Die Personalstrategie von Papst Leo XIV. setzt Zeichen

Anders als Franziskus

Ein knappes Jahr nach seiner Wahl beginnt Papst Leo XIV. damit, nicht nur den Personalapparat der Kurie, sondern auch die Weltkirche umzubauen. Die ersten Entscheidungen sagen viel über seine Strategie aus.

Papst Leo XIV. am Schreibtisch. Werden hier Personalentscheidungen getroffen? / © Vatican Media/Romano Siciliani (KNA)
Papst Leo XIV. am Schreibtisch. Werden hier Personalentscheidungen getroffen? / © Vatican Media/Romano Siciliani ( KNA )

So ungewöhnlich das klingt: Papst Leo XIV. macht Schlagzeilen durch Normalität. Das Pontifikat seines Vorgängers Franziskus hat in vielerlei Hinsicht einen Ausnahmezustand für die Kirche bedeutet. Franziskus hat dadurch Zeichen gesetzt, dass er Kardinäle vom Ende der Welt ernannt hat oder Männer aus der Seelsorge in bedeutende Verwaltungsposten gesetzt hat. 

Leo tritt zwar in vielerlei Hinsicht in die Fußstapfen seines Vorgängers, zum Beispiel was das Thema Papstreisen oder synodalen Führungsstil angeht, in vielen Belangen kehrt er aber auch zur Linie zurück, die bis zu seinem Vor-Vorgänger Benedikt XVI. im Vatikan Usus war. Leo wohnt ab jetzt wieder im Apostolischen Palast, er verbringt Zeit in Castel Gandolfo und trägt zu wichtigen Terminen die Mozetta, das purpurrote Schultertuch der Päpste, das Franziskus kein einziges Mal angelegt hat. 

Der neu gewählte Papst Leo XIV. (r), der US-Amerikaner Robert Prevost, erscheint nach dem Konklave auf dem Balkon des Petersdoms im Vatikan (dpa)
Der neu gewählte Papst Leo XIV. (r), der US-Amerikaner Robert Prevost, erscheint nach dem Konklave auf dem Balkon des Petersdoms im Vatikan / ( dpa )

All diese Äußerlichkeiten sind klar ersichtliche Zeichen einer Rückkehr zur Tradition, mit dem Bewusstsein für den Kurs, den Papst Franziskus für die Kirche eingeschlagen hat. Eine ähnliche Strategie sieht man jetzt bei den Personalentscheidungen des Pontifex.

Auf wen setzt Leo?

Legte Franziskus auch bei seinen Ernennungen großen Wert auf die öffentlichen Zeichen, die die Personalia gesetzt haben, scheint Leo noch mehr auf die Arbeitskraft und Kompetenz der Amtsträger zu achten. So wählt er zum Beispiel als Bischöfe für bedeutende Diözesen oftmals solche aus, die bereits in kleineren Bistümern ihre Führungsqualitäten bewiesen haben. Heiner Wilmer als neuer Bischof von Münster, der mitgliederstärksten Diözese Deutschlands, war vorher Bischof des kleineren Bistums Hildesheim. Ronald Hicks, der neue Erzbischof von New York und Nachfolger von Kardinal Timothy Dolan, war vorher Bischof des Provinzbistums Joliet in Illinois. Männer, die keine großen Schlagzeilen machen, sich aber bereits in Verantwortungspositionen bewährt haben. 

Ähnlich der neue Nuntius in den Vereinigten Staaten: Ein Posten, der durchaus für Aufsehen sorgt. Der letzte Nuntius, der französische Vatikandiplomat Christoph Pierré, hat sich mehrmals deutlich zur US-Politik von Donald Trump geäußert. Dessen Vorgänger Carlo Maria Viganò verlor seinen Posten, als er in offenen Konflikt mit Papst Franziskus trat. Der neue Botschafter wirkt hingegen fast unscheinbar. Erzbischof Gabriele Caccia war in den vergangenen Jahren ständiger Beobachter des Heiligen Stuhls bei den Vereinten Nationen in New York. Er kennt also sowohl die USA als auch die internationale Diplomatie, hält sich aber als Person im Hintergrund.

Erzbischof Gabriele Caccia  (shutterstock)

Auch im Kirchenstaat hat Leo in den vergangenen Monaten die ersten Weichen gestellt. Erst diese Woche hat er einen neuen Präfekten des Päpstlichen Hauses ernannt, einen Posten, der seit dem Konflikt zwischen Papst Franziskus und Georg Gänswein sechs Jahre lang vakant geblieben ist. Der neue Hausleiter des Papstes ist der 66-jährige Kanadier Peter Rajic, der zuletzt als Papstbotschafter in Italien diente und vorab im Baltikum, Afrika und Arabien postiert war. Auch hier setzt der Papst einen Kirchenmann ein, der keine großen Wellen macht, aber sich auf dem diplomatischen Parkett bewährt hat. Gleichzeitig hat er auch einen neuen Substituten für die Vatikanstadt, allgemein als "Nummer drei" der vatikanischen Hierarchie bezeichnet, ernannt. Der 55-jährige Paolo Rudelli war zuletzt Nuntius in Venezuela. 

