Spanien startet Entschädigungssystem für Missbrauchsbetroffene

Bereits hunderte Anträge

Wer in Spanien Opfer von kirchlichem Missbrauch geworden ist, kann sich nun an eine neu eingerichtete staatliche Stelle wenden und eine Entschädigung verlangen. Die Resonanz in den ersten Wochen ist beachtlich.

Eine spanische Flagge hängt an einer alten Kirche in Cáceres (shutterstock)
Eine spanische Flagge hängt an einer alten Kirche in Cáceres / ( shutterstock )

Ein in Spanien eingeführtes staatliches Entschädigungssystem für Fälle sexuellen Missbrauchs im kirchlichen Umfeld hat schon in den ersten Wochen 300 Anträge verzeichnet. Das sind fast doppelt so viele wie im Ende 2024 geschaffenen Wiedergutmachungssystem der katholischen Kirche. Beobachter werten dies als Beleg für fehlendes Vertrauen in die zuständigen kirchlichen Stellen.

Nach jahrelangen Verhandlungen hatten sich Kirche und Regierung in Spanien auf das neue System geeinigt, das für Missbrauchsfälle vorgesehen ist, die juristisch verjährt sind oder in denen der Täter inzwischen gestorben ist.

Neues System mit staatlichem Ombudsmann

Betroffene können sich jetzt an die Stelle eines staatlichen Ombudsmanns wenden, der gegebenenfalls einen Entschädigungsvorschlag erarbeitet. Stimmen sowohl Opfer als auch die betroffene kirchliche Institution zu, wird der Vorschlag entsprechend umgesetzt.

Bei Widerspruch wird der Fall an eine spezielle Kommission verwiesen, in der auch Opferverbände vertreten sind. Kann so ebenfalls keine Einigung erzielt werden, trifft der Ombudsmann die endgültige Entscheidung. Die Kirche hat sich verpflichtet, dessen Beschluss zu respektieren.

Kirche in Spanien

Kirche in Spanien hat zwei Gesichter: Zum einen ist Spanien ein traditionell katholisches Königreich - etwa ab 380 war das Christentum im Römischen Reich endgültig Staatsreligion, also auch in der Provinz Hispanien - in dem die Osterprozessionen jedes Jahr tagelang inbrünstig und mit eindrucksvollen Kutten zelebriert werden; wo jede Stadt und Gemeinde einen eigenen Feiertag hat, der dem Stadtheiligen gewidmet ist und imposante Kathedralen zum Weltkulturerbe zählen; ein Land, in dem die katholische Vereinigung Opus Dei gegründet wurde und mit eigenen Universitäten und mächtigen Mitgliedern i

Eine spanische Flagge hängt an einer alten Kirche in Cáceres (shutterstock)
Eine spanische Flagge hängt an einer alten Kirche in Cáceres / ( shutterstock )
Quelle:
KNA