Augsburgs Bischof Meier warnt vor Machtmissbrauch in der Kirche

"Scheint fast vorprogrammiert"

"Wegspiritualisieren" helfe nicht, so Augsburgs Bischof Bertram Meier in Bezug auf Macht in der Kirche. Diese Macht sei eben da. Und was schützt davor, sie zu missbrauchen? Darüber sprach er anlässlich einer Diakonenweihe.

Bischof Bertram Meier  / © Ingo Brüggenjürgen (DR)
Bischof Bertram Meier / © Ingo Brüggenjürgen ( DR )

Der Augsburger Bischof Bertram Meier warnt vor Machtmissbrauch in der Kirche. "Die in der Kirche etwas zu sagen haben, verfügen über Macht", sagte Meier laut Manuskript am Samstag bei einer Diakonenweihe in der Augsburger Basilika Sankt Ulrich und Afra. Pfarrer seien in der Regel Dienstvorgesetzte, der Bischof sei Dienstgeber. "Das hat mit Macht zu tun", so Meier. "Davor die Augen zu verschließen und es zu verdrängen, es 'wegzuspiritualisieren' hilft nicht. Machtmissbrauch scheint fast vorprogrammiert."

Der Bischof mahnte: "Dagegen hilft nur Transparenz, die Macht offen beim Namen nennt und richtig damit umzugehen weiß." In der Regel laufe es so in der Welt: "Man macht andere herunter, um selbst groß herauszukommen." Jesus hingegen schwebe ein radikales Kontrastprogramm vor: "Wahre Größe zeigt sich darin, dass ich andere in meiner Umgebung groß werden lasse. Das ist nicht Schwäche, sondern Stärke."

Gegen Herrschaftsallüren

Meier führte aus: "Jesus hat das Amt in der Kirche nicht eingesetzt, damit die einen über die anderen herrschen und schließlich noch ihre eigenen Machtgelüste und Herrschaftsallüren auslassen können, sondern damit die Kirche ihrer Sendung in der Welt treu bleibt." Die Leute sollten sehen, dass es auch anders gehe. "Die Ersten lassen sich nicht bedienen, sondern sie dienen." Die Kirche brauche keine religiösen Routiniers oder Funktionäre.

Basilika St. Ulrich und Afra in Augsburg / © Sean Pavone (shutterstock)
Basilika St. Ulrich und Afra in Augsburg / © Sean Pavone ( shutterstock )

Jesus habe sich nicht nur für jene Menschen hingegeben, die ihm gefolgt seien, sondern für alle, betonte Meier zudem. "Er hat sich in erster Linie denen zugewandt, die von den allermeisten übersehen oder abgeschrieben werden. Er hat 'die am Rande' in die Mitte gerückt."

Diakone zwischen 25 und 29 Jahren alt

Der Bischof weihte vier Männer im Alter zwischen 25 und 29 Jahren zu Diakonen. Diakon ist neben Priester und Bischof eine der drei Formen des geweihten Amtes in der katholischen Kirche. Für Priesteranwärter ist die Weihe zum Diakon die nötige Vorstufe. Sie berechtigt unter anderem dazu, Taufen zu spenden sowie Trauungen und Begräbnisse zu leiten.

Bei der Diakonenweihe legen die Männer mehrere Versprechen ab. So geloben sie unter anderem, ehelos zu leben und ihr Leben nach dem Vorbild Christi zu gestalten. Seit 1968 können auch verheiratete Männer zu ständigen Diakonen geweiht werden; sie streben also kein Priesteramt an.

Diakon/Diakonat

Das Diakonen-Amt ist eines der ältesten der Kirche und steht zunächst für soziale Verantwortung. Der Begriff Diakon leitet sich vom griechischen Wort "diakonos" ab und bedeutet Diener oder Helfer. In der römischen Kirche der ersten Jahrhunderte wirkten Diakone in der Armen- und Krankenpflege oder als Gehilfen des Bischofs in der Gemeindeverwaltung und beim Gottesdienst.

Eine Diakonstola / © Harald Oppitz (KNA)
Eine Diakonstola / © Harald Oppitz ( KNA )
Quelle:
KNA