Zwischen Havanna und Washington wachsen seit Monaten die Spannungen. Zwar öffneten die USA zuletzt ihre Ölblockade für einen russischen Tanker, doch trotz Gesprächen zwischen den beiden ideologischen Intimfeinden ist keine Einigung in Sicht. Nun griff Kuba eine alte Ostertradition wieder auf: Wie örtliche Medien berichteten, kündigte die kubanische Regierung am Donnerstagabend die Freilassung von mehr als 2.000 Häftlingen als humanitäre Geste anlässlich der Osterfeierlichkeiten an.
Ob darunter auch viele oder alle der rund 1.200 politischen Gefangenen sind, ist unklar. Die USA und zahlreiche Menschenrechtsorganisationen haben immer wieder die Freilassung aller politischen Gefangenen gefordert. Jüngst hatte die exil-kubanische Nichtregierungsorganisation Prisoners Defenders berichtet, die Gesamtzahl habe mit 1.214 im Februar einen neuen Rekord erreicht.
Kommunistische Führung gibt sich gnädig
Die humanitäre Geste von Donnerstag basiere auf einer sorgfältigen Analyse der von den Verurteilten begangenen Taten, gutem Verhalten im Gefängnis und der Tatsache, dass sie einen wesentlichen Teil ihrer Strafe verbüßt hätten, hieß es in der Parteizeitung "Granma", Sprachrohr der kommunistischen Regierung. Auch der Gesundheitszustand der Häftlinge habe bei der Bewertung der Fälle eine Rolle gespielt.
Vor wenigen Tagen hatte der Ein-Parteien-Staat bereits die Freilassung von 51 Häftlingen als Geste des "guten Willens" gegenüber dem Vatikan angekündigt. Rund 25 Inhaftierte, darunter Oppositionelle und Teilnehmer der großen Sozialproteste von 2021, sollen inzwischen aus der Haft entlassen worden sein.
Der gebürtige US-Amerikaner Papst Leo XIV. hatte jüngst angesichts der Kuba-Krise zum Dialog aufgerufen und eine Erklärung der kubanischen Bischöfe aufgegriffen. Die wiederum hatten vor der Gefahr eines "sozialen Chaos" gewarnt. "Kuba braucht Veränderungen - und diese werden immer dringlicher", so die Geistlichen. Zugleich erklärten sie sich bereit, zwischen den Konfliktparteien zu vermitteln. In dieser Woche veröffentlichte die Regierung die neuen Wirtschaftspläne, ohne jedoch strukturelle Veränderungen der sozialistischen Ordnung zu planen.
Vatikan drängt auf Amnestien
In den vergangenen Jahrzehnten hatte es rund um die Ostertage immer wieder große Amnestien auf Kuba gegeben. Dabei spielte auch die Vermittlung des Vatikans eine zentrale Rolle. In den Jahren 2012 (2.900 Häftlinge) und 2015 (3.500 Häftlinge) standen die Amnestie-Maßnahmen im Zusammenhang mit den Besuchen der damaligen Päpste Benedikt XVI. und Franziskus.
Franziskus vermittelte darüber hinaus eine Vereinbarung zwischen der kubanischen Regierung und der Regierung des damaligen Präsidenten Joe Biden zur Freilassung von 553 Häftlingen. Darunter waren allerdings auch prominente Dissidenten, die später erneut verhaftet wurden.
Auch in der aktuellen Krise kam es wieder zu mehreren hochkarätigen Treffen und Gesprächsrunden, an denen Vertreter der USA, Kubas und der Kirche teilnahmen. Papst Leo XIV. empfing Ende Februar Kubas Außenminister Bruno Rodríguez Parrilla in Privataudienz im Vatikan.
Zuvor war bekanntgeworden, dass der US-Gesandte auf Kuba, Mike Hammer, im Vatikan Gespräche geführt hat. Davor empfing Leo XIV. den kubanischen Bischof Silvano Pedroso Montalvo von Guantánamo-Baracoa.
Auf Kuba führten der Erzbischof von Havanna, Kardinal Juan de la Caridad García, und Bischof Arturo González aus der Diözese Santa Clara Gespräche mit Topdiplomaten aus den USA.