Katholische Kirche in Mexiko stellt Ausrichtung der Fußball-WM infrage

Regierung unter Druck

Das WM-Gastgeberland Mexiko kommt nicht zur Ruhe. Schüsse auf Touristen und ein Besuch des UN-Menschenrechtskommissars setzen Mexikos Regierung vor der Fußball-WM im Sommer unter Druck. Nun meldet sich auch die Kirche kritisch zu Wort.

Autor/in:
Tobias Käufer
Symbolbild: Polizei in Mexiko / © KicosM (shutterstock)
Symbolbild: Polizei in Mexiko / © KicosM ( shutterstock )

Wenige Wochen nach einer tödlichen Polizeiaktion gegen Drogenboss "El Mencho" und den folgenden Unruhen im Bundesstaat Jalisco kommen erneut besorgniserregende Nachrichten aus dem WM-Gastgeberland Mexiko. Am Montag ereignete sich an den bei Touristen beliebten Pyramiden von Teotihuacán nahe Mexiko-Stadt ein Schusswaffen-Angriff. Laut der Zeitung "El Universal" kamen zwei Menschen ums Leben, mehr als ein Dutzend wurden verletzt. Die Hintergründe sind unklar.

Maya-Pyramide in Teotihuacan / © Hans Knapp (KNA)
Maya-Pyramide in Teotihuacan / © Hans Knapp ( KNA )

Weil es unter den Verletzten etliche ausländische Gäste gibt, ist der Vorfall kurz vor Beginn der Fußball-Weltmeisterschaft im Sommer besonders brisant. Die mediale Aufmerksamkeit ist groß. Die Schlagzeilen kommen für die mexikanische Regierung zur Unzeit, denn zeitgleich ist UN-Menschenrechtskommissar Volker Türk im Land zu Besuch. Er kümmert sich um ein Thema, über das Präsidentin Claudia Sheinbaum nicht gerne spricht: das Schicksal der mehr als 100.000 als vermisst geltenden Menschen in Mexiko. Türk dürfte die angespannte Sicherheitslage mit Blick auf die WM-Ausrichtung und die nahende Touristenflut mit einiger Besorgnis verfolgen.

Kirche meldet Bedenken an

Auch die katholische Kirche meldet Bedenken an. Kardinal Francisco Robles Ortega von Guadalajara nahm die jüngsten Zwischenfälle zum Anlass, die Ausrichterrolle Mexikos grundsätzlich in Frage zu stellen. Der einflussreiche Kirchenmann zweifelt überdies die demokratische Legitimation des gesamten Projekts an.

Mural zur Fußball-WM 2026 in Mexiko / © Tobias Käufer (KNA)
Mural zur Fußball-WM 2026 in Mexiko / © Tobias Käufer ( KNA )

"Tatsache ist, dass man uns nicht fragt, ob wir damit einverstanden sind, unser Land unter den gegebenen Umständen auf eine solche Veranstaltung festzulegen", sagte der Kardinal in einem Interview. Da waren die tödlichen Schüsse von Teotihuacán noch gar nicht gefallen. Die WM-Entscheidung sei von Politikern und Funktionären getroffen worden, nicht von der Bevölkerung. Dabei hätten wirtschaftliche Kriterien eine wichtigere Rolle gespielt als soziale Aspekte. Die eigentlichen Probleme, mit denen Mexiko im Alltag zu kämpfen habe, blieben unbeachtet. "Die Entscheidung wurde getroffen, und nun wird das einfach so gemacht", kritisierte der Kardinal.

Staat agiert hilflos

Robles Ortega forderte die Regierung auf, eine Aufforderung des UN-Menschenrechtsbüros ernst zu nehmen. Dieses hatte Mexiko ermahnt, mehr für die Aufklärung der Vermisstenfälle zu tun. Viele der Opfer wurden mutmaßlich von Drogenkartellen entführt. Der Staat agiert weitgehend hilflos. Wenn die Vereinten Nationen sich zu dem Thema äußerten, dann sicherlich auch, um Unterstützung anzubieten und gemeinsam nach einer Lösung zu suchen, so der Kardinal. Er fügte hinzu: "Hoffentlich öffnet unsere Regierung die Augen für die Realität."

Säule mit Plakaten von vermissten Personen am 26. Februar 2026 im Stadtzentrum in Guadalajara (Mexiko). / © Tobias Käufer (KNA)
Säule mit Plakaten von vermissten Personen am 26. Februar 2026 im Stadtzentrum in Guadalajara (Mexiko). / © Tobias Käufer ( KNA )

UN-Menschenrechtskommissar Türk hält sich noch bis Mittwoch in Mexiko auf. Neben einem Treffen mit Präsidentin Sheinbaum sind Begegnungen mit Vertretern der Zivilgesellschaft und Opfern von Menschenrechtsverletzungen geplant. Darunter sind auch Repräsentanten indigener Völker und Angehörige von vermissten Personen. Eine für Mittwoch angekündigte Pressekonferenz wird angesichts der WM-Gastgeberrolle nicht nur von mexikanischen Medien mit Spannung erwartet.

13 WM-Spiele in Mexiko

In Mexiko finden in drei Städten insgesamt 13 WM-Spiele statt. Im Aztekenstadion von Mexiko-Stadt krönten sich 1970 Pelé und 1986 Diego Maradona zum Weltmeister, außerdem rollt der Ball in Monterrey und in Guadalajara. Dort wird am 11. Juni auch das Eröffnungsspiel zwischen Mexiko und Südafrika angepfiffen.

Kirche in Mexiko

Mexiko ist nach Brasilien das größte katholische Land der Welt. Nach Vatikanangaben sind mehr als 90 Prozent der rund 120 Millionen Mexikaner Katholiken. Andere Quellen nennen etwas niedrigere Zahlen.

Unter den spanischen Eroberern erfolgte die Christianisierung der indianischen Urbevölkerung im 16. Jahrhundert oft unter Zwang und mit brutaler Gewalt. Die Methoden wurden von der Inquisition weitgehend gebilligt oder auch angeordnet.

Kathedrale in Mexiko City / © Victor SG (shutterstock)
Quelle:
KNA