Würzburger Katholikentag nimmt vielfältige Krisen ins Visier

"Hab Mut, steh auf!"

Mehr Programm als zuletzt, Gäste aus Politik, Gesellschaft und Kirche und ein Leitwort, das passender kaum sein könnte. In dieser Woche startet der 104. Deutsche Katholikentag in Würzburg. 30.000 Dauerteilnehmer werden erwartet.

Autor/in:
Hannah Krewer
Logo des 104. Deutschen Katholikentags, "Hab Mut, steh auf!"  / © Hannah Krewer (KNA)
Logo des 104. Deutschen Katholikentags, "Hab Mut, steh auf!" / © Hannah Krewer ( KNA )

Das Motto des Katholikentags in Würzburg wurde schon im Herbst 2024 festgelegt. Anderthalb Jahre später wirkt es angesichts der gesellschaftlichen Entwicklungen besonders treffend. Es brauche Verbündete für eine menschenfreundliche Gesellschaft, sagte der gastgebende Bischof Franz Jung damals. Die Aufforderung "Hab Mut, steh auf!" klingt da wie der richtige Appell zur richtigen Zeit.

Ein Kreuz vor der Bühne bei der Eröffnung des 103. Katholikentags am 29. Mai 2024 in Erfurt. / © Harald Oppitz (KNA)
Ein Kreuz vor der Bühne bei der Eröffnung des 103. Katholikentags am 29. Mai 2024 in Erfurt. / © Harald Oppitz ( KNA )

Mehr als 900 Veranstaltungen sind für das Christentreffen geplant, das am 13. Mai in der unterfränkischen Bischofsstadt eröffnet wird. Deutlich mehr als vor zwei Jahren in Erfurt. Ein thematischer Schwerpunkt: die Sorge um die Demokratie. Die Marienkapelle am Markt wird sich dafür in eine "Demokratiekirche" verwandeln, als Austausch- und Aktionsraum mit zivilgesellschaftlichen Akteuren.

Gäste aus Politik und Gesellschaft

Prominente Gäste wollen sich an den Diskussionen beteiligen: Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier haben sich für Podien angekündigt. Bundestagspräsidentin Julia Klöckner, Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) und mehrere Bundesministerinnen sind ebenso dabei wie Astrophysiker Harald Lesch, Kabarettist Bodo Wartke und viele weitere bekannte Größen aus Politik und Gesellschaft.

Die AfD ist erneut nicht zu Podien eingeladen worden. Katholiken, die die Partei wählen, sollen aber Gesprächsmöglichkeiten bekommen, hat die Präsidentin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Irme Stetter-Karp, versichert.

Debatten, Gottesdienste und Podien

Auch abseits des Themas Demokratie gibt es vieles, was auf dem Katholikentag seinen Platz haben soll: Debatten über Klimakrise, Krieg und Frieden und zahlreiche Kulturveranstaltungen ebenso wie rund 60 Gottesdienste und 150 Veranstaltungen im sogenannten Zentrum Bibel und Spiritualität. Neben zahlreichen deutschen Bischöfen kommen auch Kurienkardinal Mario Grech aus dem Vatikan und Kardinal László Német aus Serbien. Die beiden werden an einer Podiumsdiskussion zur Synodalität in der Kirche teilnehmen.

Das Bistum Würzburg setzt unterdessen einen weiteren Schwerpunkt – die Sozialraumorientierung. Was das bedeutet, hat Bischof Franz Jung unlängst so erläutert: "Die Bedarfe der Menschen in der unmittelbaren Umgebung zu sehen und zu fragen, was Kirche zur Gesellschaft beitragen kann." Gerade im eher ländlich geprägten Bistum Würzburg sei das ein zentrales Thema. Dafür steht auf dem Katholikentag etwa eine Mitmachaktion mit dem Titel: "Dönerbude, Bushäuschen, Kirche. Der Sozialraum als Chance."

Kunstinstallation erinnert an Missbrauch

Erstmals setzt sich die Veranstaltung zudem künstlerisch mit sexuellem Missbrauch und sexualisierter Gewalt auseinander. Dafür wird der sogenannte Schmerzpunkt, eine stilisierte Schmerzdarstellung der Künstlerin Susanne Wagner, an mehreren Kirchen und anderen Veranstaltungsorten angebracht. Er zeigt einen rot gesprühten Punkt über einem Umhängekreuz und soll die Verantwortung der Institution zeigen sowie zu Solidarität und zum Handeln aufrufen.

Der Großteil des Treffens spielt sich im Stadtzentrum innerhalb des sogenannten Ringparks ab. Auf der Kirchenmeile auf der gegenüberliegenden Mainseite präsentieren zudem rund 300 Akteure ihre Stände und zeigen die ganze Bandbreite kirchlichen Lebens. Aber auch nichtkirchliche Organisationen sind dabei und stellen ihre Arbeit vor. Die Veranstalter rechnen mit etwa 30.000 Dauerteilnehmern.

Jung: Impuls gegen Ohnmachtsgefühl

Bischof Jung jedenfalls blickt dem Ereignis mit großer Zuversicht entgegen. Der Katholikentag solle in Zeiten, in denen sich viele Menschen angesichts der vielfältigen Krisen gelähmt und ohnmächtig fühlten, einen wichtigen Impuls geben, sagte er in einem Interview der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA).

Dabei solle auch der Glaube als Ressource ins Spiel gebracht werden. Katholikentage könnten heute erfahrungsgemäß zwar weniger starke Akzente setzen als in früheren Zeiten: "Trotzdem ist es wichtig, in der Gesellschaft als Kirche Gesicht zu zeigen." Und Gleichgesinnte zu treffen, auch über Bistumsgrenzen hinweg. 

Katholikentage

Deutsche Katholikentage sind Treffen, bei denen sich die Kirche mit ihren Verbänden und Institutionen über mehrere Tage der Öffentlichkeit präsentiert. Sie finden in der Regel alle zwei Jahre in wechselnden Städten statt.

Bei Katholikentagen diskutieren zehntausende Christen über kirchliche und gesellschaftspolitische Themen und feiern Gottesdienste. Veranstalter ist das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK); Gastgeber ist die jeweilige Diözese des Austragungsortes.

Logo des 104. Deutschen Katholikentags, "Hab Mut, steh auf!"  / © Hannah Krewer (KNA)
Logo des 104. Deutschen Katholikentags, "Hab Mut, steh auf!" / © Hannah Krewer ( KNA )
Quelle:
KNA