Das Motto des Katholikentags in Würzburg wurde schon im Herbst 2024 festgelegt. Anderthalb Jahre später wirkt es angesichts der gesellschaftlichen Entwicklungen besonders treffend. Es brauche Verbündete für eine menschenfreundliche Gesellschaft, sagte der gastgebende Bischof Franz Jung damals. Die Aufforderung "Hab Mut, steh auf!" klingt da wie der richtige Appell zur richtigen Zeit.
Mehr als 900 Veranstaltungen sind für das Christentreffen geplant, das am 13. Mai in der unterfränkischen Bischofsstadt eröffnet wird. Deutlich mehr als vor zwei Jahren in Erfurt. Ein thematischer Schwerpunkt: die Sorge um die Demokratie. Die Marienkapelle am Markt wird sich dafür in eine "Demokratiekirche" verwandeln, als Austausch- und Aktionsraum mit zivilgesellschaftlichen Akteuren.
Gäste aus Politik und Gesellschaft
Prominente Gäste wollen sich an den Diskussionen beteiligen: Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier haben sich für Podien angekündigt. Bundestagspräsidentin Julia Klöckner, Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) und mehrere Bundesministerinnen sind ebenso dabei wie Astrophysiker Harald Lesch, Kabarettist Bodo Wartke und viele weitere bekannte Größen aus Politik und Gesellschaft.
Die AfD ist erneut nicht zu Podien eingeladen worden. Katholiken, die die Partei wählen, sollen aber Gesprächsmöglichkeiten bekommen, hat die Präsidentin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Irme Stetter-Karp, versichert.
Debatten, Gottesdienste und Podien
Auch abseits des Themas Demokratie gibt es vieles, was auf dem Katholikentag seinen Platz haben soll: Debatten über Klimakrise, Krieg und Frieden und zahlreiche Kulturveranstaltungen ebenso wie rund 60 Gottesdienste und 150 Veranstaltungen im sogenannten Zentrum Bibel und Spiritualität. Neben zahlreichen deutschen Bischöfen kommen auch Kurienkardinal Mario Grech aus dem Vatikan und Kardinal László Német aus Serbien. Die beiden werden an einer Podiumsdiskussion zur Synodalität in der Kirche teilnehmen.
Das Bistum Würzburg setzt unterdessen einen weiteren Schwerpunkt – die Sozialraumorientierung. Was das bedeutet, hat Bischof Franz Jung unlängst so erläutert: "Die Bedarfe der Menschen in der unmittelbaren Umgebung zu sehen und zu fragen, was Kirche zur Gesellschaft beitragen kann." Gerade im eher ländlich geprägten Bistum Würzburg sei das ein zentrales Thema. Dafür steht auf dem Katholikentag etwa eine Mitmachaktion mit dem Titel: "Dönerbude, Bushäuschen, Kirche. Der Sozialraum als Chance."
Kunstinstallation erinnert an Missbrauch
Erstmals setzt sich die Veranstaltung zudem künstlerisch mit sexuellem Missbrauch und sexualisierter Gewalt auseinander. Dafür wird der sogenannte Schmerzpunkt, eine stilisierte Schmerzdarstellung der Künstlerin Susanne Wagner, an mehreren Kirchen und anderen Veranstaltungsorten angebracht. Er zeigt einen rot gesprühten Punkt über einem Umhängekreuz und soll die Verantwortung der Institution zeigen sowie zu Solidarität und zum Handeln aufrufen.
Der Großteil des Treffens spielt sich im Stadtzentrum innerhalb des sogenannten Ringparks ab. Auf der Kirchenmeile auf der gegenüberliegenden Mainseite präsentieren zudem rund 300 Akteure ihre Stände und zeigen die ganze Bandbreite kirchlichen Lebens. Aber auch nichtkirchliche Organisationen sind dabei und stellen ihre Arbeit vor. Die Veranstalter rechnen mit etwa 30.000 Dauerteilnehmern.
Jung: Impuls gegen Ohnmachtsgefühl
Bischof Jung jedenfalls blickt dem Ereignis mit großer Zuversicht entgegen. Der Katholikentag solle in Zeiten, in denen sich viele Menschen angesichts der vielfältigen Krisen gelähmt und ohnmächtig fühlten, einen wichtigen Impuls geben, sagte er in einem Interview der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA).
Dabei solle auch der Glaube als Ressource ins Spiel gebracht werden. Katholikentage könnten heute erfahrungsgemäß zwar weniger starke Akzente setzen als in früheren Zeiten: "Trotzdem ist es wichtig, in der Gesellschaft als Kirche Gesicht zu zeigen." Und Gleichgesinnte zu treffen, auch über Bistumsgrenzen hinweg.