Drei Jahre nach Beginn des Krieges im Sudan mahnen Care Deutschland und das katholische Hilfswerk Misereor internationale Aufmerksamkeit und Handeln gegen das Leid der Bevölkerung an.
Care sprach am Montag in Bonn angesichts der mangelnden Wahrnehmung der Hungersnot und des Leidens der Zivilisten im Krieg von politischem Versagen. "Wer jetzt nicht handelt, nimmt das Leiden der Zivilbevölkerung und vermeidbare Todesfälle bewusst in Kauf", erklärte Care-Generalsekretär Karl-Otto Zentel.
Das Hilfswerk Care, das nach eigenen Angaben seit 1979 im Sudan tätig ist und mit lokalen Partnern zusammenarbeitet, spricht von der zahlenmäßig größten humanitären Krise der Welt. "Menschen fliehen vor Bomben und Hunger gleichzeitig." Nach wochenlangen Märschen erreichten sie erschöpft, traumatisiert und schwer mangelernährt Nachbarländer wie den Tschad oder Südsudan. Vor allem Frauen und Mädchen berichteten von sexuellen Übergriffen. Kinder erzählten vom Verlust der Eltern im Chaos.
Arbeit der Gesundheitsstationen in Grenzgebieten gefährdet
Gesundheitsstationen an der Grenze des Landes, wie sie auch Care betreibe, seien für viele der erste sichere Ort nach Monaten. Doch genau diese Hilfe stehe auf dem Spiel. Care kritisierte staatliche Mittelkürzungen. "Projekte laufen aus, obwohl der Bedarf jeden Tag weiterwächst."
Auch das katholische Hilfswerk Misereor appellierte am Montag an die Berliner Konferenz-Teilnehmerstaaten, "endlich ausreichend Mittel für humanitäre Hilfe bereitzustellen". Rund die Hälfte der Bevölkerung hungere. 11,6 Millionen Menschen seien auf der Flucht, so viele wie nie zuvor, erklärte Katharina Götte, Sudan-Expertin bei Misereor.
Sie verwies auf Berichte über systematische sexualisierte Gewalt, ethnisch motivierte Angriffe und die Rekrutierung von Kindern. Die Vereinten Nationen dokumentierten in der Region Darfur schwerste Menschenrechtsverletzungen. Hilfsorganisationen setzten ihre Arbeit unter extremen Bedingungen fort, oft unter Einsatz ihres Lebens.