Papst fordert bei Missbrauch von Italiens Kirche Mut zur Wahrheit

"Wahrheit, Gerechtigkeit und Heilung"

Die katholische Kirche in Italien hat bislang eine vollständige Aufarbeitung der Missbrauchsskandale in ihren Reihen vermieden. Mut zu unbequemen Wahrheiten forderte nun Papst Leo XIV in einer Botschaft im Vatikan.

Papst Leo XIV. mit Kardinälen / © Vatican Media/Romano Siciliani (KNA)
Papst Leo XIV. mit Kardinälen / © Vatican Media/Romano Siciliani ( KNA )

Papst Leo XIV. fordert die katholische Kirche in Italien auf, bei der Aufarbeitung sexuellen Missbrauchs Verbrechen anzuerkennen, die geschehen sind. Die Kirche müsse angesichts der Verletzungen der Opfer nach Wahrheit, Gerechtigkeit und Heilung streben, so der Papst in einer am Donnerstag im Vatikan veröffentlichten Botschaft.

Anlass des Schreibens ist das zweite nationale Treffen aller kirchlichen Beauftragten für Fälle sexuellen Missbrauchs an Minderjährigen und Schutzbefohlenen. Es findet von Freitag bis Sonntag (18. April) in Rom statt.

"Geschehenes Unheil nicht kleinreden"

Der Papst betont in dem von Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin unterzeichneten Brief, Umkehr in der Kirche sei nur dann echt, wenn diese sich nicht vor dem Schmerz der Leidenden abschotte, sondern sich infrage stellen lasse. Weiter fordert er, Kirche dürfe das geschehene Unheil nicht aus Angst vor Skandal kleinreden, sondern müsse es anerkennen. Vielmehr müsse sie "akzeptieren, dass sie die herausfordernden Wege von Wahrheit, Gerechtigkeit und Heilung gehen muss".

Das Treffen in Rom findet unter Leitung des Vorsitzenden der Italienischen Bischofskonferenz statt, Kardinal Matteo Zuppi. Italiens Bischöfe haben erst vor einigen Jahren mit der Aufarbeitung von Fällen sexuellen Missbrauchs begonnen. Thema waren bislang nur Fälle, die sich im 21. Jahrhundert ereignet haben.

Bistum Brixen-Bozen bislang allein

Lediglich das Bistum Brixen-Bozen hat bislang eine umfassende Studie über Missbrauchsfälle zwischen 1964 und 2023 vorgelegt. Eine Ombudsstelle für Missbrauchsbetroffene gibt es dort seit 2010. In anderen italienischen Bistümern kommt die Aufarbeitung von Missbrauchsfällen vergleichsweise schleppend voran.

Quelle:
KNA