Ordensmänner in verantwortungsvollen Positionen

Ins gleiche Bild passt auch die kürzlich vollzogene Personalrochade im Amt des "Päpstlichen Almosenmeisters". Der bisherige Amtsinhaber Konrad Krajewski, ein enger Vertrauter von Franziskus, wurde erst diesen Monat in seine polnische Heimat berufen und wird neuer Erzbischof von Lodz. Der charismatische Pole hatte immer wieder durch unkonventionelle Aktionen Aufmerksamkeit erregt. So hat er selbst einen LKW mit Hilfslieferungen in die Ukraine gefahren oder Familien, denen der Strom abgedreht wurde, persönlich die Zählerkästen manipuliert. So positiv diese Aktionen in der Öffentlichkeit angekommen sind, umso mehr sei das Verhältnis zwischen Leo und Krajewski in den vergangenen Monaten angespannt, wie Vatikankreise zu berichten wissen. Das läge aber weniger an den guten Intentionen des Almosenkardinals, sondern an der fehlenden Dokumentation und professionell-bürokratischen Umsetzung derselben. 

Kardinal Konrad Krajewski (r.) / © Vatican Media/Romano Siciliani (KNA)
Kardinal Konrad Krajewski (r.) / © Vatican Media/Romano Siciliani ( KNA )

Bei der Neubesetzung des Almostenverantwortlichen wird zudem ein weiterer Schwerpunkt von Leo deutlich. Mit dem spanischen Augustiner Luis Marín de San Martín setzt er einen Ordensbruder, ein Mitglied seines eigenen Augustinerordens, in die Vatikanverwaltung. Ein Muster, das sich bei anderen Berufungen ebenso bestätigt: Leo vertraut Ordensleuten. Das zeigen auch die zwei Bischöfe, die er bis jetzt in Deutschland berufen hat. In Mainz sitzt mit dem indischen Weihbischof Joshy Pottackal ein Karmelit am Dom. Der anfangs erwähnte Heiner Wilmer ist selbst Herz-Jesu-Priester und stand seinem Orden auch drei Jahre als Oberer in Rom vor. 

Schwester Simona Brambilla / © Paolo Galosi/Romano Siciliani (KNA)
Schwester Simona Brambilla / © Paolo Galosi/Romano Siciliani ( KNA )

Vertrauen in Ordensleute zeigt der Pontifex dabei nicht nur gegenüber Männern, sondern auch Ordensfrauen. Leo XIV. ist ähnlich wie sein Vorgänger Franziskus klar in der Ablehnung von Frauen in Weiheämtern, unternimmt aber große Schritte, um Frauen auf andere Weise in kirchliche Verantwortungsposten zu setzen. So hat er im Mai die italienische Kirchenrechtlerin und Ordensfrau Tiziana Merletti zur Sekretärin des Ordensdikasteriums ernannt. Die Leitung dieser Behörde liegt schon seit vergangenem Jahr ebenfalls bei einer Ordensfrau. Simona Brambilla ist seit 2025 die erste Präfektin in der Geschichte der Kurie. Eine Personalie von Franziskus, die Leo beibehalten hat. 

Warten auf erstes Konsistorium

Die Ernennungen von Papst Leo folgen also einem klaren Muster: Kirchenmänner, die sich in Verantwortung bewährt haben, keine großen Wellen um sich machen und im Idealfall noch Ordensleute sind. Spannend wird nun noch die Frage, wie die ersten Kardinalsernennungen des neuen Papstes aussehen werden. 

Mit der Zusammensetzung des Kardinalskollegiums stellt ein Papst Weichen über seine eigene Amtszeit hinaus, da diese Purpurträger auch seinen Nachfolger wählen werden. Franziskus ist auch hier ungewöhnliche Wege gegangen und hat nicht Erzbischöfe aus den bedeutenden Diözesen der Welt in seinen Senat gerufen, sondern Kirchenleute aus Tonga, Papua-Neuguinea, der Mongolei oder der Zentralafrikanischen Republik. 

Aus einer deutschen Diözese zum Beispiel hatte der argentinische Papst keinen einzigen Erzbischof berufen, nur den damaligen Präfekten der Glaubenskongregation Gerhard Ludwig Müller. Sollte Leo auch hier zur Politik seiner Vor-Vorgänger zurückkehren, könnten wir bald wieder Kardinäle auf den Bischofsstühlen in Paris, Venedig oder Berlin zu sehen bekommen. 

Leo XIV.: Das Leben von Robert Francis Prevost bis zur Papstwahl

Die Medien sind in Aufregung um den neuen Papst: War er Bischof in den USA? Oder in Peru? Wie kam er in den Vatikan? Zeit für eine Übersicht.

Der neue Papst Leo XIV. aus den USA ist als Ordensmann in Rom, in der vatikanischen Kurie und der Weltkirche zuhause. Die Katholische Nachrichten-Agentur (KNA) nennt wichtige Stationen seines Lebens vor der Wahl:

 Kardinal Robert Francis Prevost ist der neue Papst, Leo XIV. / © Riccardo De Luca/AP (dpa)
Kardinal Robert Francis Prevost ist der neue Papst, Leo XIV. / © Riccardo De Luca/AP ( dpa )
Quelle:
DR

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