Vigilfeier des Altenberger Lichts

Wer füllt das "gottförmige Loch"?

Täglich werden Nachrichten verschickt, Emojis gesetzt, Herzen angeklickt. Doch wie geht eigentlich echte Nähe? Das ist das Thema des Altenberger Lichtes, zu dem hunderte Jugendliche rund um den 1. Mai zusammenkommen.

Autor/in:
Ina Rottscheidt
Altenberger Licht 2025 (DR)
Altenberger Licht 2025 / ( DR )

In violettes und rotes Licht ist das Innere des Altenberger Domes getaucht, es ist fast Mitternacht. Weihrauchschwaden ziehen gemächlich durch die Luft und die Stille ist andächtig, während das Licht von einer Kerze zur anderen gereicht wird. Hunderte Jugendliche und junge Erwachsene sind aus dem Erzbistum Köln und darüber hinaus an diesem Vorabend zum 1. Mai ins Bergische Land gekommen, um dort gemeinsam die Vigil zu feiern und das Altenberger Licht zu entzünden.

Das Altenberger Licht ist eine Initiative der katholischen Jugendseelsorge im Erzbistum Köln: Seit 1950 wird es traditionell in einem Gottesdienst in der Nacht vom 30. April auf den 1. Mai im Altenberger Dom entzündet. Dabei wird ein Licht mit der Osterkerze entzündet, das die Gläubigen dann in den nachfolgenden Tagen in die Gemeinden und Gemeinschaften im Erzbistum Köln und weit darüber hinaustragen.

Echte Nähe

"Herz an - Verlässlich und wahr", lautet das Motto des Altenberger Lichtes in diesem Jahr, in Anlehnung an das Wort aus der Offenbarung des Johannes: Es soll daran erinnern, dass Menschen nicht in Distanz, Oberflächlichkeit oder Beliebigkeit stecken bleiben müssen.

Viele junge Menschen hätten heute mit einer Reihe von Ängsten zu tun, die auch durch Social Media ausgelöst würden. Das sagte der Diözesanjugendseelsorger Tobias Schwaderlapp in seiner Predigt vor hunderten von Jugendlichen. "Wir vergleichen uns ohne Ende. Wir finden manchmal kein Ende beim Daddeln." Man sei vernetzt, aber nicht unbedingt verbunden. Umso mehr brauche es Orte und Momente, in denen echte Begegnung gelingt. Der Mensch trage ein tiefes Verlangen nach wirklicher Gemeinschaft in sich.

Fluch und Segen von Social Media

Damit wolle er kein Social-Media-Bashing betreiben: "Das wäre jetzt zu billig. Ich bin dankbar, dass es das gibt, weil es eine ganze Reihe von Freundinnen und Freunden gibt, mit denen ich nur schwer Kontakt halten könnte, wenn wir uns nicht wenigstens mal ab und zu schreiben würden. Und trotzdem, wenn wir uns dann sehen, ist es so viel schöner!"

Mit Verweis auf den Philosophen Blaise Pascal sprach Schwaderlapp von dem "gottförmigen Loch" im menschlichen Herzen. Pascal beschrieb damit die existenzielle, tiefe Sehnsucht, die kein irdisches Gut, sondern nur Gott füllen kann. 

Die christliche Antwort darauf sei das Herz Jesu: ein Herz, das sich verwunden lasse und dennoch Segen schenke. Gott wolle, so Schwaderlapp, "das Herz aus Stein" in ein lebendiges Herz verwandeln. Dazu wolle auch das Altenberger Licht ermutigen.

Zeichen des Friedens

Seinen Ursprung hat das Altenberger Licht in der Nachkriegszeit, als Jugendliche ein Zeichen für den Frieden und die Versöhnung zwischen den Völkern setzen wollten. Altenberg war schon seit den 1920er Jahren weit über die diözesanen Grenzen hinaus wichtig für die Jugendpastoral in ganz Deutschland gewesen. Pfadfinderverbände hatten sich dort gegründet, Gruppenleiterschulungen und Treffen zahlreicher junger Menschen aus dem ganzen Bundesgebiet fanden dort statt. 

Unter dem Eindruck des Schreckens des Zweiten Weltkrieges entzündeten im Jahr 1950 junge Menschen in Altenberg erstmals an der Osterkerze ein Licht und brachten es dann symbolträchtig in die Nachbarländer Polen und Frankreich. Bis heute sei das Altenberger Licht ein Zeichen dafür, dass junge Leute Verantwortung für den Frieden in der Welt und die Versöhnung zwischen den Völkern übernehmen, sagt Jugendseelsorger Schwaderlapp.

Mit der feierlichen Aussendungsmesse am 1. Mai tritt das Licht in den kommenden Tagen seine Reise in die Gemeinden und Pfarreien im ganzen Erzbistum an. 

Quelle:
DR

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