Der Augsburger Bischof Bertram Meier geißelt Klerikalismus in der Kirche. Dieses Phänomen, also eine autoritär-überlegene Position von Geistlichen gegenüber Laien, nannte Meier am Samstag in Augsburg laut Manuskript "ein Armutszeugnis". Klerikalismus biete keine zukunftsfähige Vision für die Kirche. "Ich bin dankbar, dass wir die Synodalität in der Kirche neu entdecken und immer konsequenter praktizieren", so Meier. "In diese Richtung müssen wir weitermachen!"
Der Bischof äußerte sich in einem Gottesdienst zur Mitgliederversammlung des Landeskomitees der Katholiken in Bayern.
Das höchste katholische Laiengremium im Freistaat tagte von Freitag bis Samstag in Augsburg. Die Konferenz lief zum Thema 75 Jahre Landeskomitee - "Wie geht Kirche im säkularen Staat?".
Meier führte aus: "Wir tragen eine Frohe Botschaft, und dieses 'Wir' ist von essenzieller Bedeutung für unser Kirchenverständnis. 'Wir' heißt 'wir alle'. Jesus Christus spricht zu seinen Jüngern; die Beauftragung wird aber auf all diejenigen übertragen, die den Glauben seiner Jünger teilen."
Kritik an einer gewissen Mentalität
Auch die nicht geweihten Gläubigen dürften und sollten Zeugnis von der Osterbotschaft ablegen und die Kirche mitgestalten, forderte
Meier. "Was für eine Kirche würde den Laien die Auferstehungsfreude und den dazugehörigen Auftrag nehmen wollen? Unsere Kirche könnte nicht existieren ohne das Engagement der Nichtordinierten. Und ohne das Landeskomitee und sein ganzes Netzwerk wäre die Kirche in Bayern viel ärmer. Danke, dass es Sie gibt!"
Meier fügte hinzu, die Ausstrahlungskraft des christlichen Glaubens habe Folgen und Konsequenzen für das Leben in seiner Ganzheit. "Bei allem Respekt vor der Unterscheidung der Lebensfelder und Gewalten kann sich der Glaube nicht auf das Privatleben des Einzelnen beschränken."
Zudem prangerte Meier eine "leider zu häufig in religiösen Kontexten anzutreffende Mentalität" an, die Abgrenzung vorantreibe und Menschen ausschließe. Diese habe mit der grundsätzlich inklusiven Haltung des christlichen Glaubens nichts zu tun. "Die Botschaft Christi ist nicht dazu da, der Selbstrechtfertigung zu dienen", betonte der Bischof.