Ein Leben im Mangel: Auf Kuba ist das längst Alltag. Jetzt verschärfen die USA mit ihrer Ölblockade die katastrophale Versorgungslage weiter.
Ausgerechnet in Florida, wo US-Präsident Donald Trump sein Domizil Mar-a-Lago hat, will das ein Bischof nicht hinnehmen. Nach seinem Besuch der kommunistisch regierten Karibikinsel hat Manuel de Jesus Rodríguez einen eindringlichen Appell an die Gläubigen im Bundesstaat Florida gerichtet.
Rodríguez hatte gerade die Möglichkeit, einen persönlichen Einblick in das Leben in Kuba zu erhalten: Er nahm an der Amtseinführung von Bischof Osmany Massó Cuesta teil, der künftig dem Bistum Bayamo-Manzanillo im Süden der Insel vorsteht.
Anschließend schrieb Rodríguez in einem offenen Brief, der am Wochenende auf der Homepage der katholischen Kirche in Florida veröffentlicht wurde: Er habe eine Realität gesehen, die er nicht vergessen könne, und über die er nicht schweigen dürfe. In Kuba sei die Beschaffung von Lebensmitteln heute keine Selbstverständlichkeit mehr, sondern ein täglicher Kampf.
Unterernährung und Erschöpfung
Weiter hieß es im Schreiben des Bischofs von Palm Beach, Familien stünden jeden Morgen auf, ohne Gewissheit zu haben, ihre Kinder ernähren zu können. "Lange Schlangen ziehen sich stundenlang unter der Sonne hin und enden oft in Enttäuschung." Rodríguez verwies auch auf die gesundheitlichen Folgen wie Unterernährung.
Diese könne nicht mehr verborgen werden, sondern zeige sich in den Gesichtern der Kinder, in der Gebrechlichkeit der Älteren, in der stillen Erschöpfung der Eltern.
Die Lage im Gesundheitswesen bezeichnete Rodríguez als alarmierend. Krankenhäusern und Kliniken fehlten die elementarsten Vorräte und Medikamente, Behandlungen würden sich so verzögern oder ganz ausfallen. "Krankheiten, die anderswo leicht zu behandeln wären, werden in Kuba zu einer schweren und manchmal unerträglichen Last. Die Kranken leiden still und allzu oft ohne angemessene Versorgung."
Das habe er auch bei Gesprächen mit Menschen erlebt und in ihren Augen gesehen. Rodríguez bezeichnete es als "wachsendes, erdrückendes Gefühl der Hoffnungslosigkeit".
Enge Verbindung zwischen Florida und Kuba
Gleichwohl erinnerte der Bischof daran, dass in der Diözese Palm Beach in Südflorida unzählige kubanischstämmige Amerikaner und kubanische Einwanderer lebten. "Ihre Herzen werden untrennbar mit diesem leidenden Land verbunden bleiben", so Rodríguez.
Sie erlebten die Krise praktisch hautnah mit; zum Beispiel durch eine zitternde Stimme der Mutter am Telefon; durch die Sorge um einen kranken Vater, der keine Medikamente bekommen könne; durch das Wissen um geliebte Menschen, die hungerten.
Der Bischof warnte vor Gleichgültigkeit, die nicht nur ein Versagen der Nächstenliebe, sondern auch des Gewissens wäre. "Wir sind keine Zuschauer. Wir sind Nachbarn. Kuba schreit um Hilfe." Es brauche daher Solidarität mit dem kubanischen Volk. "Die Führer unserer Nation müssen dazu bewegt werden, dass sie mit Weisheit, Mitgefühl und Dringlichkeit handeln, um wirksame humanitäre Hilfe zu leisten."
Auch die Diözese Palm Beach wolle unterstützen und insbesondere in den Bereichen Ernährung und Gesundheitsversorgung konkrete Hilfe leisten.
Ob Trump den eindringlichen Appell von Bischof Rodríguez hört? Das ist ungewiss. Das Staatsoberhaupt bestätigte vor Jahren, als Kind zwar in einer presbyterianischen Kirche konfirmiert worden zu sein. Mittlerweile betrachte er sich aber als konfessionslosen Christen. Laut einer im Februar veröffentlichten Umfrage vom Pew Research Center gehören evangelikale Christen zu Trumps stärksten Unterstützern.