Düsseldorfer Flughafenseelsorge feiert ihren 25. Geburtstag

Gespräche am Gepäckband

In Krisensituationen für Menschen da zu sein – das ist Seelsorge am Flughafenschalter. Dafür steht die Düsseldorfer Flughafenseelsorge. Nun feiert die Flughafenseelsorge in der Landeshauptstadt ihren 25-jährigen Geburtstag.

Autor/in:
Johannes Schröer
Flughafen Düsseldorf / © Tupungato (dpa)
Flughafen Düsseldorf / © Tupungato ( dpa )

“Als die Touristen im Nahen Osten ihren Urlaub abbrechen mussten und die Reisegesellschaften Rückflüge organisierten, standen wir am Gepäckband und haben den Rückkehrern Gespräche angeboten,” erzählt Flughafenseelsorger Johannes Westerdick. 

Weltweite Katastrophen haben Auswirkungen auf den Düsseldorfer Flughafen. Der Krieg im Nahen Osten ist dafür nur ein Beispiel. Ute Clevers und Johannes Westerdick von der Flughafenseelsorge treffen dann auf verunsicherte Menschen, die den Seelsorgern erzählen, dass sie Drohnen gesehen haben und Explosionen. “Da kommt es darauf an, den Menschen zuzuhören und da zu sein”, sagt die evangelische Seelsorgerin Ute Clevers.

Flughafenseelsorge Düsseldorf: Ute Clevers und Johannes Westerdick / © Johannes Schröer (DR)
Flughafenseelsorge Düsseldorf: Ute Clevers und Johannes Westerdick / © Johannes Schröer ( DR )

Westerdick und Clevers haben zur Pressekonferenz eingeladen. Der Anlass: Im Mai feiert die Düsseldorfer Flughafenseelsorge ihren 25. Geburtstag – vom 7. bis zum 17. Mai mit einem vielfältigen Geburtstagsprogramm. Die beiden Seelsorger nehmen uns mit zu den Anfängen und erzählen, was vor 25 Jahren in Düsseldorf dazu führte, eine Flughafenseelsorge einzurichten.

Gedenkraum für Menschen aller Konfessionen offen

Als man nach dem verheerenden Flughafenbrand 1996 mit 17 Toten und vielen Schwerverletzten merkte, dass die Angehörigen und betroffenen Menschen Trost und einen Ort der Trauer suchten, entstand die Idee, einen Gedenkraum auf dem Airport einzurichten. 2001 eröffnete das Evangelische Pfarramt dann die Flughafenseelsorge. 2016 ist dann die katholische Kirche eingestiegen. Seitdem ist die Flughafenseelsorge ökumenisch. Die erste große Bewährungsprobe war der 11. September 2001, als der Schock der 9/11 Katastrophe allen in die Glieder gefahren ist und es viele Gespräche mit verunsicherten, ängstlichen Passagieren gab.

Gedenkraum im Flughafen Düsseldorf / © Johannes Schröer (DR)
Gedenkraum im Flughafen Düsseldorf / © Johannes Schröer ( DR )

Diese Gespräche finden häufig am Gepäckband statt oder direkt am Schalter der Flughafenseelsorge. Für Andachten und Gebete gibt es den Gedenkraum. Im Kontrast zum Lärm und zur Hektik am Flughafen ist dieser Raum eine Oase der Ruhe. Ganz schlicht ist er eingerichtet, das indirekte Licht gedimmt, die Lampen leuchten wie Kerzen hinter Lamellen. Ganz vorn gibt es eine Wasserquelle im Boden, auch diese ist indirekt beleuchtet, so dass sich die Wasserwellen an der Stirnseite spiegeln. Es fällt auf, dass es hier keine religiösen Symbole gibt. “Der Raum soll für Menschen aller Konfessionen offen sein, die in Ruhe mit Gott reden wollen”, sagt Johannes Westerdick.

