Traditionalisten zeigen sich skeptisch gegenüber Liturgievorschlag

"Verschiedene liturgische Logiken"

Der Organisator der Wallfahrt Paris-Chartres warnt vor einer Vermischung von alter und neuer Messe. Die Unterschiede zwischen der Liturgie seien grundlegend. Vorgeschlagen wurde die Vermischung von Solesmes-Abt Geoffroy Kemlin.

Symbolbild Traditionalist mit einem Gebetbuch / © Jean-Matthieu Gautier (KNA)
Symbolbild Traditionalist mit einem Gebetbuch / © Jean-Matthieu Gautier ( KNA )

Der Vorschlag des Solesmes-Abts Geoffroy Kemlin zur Versöhnung von alter und neuer Messe stößt bei Vertretern der traditionellen Liturgie auf Vorbehalte. In einem Interview mit der Plattform L'Homme Nouveau äußerte sich Philippe Darantière, Präsident von Notre-Dame de Chrétienté, kritisch zu dem Vorstoß.

Darantière organisiert mit seinem Verein die jährliche Chartres-Wallfahrt zu Pfingsten, die als größte Wallfahrt des Traditionalismus in Frankreich gilt. Laut Angaben der Gemeinschaft Notre-Dame de Chrétienté ist sie "der größte Ort der Zusammenkunft und Heiligung der Gläubigen, die am traditionellen Ritus der Messe festhalten". An der "Pèlerinage de Chrétienté" nehmen jedes Jahr mehr als zehntausend Menschen teil.

Vorschlag: Alte und neue Messe vereinen

Abt Kemlin hatte zuletzt angeregt, die vorkonziliare Liturgie und die nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-1965) reformierte Form in einem gemeinsamen Messbuch zusammenzuführen. Beide Ordnungen sollen nebeneinander bestehen und so zur Einheit beitragen.

Darantière sieht darin jedoch eine problematische Annäherung. Zwar erinnere der Ansatz an das Modell eines Ritus mit zwei Formen, den Papst Benedikt XVI. vertreten habe. Die geplanten Anpassungen des alten Ritus – etwa durch spätere Reformelemente – stammten jedoch nicht unmittelbar aus der Konzilskonstitution selbst. "Durch die Überarbeitung des alten Ordo wird dieser also vom Geist der Reform durchdrungen, jenem Geist der Neuheit, der nicht der seine ist", so Darantière.

Verschiedene liturgische Logiken

Grundsätzlich stünden sich zwei unterschiedliche liturgische Logiken gegenüber. Der erneuerte Ritus sei von Vielfalt und Wahlmöglichkeiten geprägt, während die traditionelle Form auf feste Abläufe und Wiederholung setze. "Es ist eine Pädagogik der Regelmäßigkeit, der Wiederholung, eine Form, die uns auferlegt wird." Beide Ansätze seien kaum vereinbar.

Auch die vom Abt angesprochene "anthropologische Differenz" der Messformen weist Darantière zurück. Dies würde bedeuten, dass sich der Mensch in den 60 Jahren seit dem Konzil grundlegend verändert habe. Tatsächlich nehme die junge Generation die traditionelle Liturgie an, wenn man sie ihr anbiete; teils fänden sogar Neugetaufte über sie zum Glauben.

Kein Konsens im Liturgiestreit

Kritisch bewertet Darantière zudem konkrete Vorschläge wie die Übernahme des neuen Festtagskalenders oder Lektionars. Der reformierte Kalender habe vielerorts einen Bruch verursacht und vertraute Bezugspunkte zerstört. Auch das Argument eines größeren Zugangs zur Bibel überzeugt ihn nicht.

Insgesamt hält Darantière eine Zustimmung zu dem Vorschlag des Abtes für unwahrscheinlich. Viele Gläubige des neuen Ritus wollten keine Veränderungen, während Anhänger der traditionellen Liturgie vor allem Anerkennung ihrer Praxis verlangten. Eine Zusammenführung beider Formen könne die Spannungen in der Kirche daher eher verschärfen als lösen.

Alte Messe

Die "Alte Messe" bezeichnet die Feier der heiligen Messe meist nach dem Messbuch von 1962, dem "Missale Romanum" von Papst Johannes XXIII. Diese Liturgieform wurde durch die Erneuerung nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil außer Kraft gesetzt. 1984 gestattete Papst Johannes Paul II. die Feier nach dem Messbuch von 1962 unter bestimmten Voraussetzungen. Papst Benedikt XVI. weitere mit dem Motu proprio "Summorum Pontificum" (2007) die Kriterien für die Zulassung weiter aus. Papst Franziskus schränkte die Feier später mit "Traditionis Custodes" (2021) wieder stärker ein.

Tridentinische Messe / © Natalia Gileva (KNA)
Tridentinische Messe / © Natalia Gileva ( KNA )
Quelle:
KNA