Warum Kuba unter dem Konflikt zwischen Vatikan und USA leiden könnte

Geht noch jemand ans Telefon?

Eigentlich sollte Rom zwischen Havanna und Washington vermitteln. Nach den heftigen Attacken von Donald Trump auf Papst Leo XIV. wächst aber die Sorge, dass nicht mehr möglich ist und Kuba somit zum Kollateralschaden wird.

Autor/in:
Tobias Käufer
Eigentlich sollte Rom zwischen Havanna und Washington vermitteln. (Symbolbild) / © Nick Kaiser (dpa)
Eigentlich sollte Rom zwischen Havanna und Washington vermitteln. (Symbolbild) / © Nick Kaiser ( dpa )

Es klingt nicht nach einer Verhandlungslösung: Die Zeitung "USA Today" will erfahren haben, dass das Pentagon still und heimlich die Vorbereitungen zu einer Militäroperation auf Kuba vorantreibe. Es gelte, vorbereitet zu sein, wenn US-Präsident Donald Trump den Befehl für eine Militäroperation geben sollte. Tatsächlich absolvierten US-Militäreinheiten zuletzt zahlreiche Übungen, die an jene Bedingungen erinnern, wie sie auf Kuba vorkommen. So gab es Manöver in Panama und an anderen Orten der Karibik.

In der Vergangenheit galt der Vatikan stets als Anlaufstelle für beide Seiten, um knifflige diplomatische Situationen zu besprechen, ohne dass die Öffentlichkeit davon erfährt oder eine der beteiligten Seiten das Gesicht verlieren würde. Zuletzt gelang dem Vatikan ein Verhandlungserfolg, als Havanna die Freilassung von politischen Gefangenen ankündigte.

Die gibt es zwar – nach offizieller Lesart – auf der kommunistisch regierten Insel gar nicht. Dennoch registrierte die Bürgerrechtsorganisation Prisoners Defenders zuletzt rund 1.200 Inhaftierte aus politischen Motiven. Die Anfang April angekündigte Freilassung von 51 Häftlingen sei als Geste "guten Willens" gegenüber dem Vatikan zu verstehen, hieß es aus Havanna. Unter den Inhaftierten befanden sich Regimekritiker und Teilnehmer an den historischen Sozialprotesten von 2021.

"Wird furchtbar schlecht regiert"

Nachdem Trump im Iran-Konflikt in einer Sackgasse zu stecken scheint, kündigte der US-Präsident am Montag an: "Vielleicht machen wir in Kuba Halt – das Land wird furchtbar schlecht regiert." Am Konfliktherd Kuba entzündete sich zuletzt bereits ein Fernduell zwischen Papst Leo XVI. und dem Weißen Haus. Schon vor Wochen erweckte die Trump-Regierung den Eindruck, auch eine militärische Aktion gegen Kuba, vergleichbar mit der Verhaftung von Venezuelas Machthaber Nicolás Maduro Anfang Januar, sei eine Option.

Papst Leo XIV. hat am 28. Februar 2026 den Außenminister von Kuba, Bruno Rodriguez Parrilla, empfangen. / © Vatican Media/Romano Siciliani/KNA (KNA)
Papst Leo XIV. hat am 28. Februar 2026 den Außenminister von Kuba, Bruno Rodriguez Parrilla, empfangen. / © Vatican Media/Romano Siciliani/KNA ( KNA )

Kubas Staatschef Miguel Díaz-Canel ließ daraufhin die Armee in Alarmbereitschaft versetzen. Er selbst schloss in einem Interview mit einem US-Sender einen Rücktritt aus. US-Außenminister Marco Rubio, selbst ein Kind kubanischer Abstammung, ließ diese Woche erklären, die USA würden keinerlei Operation Russlands, Chinas oder des Iran in Amerika dulden. Kuba gilt als ein Verbündeter aller drei genannten Staaten.

Freiheit "Teil der Menschenwürde"

Gerade meldete sich Bischof Manuel de Jesús Rodríguez aus Palm Beach in Florida zu Wort; jener Region, in der Donald Trump zu Hause ist. Der Bischof forderte nach einem Besuch auf Kuba nicht nur die Katholiken seiner US-Diözese auf, Solidarität mit den unter einer schweren Versorgungskrise leidenden Kubanern zu üben. Zugleich appellierte er an das Ein-Parteien-Regime der Karibikinsel. Dort müssten Prozesse in Gang kommen, damit die Kubaner zunehmend Zugang zum Internet erhalten, Meinungsfreiheit ausüben können und auch politische Freiheiten bekommen – "denn das ist Teil der Menschenwürde", so Rodriguez.

Ähnlich hatten sich die kubanischen Bischöfe geäußert. Sie warnten einerseits wegen der aktuellen Ölblockade der USA gegenüber Kuba vor einem sozialen Chaos; andererseits mahnten sie aber auch Reformen an: "Kuba braucht Veränderungen - und die werden immer dringlicher."

US-Präsident Donald Trump hält die Rede zur Lage der Nation / © Kenny Holston/Pool The New York Times/AP (dpa)
US-Präsident Donald Trump hält die Rede zur Lage der Nation / © Kenny Holston/Pool The New York Times/AP ( dpa )
US-Präsident kritisierte Papst Leo und dessen Botschaften.

In den Wochen vor Trumps Attacken auf Papst Leo XIV. hatte es zwischen den USA, Kuba und dem Vatikan erneut zahlreiche Gespräche gegeben. Leo XIV. hatte Ende Februar Kubas Außenminister Bruno Rodríguez Parrilla im Vatikan empfangen. Zuvor war bekannt geworden, dass der US-Gesandte auf Kuba, Mike Hammer, im Vatikan Gespräche führte. Davor empfing der Papst den kubanischen Bischof Silvano Pedroso Montalvo von Guantánamo-Baracoa.

Papst Franziska vermittelte

Auf Kuba führten Havannas Erzbischof, Kardinal Juan de la Caridad García, und der Bischof von Santa Clara, Arturo González, Gespräche mit ranghohen US-Diplomaten. Die Kirche auf Kuba betont stets, sie stehe für Vermittlung bereit. Die Frage ist, ob derzeit noch jemand in Washington ans Telefon geht. Von einem diplomatischen Tauwetter zwischen Kuba und den USA, wie es Papst Franziskus zwischen den damaligen Staatsoberhäuptern Barack Obama und Raúl Castro vermitteln konnte, ist man aktuell meilenweit entfernt.

Katholische Kirche auf Kuba

Auf der Karibikinsel Kuba ist die katholische Kirche weniger stark verankert als in anderen lateinamerikanischen Ländern. Rund 60 Prozent der rund 11,3 Millionen Kubaner sind katholisch getauft. Diese vergleichsweise geringe Präsenz ist nicht allein Ergebnis der seit rund 60 Jahren andauernden kommunistischen Herrschaft, sondern reicht bis in die spanische Kolonialzeit zurück. Die langjährige gesellschaftliche Ausgrenzung der Kirche auf Kuba spiegelt sich insbesondere auch im Bildungs- und Gesundheitswesen wider.

Straßenbild aus Havanna, Kuba / © Mike Laptev (shutterstock)
Straßenbild aus Havanna, Kuba / © Mike Laptev ( shutterstock )
Quelle:
KNA