Anglikanische Erzbischöfin Mullally besucht erstmals Papst Leo XIV.

Den Frieden wirksam verkünden

Erstmals seit 500 Jahren steht eine Frau an der Spitze der Anglikanischen Gemeinschaft. Nun wurde Erzbischöfin Sarah Mullally vom Papst empfangen. Nach einem Vier-Augen-Gespräch beteten sie gemeinsam an besonderer Stelle.

Sarah Mullally und Papst Leo XIV. / © Vatican Media/Romano Siciliani (KNA)
Sarah Mullally und Papst Leo XIV. / © Vatican Media/Romano Siciliani ( KNA )

Sarah Mullally, Erzbischöfin von Canterbury und erstes weibliches Oberhaupt der Anglikanischen Gemeinschaft, ist am Montag von Papst Leo XIV. in Audienz empfangen worden. Bei der Begegnung im Apostolischen Palast würdigte der Papst die gemeinsamen Anstrengungen der beiden Kirchen für ihren vor 60 Jahren aufgenommenen Dialog, wie der Vatikan am Mittag mitteilte.

Zugleich erinnerte er an den gemeinsamen Friedensauftrag der beiden Kirchen. "Während unsere leidende Welt den Frieden Christi dringend benötigt, schwächen die Spaltungen unter Christen unsere Fähigkeit, diesen Frieden wirksam zu verkünden", so der Papst. Es gelte, sich unermüdlich im Sinne ihrer Einheit dafür einzusetzen, "alle Hindernisse aus dem Weg zu räumen, die die Verkündigung des Evangeliums behindern". 

Vier-Augen-Gespräch der Kirchenoberhäupter 

Es wäre ein Skandal, wenn Anglikaner und Katholiken nicht weiter daran arbeiteten, ihre Differenzen zu überwinden, "so unüberbrückbar sie auch erscheinen mögen", führte Leo aus. Sie sollten im Vertrauen auf den Heiligen Geist den "gemeinsamen Weg in Freundschaft und Dialog fortsetzen", schloss der Papst. 

Zuvor war nach einem Vier-Augen-Gespräch der Erzbischöfin von Canterbury mit dem Papst ein gemeinsames Gebet der beiden Kirchenoberhäupter in der Kapelle von Papst Urban VIII. im Apostolischen Palast vorgesehen. 

Mullally (64), langjährige Bischöfin von London, wurde am 25. März als geistliches Oberhaupt der Anglikanischen Gemeinschaft eingeführt. Weltliches Oberhaupt der Kirche von England ist König Charles III. 

Sarah Mullally, Erzbischöfin von Canterbury, schenkt Papst Leo XIV. ein Glas Honig am 27. April 2026 im Vatikan / © Vatican Media/Romano Siciliani (KNA)
Sarah Mullally, Erzbischöfin von Canterbury, schenkt Papst Leo XIV. ein Glas Honig am 27. April 2026 im Vatikan / © Vatican Media/Romano Siciliani ( KNA )

Erzbischöfin Mullally nannte es vor ihrem Besuch "eine Freude und ein Privileg, Seine Heiligkeit Papst Leo XIV. zu treffen und mit ihm zu beten, und ich freue mich auf unsere Gespräche und das gemeinsame Gebet". Der Dialog zwischen Anglikanern und Katholiken wird unter anderem durch die Arbeit der Internationalen Anglikanisch-Katholischen Kommission (ARCIC) und der Internationalen anglikanisch-römisch-katholischen Kommission für Einheit und Mission (IARCCUM) gepflegt.

Gebet an den Apostelgräbern 

Mullally hält sich seit Samstag in Rom auf. Zur Delegation der Erzbischöfin gehört auch der römisch-katholische Erzbischof von Westminster, Charles Phillip Richard Moth. Sie hatte an den Gräbern der Apostel Petrus und Paulus im Petersdom und in Sankt Paul vor den Mauern gebetet, wie Lambeth Palace in London mitteilte. In der Basilika im Süden Roms wurde am 24. März 1966 das erste formelle ökumenische Dokument zwischen den beiden Kirchen unterzeichnet. 

Die Erzbischöfin trifft außerdem Vertreter des Dikasteriums zur Förderung der Einheit der Christen. Am Montagabend hält sie einen Gottesdienst in der Kirche Sankt Ignatius von Loyola. Dabei soll Bischof Anthony Ball, Direktor des Anglikanischen Zentrums in Rom, als Vertreter des Erzbischofs von Canterbury beim Heiligen Stuhl eingesetzt werden. 

Am Dienstag besucht Mullally Flüchtlingsinitiativen beider Kirchen: das Joel Nafuma Refugee Centre (JNRC) in der anglikanischen Kirche Sankt Paul innerhalb der Mauern und bei der Gemeinschaft Sant'Egidio. 

England und Rom - Stationen der Entfremdung und Wiederannäherung

"Tod den Papisten!", so rief man in England, seit 1605 ein Katholik das Parlament in die Luft jagen wollte. Erst in der Spätzeit von Königin Elizabeth II. hieß es dann wieder: "Willkommen zu Hause, Herr Kardinal!"

Vor zwei Jahren (im Mai 2023) nahm mit Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin die Nummer Zwei des Vatikans als Stellvertreter des Papstes an der Krönung von Charles III. teil.

Das war keinesfalls eine Selbstverständlichkeit - denn über Jahrhunderte standen in England der Papst und "die Papisten" in einem ganz schlechten Ansehen.

Schild mit Gottesdienstzeiten an der katholischen Kirche Saint Patrick in London. / © Nicola Trenz (KNA)
Schild mit Gottesdienstzeiten an der katholischen Kirche Saint Patrick in London. / © Nicola Trenz ( KNA )
Quelle:
KNA