Missionar bezeichnet Konflikt im Sudan als "Spielball der Weltpolitik"

Die größte humanitäre Katastrophe unserer Zeit

Comboni-Missionar Pater Gregor Schmidt erlebt den Konflikt im Sudan. Rund 13 Millionen Menschen seien vertrieben worden, zwei Drittel von ihnen seien auf Hilfe angewiesen. Die Kirche versuche zu unterstützen, stoße aber an Grenzen.

Autor/in:
Johannes Schröer
Viele Menschen im Sudan hungern / © Uncredited (dpa)
Viele Menschen im Sudan hungern / © Uncredited ( dpa )

"Die Lage ist erschütternd", sagt der Comboni Missionar Pater Gregor Schmidt, der im Südsudan lebt und die Entwicklungen im Nachbarland Sudan aus nächster Nähe verfolgt. Die Hilfe, die jetzt auf einer internationalen Geberkonferenz in Berlin zugesagt worden sei, seien nur ein Tropfen auf den heißen Stein.

Pater Gregor Schmidt / © Claudia Zeisel (KNA)
Pater Gregor Schmidt / © Claudia Zeisel ( KNA )

Denn der Konflikt sei längst mehr als ein innerstaatlicher Machtkampf. Vielmehr sei der Sudan "ein Spielball der Weltpolitik" geworden, sagt Pater Gregor im DOMRADIO.DE Interview. Unterschiedliche internationale Akteure unterstützten die rivalisierenden Militärblöcke – mit gravierenden Folgen für die Stabilität der gesamten Region. 

Seit Beginn der Kämpfe stehen sich zwei etwa gleich starke Kräfte gegenüber: die reguläre Armee und die paramilitärischen RSF-Milizen. Beide Seiten verfolgten Maximalziele, erklärt Schmidt: "Es gibt keine Einsicht, dass dieses Land gemeinsam regiert werden kann." Eine politische Lösung scheint derzeit in weiter Ferne. De facto sei das Land bereits gespalten mit zwei konkurrierenden Machtzentren.

Die Leidtragenden dieses Konflikts sind vor allem die Zivilisten. Rund 13 Millionen Menschen – etwa ein Viertel der Bevölkerung – sind laut Pater Gregor vertrieben worden. Viele suchen Schutz innerhalb des Landes, andere fliehen in Nachbarstaaten wie den Südsudan. Allein dort seien etwa eine Million Menschen angekommen.

Besonders tragisch sei, dass der Sudan noch vor wenigen Jahren eine aktive Zivilgesellschaft und eine Demokratiebewegung hervorgebracht habe. Diese Hoffnungen seien durch Gewalt und militärische Machtkämpfe zerstört worden.

Auch die internationale Hilfe stößt an ihre Grenzen. Die in Berlin zugesagten Milliarden seien zwar wichtig, würden aber vor allem dem Sudan selbst zugutekommen. Der Südsudan, der bereits unter eigenen Krisen leidet, gehe weitgehend leer aus. Gleichzeitig fehle es dort an finanziellen Mitteln, seit wichtige internationale Unterstützung wie die US-amerikanische Hilfe durch USAID weggefallen seien.

Die Folgen sind spürbar: Flüchtlinge erhalten oft kaum Hilfe, viele werden als sogenannte "Rückkehrer" eingestuft und sich selbst überlassen. "Diese Krise kann derzeit nicht adäquat bewältigt werden", sagt Pater Gregor. Sowohl im Sudan als auch im Südsudan seien etwa zwei Drittel der Bevölkerung auf Nahrungsmittelhilfe angewiesen.

Vergleichsweise wenig Aufmerksamkeit

In dieser Situation versucht die Kirche, zumindest punktuell zu helfen. Die Comboni-Missionare engagieren sich vor allem in der lokalen Verteilung von Hilfsgütern, dort, wo große Organisationen nicht hinkommen. "Wir gelten als verlässlicher Partner", so der Comboni Missionar. "In unseren Gemeinden und Kapellen verteilen wir Nahrungsmittel". Dennoch seien die Möglichkeiten begrenzt: "Wir können humanitäre Hilfe in dem Maß, wie sie gebraucht wird, nicht leisten."

Der Schwerpunkt der kirchlichen Arbeit liege neben der Lebensmittelversorgung auf Seelsorge und Bildung. Gerade Schulen spielten eine zentrale Rolle, viele seien von der Kirche aufgebaut worden. Gleichzeitig bleibe die Präsenz vor Ort ein wichtiges Zeichen: "Wir gehen nicht weg, sondern bleiben bei den Menschen."

Trotz der dramatischen Lage erhält der Konflikt international vergleichsweise wenig Aufmerksamkeit. "In absoluten Zahlen ist es wohl die größte humanitäre Katastrophe des 21. Jahrhunderts", sagt Pater Gregor. Dennoch stünden andere Krisen stärker im Fokus der Weltöffentlichkeit.

Was gibt in einer solchen Situation noch Hoffnung? Für den Missionar ist es vor allem die eigene Berufung. "Wir haben uns bewusst entschieden, in schwierigen und ausweglosen Situationen zu arbeiten", erklärt er. Auch wenn es keine schnellen Lösungen gebe, sei das Bleiben ein Ausdruck von Solidarität: "Wir können diesen Konflikt nicht lösen. Aber wir bleiben den Menschen treu, die uns anvertraut sind."

Quelle:
DR

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