnante Ereignisse, ebenso wie das gemeinsame Gebet, das gemeinsame Singen und die Feiern, die neben den Debatten, die es natürlich auch geben wird, eine wichtige Bedeutung haben.
DOMRADIO.DE: Welche Botschaft soll von diesem Katholikentag ausgehen?
Stetter-Karp: Tatsächlich die Botschaft, sich nicht entmutigen zu lassen, sondern der Gemeinschaft zu vertrauen und miteinander Wege zu gestalten. Wir wissen, dass sich auch Deutschland stark verändern muss und verändern wird. Dass wir uns dabei nicht zurückziehen, weder im kirchlichen noch im politischen Raum, das ist unser Wunsch. Dazu wollen wir mit dem Katholikentag beitragen.
Das Interview führte Ina Rottscheidt.