DOMRADIO.DE: Wie haben Sie die Reise der Mission Artemis verfolgt? Waren Sie aufgeregt in dem Moment des Starts?
Pater Christoph Gerhard OSB (Cellerar der Abtei Münsterschwarzach und Hobby-Astrophysiker): Das war eines der ersten Dinge, die ich früh morgens um 5 Uhr gemacht habe.
Das zeigt schon an, wir haben am Morgen eineinhalb Stunden Trauermetten am Gründonnerstag gebetet und deswegen war ich nicht live dabei. Ich hatte aber ein waches Auge, bevor ich ins Bett ging. Früh morgens dann zu hören, dass es geglückt ist, ist wunderbar gewesen.
DOMRADIO.DE: Was fasziniert Sie am Weltall und auch an dieser Mission?
Gerhard: Am Weltall interessiert mich grundsätzlich, wie man Menschen mit einer Rakete so weit weg von der Erde bringen kann. So weit in den Weltraum hinein, das ist etwas ganz Tolles Dadurch bekommt man ganz neue Sichtweisen auf den Mond und auch auf die Erde.
Als Ingenieur interessiert mich auch das rein Technische. Es ist eine wahnsinnige technische Leistung, Menschen so sicher ins Weltall zu bringen und auch hoffentlich wieder zurück. Da steckt ungemein viel drin.
DOMRADIO.DE: Erstmals seit mehr als 50 Jahren sind Menschen wieder in Richtung Mond unterwegs. Wie erklären Sie sich gerade auch in der öffentlichen Wahrnehmung diese Euphorie rund um den Mond?
Gerhard: Das hat für mich zwei Seiten. Das eine ist die Freude darüber, dass wieder wissenschaftliche Forschung betrieben wird. Dabei geht es auch um die neuen Sichtweisen zurück auf die Erde. Wir sehen die schönen Bilder von der ganzen Erde im Mondschein. Das sind wichtige Dinge für uns Menschen.
Was mich jedoch besorgt, ist das wirtschaftliche Interesse, das dahintersteckt. Auch das politische Interesse sehe ich kritisch, da jeder wieder einmal der Erste sein möchte. Das ist weniger gut.
DOMRADIO.DE: Was erhoffen Sie sich von dieser Mondmission?
Gerhard: Wie verträglich sind wir Menschen überhaupt für den Weltraum und für die Reisen im Weltraum Dafür sind wichtige Instrumente von Deutschland mit dabei, die etwa die Strahlung messen. Es ist eine große Frage, ob es irgendwann mal möglich ist, zum Mars zu fliegen, ohne dabei an Krebs zu erkranken oder schwerwiegendere Konsequenzen zu haben.
Es geht einfach auch wieder darum, auf diesen Erdtrabanten zurückzukommen und zu schauen, welchen Nutzen wir als Menschen davon haben können. Das, denke ich, ist schon wichtig. Ich hoffe darauf, dass die Nationen dann wieder zusammenarbeiten und das als gemeinsames Projekt sehen, anstatt dass man einzeln forscht.
Das Interview führte Carsten Döpp.