Notfallseelsorge am Gepäckband

Am 40. Jahrestag des Flughafenbandes fand hier kürzlich ein Gedenkgottesdienst statt. Und auch an den Gedenktagen zum Germanwings Flugzeugunglück 2015 gab und gibt es hier Andachten. Die Germanwings-Maschine, die damals abgestürzt ist, sollte in Düsseldorf landen. Viele Eltern und Angehörige waren zum Flughafen gekommen, um ihre Kinder abzuholen. Ein Tag, den die Flughafenseelsorger nie vergessen. “Da kamen auch viele andere Notfallseelsorger dazu, auch welche, die die Flughafenseelsorger selbst ausgebildet haben”, erzählt Westerdick.  

In einer Krise für die Menschen da zu sein, dafür steht die Flughafenseelsorge. Wie auch Weihnachten 2004 nach dem Tsunami in Thailand. Damals standen die Menschen in Shorts und Flipflops am Gepäckband, viele traumatisiert, weil sie nur knapp davongekommen waren. Die Flughafenseelsorger haben auch hier ihre Hilfe angeboten und in den schweren Stunden den Menschen zugehört und ihre Ängste aufgefangen. Für ankommende Touristen ist die Flughafenseelsorge eine mögliche Anlaufstelle, aber auch für Notfallhelfer, die aus Krisengebieten zurückkommen oder dorthin aufbrechen.

Die Touristen sind gestresster als noch vor Jahren

Oft sind es nur kurze Kontakte, wenn zum Beispiel Flüge wegen eines Streiks oder Unwetters ausfallen und die Seelsorger Wasserflaschen für die Wartenden in den Schlangen verteilen. “Schnaps wäre mir lieber”, werde dann manchmal gefrotzelt, erzählt Ute Clevers, “hat nicht jemand aus ihrem Laden schon einmal Wasser in Wein verwandelt?” Oft geht es auch darum, mit Informationen weiterzuhelfen. Die zunehmenden Automatisierungen am Flughafen überfordern besonders ältere Menschen, beobachtet die Seelsorgerin.

Wenn die beiden Seelsorger nicht am Gepäckband stehen, trifft man sie in der Abflughalle an ihrer eigenen Anlaufstelle. Mitten im Gewusel, zwischen den Schaltern der Fluggesellschaften, gibt es hier ein Angebot für Touristen und den Mitarbeitern des Flughafens. Johannes Westerdick erzählt von dem älteren Herrn, der seinen 80. Geburtstag gefeiert hat und seine Tochter zum Flughafen brachte. “Als er an unserem Schalter vorbeikam, habe ich ihr und ihm freundlich einen schönen Tag gewünscht”, erzählt der Seelsorger. Eine halbe Stunde später sei die Tochter erneut gekommen und habe gesagt, ihr Vater würde gern mit mir reden. Daraus ergab sich ein langes Gespräch über seine verstorbene Frau und über seine Töchter”, erzählt Westerdick.

25 Jahre Flughafenseelsorge. Was hat sich in all den Jahren auf dem Flughafen, neben der zunehmenden Automatisierung beim Check-In oder der Gepäckabgabe, verändert? Johannes Westerdick sagt, die Menschen seien gestresster und aufgeregter als noch vor Jahren. “Manchen Menschen fehlt es in diesem riesigen Flughafenbetrieb an Orientierung”, sagt er, “dann helfen wir gern und sind da, beruhigen die Menschen und begleiten sie auch schon einmal zum richtigen Schalter.”

Flughafenseelsorge Düsseldorf

Die Flughafenseelsorge ist ökumenisch von der Evangelischen und der Katholischen Kirche Düsseldorf getragen. In den Seelsorgern finden die Menschen am Airport einen Notanlaufpunkt, sie bieten Unterstützung in seelischen Krisen, z.B. wenn ein Angehöriger während der Reise verstorben ist. Manchmal wird aber auch einfach nur praktische Orientierung benötigt. Das Team der Flughafenseelsorge bietet Halt und Orientierung, hört zu und schenkt den Passagieren Aufmerksamkeit, im manchmal sehr hektischen Flughafenalltag.

Passagierflugzeug am Flughafenvorfeld (shutterstock)
Quelle:
DR

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