Die Nationalsozialisten wurden von einer Mehrheit der Deutschen demokratisch gewählt. Doch schon vor 1933 sahen einzelne weitsichtige Menschen das damit verbundene Unheil heraufziehen. Und entschlossen sich zum Widerstand, für den sie sogar ihren Tod in Kauf nahmen. Das Bayerische Hauptstaatsarchiv in München stellt ab Dienstag in einer Ausstellung einen von ihnen vor.
Sie heißt "Fritz Gerlich - Erbitterter Gegner der Nationalsozialisten" und ist bis 15. Mai zu sehen. Anhand von Fotos, Dokumenten und Briefen wird der Weg dieses katholischen Widerständlers von anfänglicher Sympathie für die Nazis bis zu seiner Ermordung im Sommer 1934 im Konzentrationslager Dachau nachgezeichnet.
Harmlose Illustrierte wird Kampfblatt
Gerlich führte seine Auseinandersetzung mit Hitler als Publizist. Dazu kaufte er im September 1930 mithilfe eines adligen Gönners eine politisch harmlose Illustrierte auf. Schrittweise formte er sie in ein Kampforgan gegen den Nationalsozialismus um. Dabei scheute er vor kräftiger Polemik nicht zurück. "Hat Hitler Mongolenblut?", lautete eine Schlagzeile über einem Artikel, der die NS-Rassenlehre auf den "Führer" selbst anwandte.
Anfang 1932 gab Gerlich seinem Wochenblatt programmatisch den neuen Titel "Der Gerade Weg. Deutsche Zeitung für Wahrheit und Recht". Erst wenige Monate zuvor war der gebürtige Calvinist aus Stettin katholisch geworden. Eine entscheidende Rolle spielte dafür die Begegnung mit der oberpfälzischen Mystikerin Therese Neumann in Konnersreuth.
"Michael, geh den geraden Weg!"
Als zweiten Vornamen wählte er "Michael", nach einem der biblischen Erzengel. Bei seiner Firmung am 29. September 1931 ermunterte ihn der Münchner Kardinal Michael von Faulhaber: "Michael, geh den geraden Weg!"
Gerlich war überzeugt: "Kein Katholik darf nationalsozialistisch wählen." Hitler, den er in den 1920er Jahren mehrfach persönlich getroffen hatte, nahm den Gegner ernst. Auf einem Foto sitzt Hitler an seinem Schreibtisch, eine Ausgabe des "Geraden Wegs" vor sich.
Mit der von angehenden Archivaren erarbeiteten Lehrausstellung ehrt das Hauptstaatsarchiv auch einen ehemaligen Mitarbeiter. Gerlich trat nach seiner Promotion in München 1906 in den bayerischen Archivdienst ein. Als er zum Chefredakteur der "Münchner Neuesten Nachrichten" berufen wurde, ließ er sich im Juli 1920 beurlauben.
Cholerische Ausfälle und zu viel Alkohol
Gerlichs Persönlichkeit hatte problematische Seiten. Er neigte zu cholerischen Ausfällen, was sich durch Alkoholkonsum verstärkte. Das kostete ihn 1927 seine Stellung als Hauptschriftleiter der damals größten Zeitung in Süddeutschland. Auch ging seine Ehe in die Brüche. Nach seiner Konversion näherte er sich unter Therese Neumanns Vermittlung seiner Frau wieder an.
Dass sein offener Kampf gegen Hitler lebensgefährlich werden könnte, war Gerlich bewusst. Ein enger Mitarbeiter hat seinen Ausspruch überliefert: "Wir wissen, dass wir zu den ersten gehören werden, die gehängt werden." Im April 1932 gab es einen Attentatsversuch gegen ihn. Gerlich besorgte sich einen Waffenschein. Den Revolver benutzte er aber nie, auch nicht, als SA-Männer am 9. März 1933 seine Redaktion stürmten. Aus der folgenden "Schutzhaft" sollte Gerlich nicht mehr lebend freikommen.
Der Nachlass des Ermordeten befand sich lange in privater Hand in der Schweiz. Sein wissenschaftlicher Biograf, der Speyerer Historiker Rudolf Morsey, vermittelte 2018, dass der Nachlass ins Bayerische Hauptstaatsarchiv kam. Der Münchner Kardinal Reinhard Marx hat Ende 2017 ein Seligsprechungsverfahren für den Märtyrer eröffnet.