Kirche in Mexiko fordert umfassende Strategie gegen Drogenbanden

"Rechtmäßigkeit und ein Wiederaufbau des sozialen Gefüges"

Mexikos Bischöfe sehen nach dem Tod von Drogenboss "El Mencho" eine "Dynamik, die die Stabilität der Gesellschaft schwächt". Derzeit herrscht in vier Städten enorme Gewalt. Die Kirche stellt konkrete Forderungen an die Regierung.

Ein Polizist steht im mexikanischen Guadalajara neben einem verbrannten Auto auf der Straße Wache / © Diana Marquez/XinHua (dpa)
Ein Polizist steht im mexikanischen Guadalajara neben einem verbrannten Auto auf der Straße Wache / © Diana Marquez/XinHua ( dpa )

Nach dem Gewaltausbruch in Mexiko im Zuge der Tötung des Drogenbosses "El Mencho" durch Sicherheitskräfte ruft die katholische Kirche im Land zu einer nachhaltigen Strategie gegen Drogenbanden auf. 

Der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Bischof Ramón Castro Castro aus Cuernavaca, warnte laut der Zeitung "La Jornada" am Montag (Ortszeit), diese Vorfälle seien keine Einzelfälle, sondern Anzeichen für "eine Dynamik, die die Stabilität der Gesellschaft schwächt, Gewalt normalisiert und weite Teile der Bevölkerung in Unsicherheit hält".

Drogenkrieg in Mexiko / © Armando Solis/AP (dpa)
Drogenkrieg in Mexiko / © Armando Solis/AP ( dpa )

Derzeit herrsche in vier Städten Mexikos enorme Gewalt, so Castro. Eine Antwort der Politik müsse daher über vorübergehende Maßnahmen hinausgehen und auf eine umfassende Strategie von Rechtmäßigkeit, Koordination der Institutionen und einem Wiederaufbau des sozialen Gefüges setzen.

"Keine Gerüchte verbreiten"

Angesichts der prekären Sicherheitslage rufen die Bischöfe die Bevölkerung auf, die offiziellen Informationen der zuständigen Behörden aufmerksam zu verfolgen. Nach Straßenblockaden, der Verbrennung von Fahrzeugen und Gewalttaten in verschiedenen Teilen des Landes gelte es, keine Gerüchte oder unbestätigte Informationen zu verbreiten, die weitere Verwirrung oder soziale Unruhen hervorrufen könnten.

Im Zuge der Militäroperation gegen Nemesio Oseguera Cervantes alias "El Mencho" am Sonntag kamen nach offiziellen Angaben rund 75 Menschen ums Leben, darunter auch rund zwei Dutzend Angehörige der Nationalgarde. Mexikanische Medien sprachen von rund 250 Straßenblockaden im ganzen Land.

Kirche in Mexiko

Mexiko ist nach Brasilien das größte katholische Land der Welt. Nach Vatikanangaben sind mehr als 90 Prozent der rund 120 Millionen Mexikaner Katholiken. Andere Quellen nennen etwas niedrigere Zahlen.

Unter den spanischen Eroberern erfolgte die Christianisierung der indianischen Urbevölkerung im 16. Jahrhundert oft unter Zwang und mit brutaler Gewalt. Die Methoden wurden von der Inquisition weitgehend gebilligt oder auch angeordnet.

Kathedrale in Mexiko City / © Victor SG (shutterstock)
Quelle:
KNA