Wie US-Kriegsminister Hegseth die Militärseelsorge umbaut

Gebete gegen die Feinde der USA

Kriegsminister Pete Hegseth will die US-Militärseelsorge "wieder großartig" und fit für den Ernstfall machen. Wie er sich spirituellen Beistand im Krieg vorstellt, zeigte der Ex-Soldat bei einem Gottesdienst im Pentagon.

Autor/in:
Bernd Tenhage
Pete Hegseth, designierter Verteidigungsminister, sagt vor dem Wehrdienstausschuss des Senats aus in Washington am 14. Januar 2025 / © Joshua Sukoff (shutterstock)
Pete Hegseth, designierter Verteidigungsminister, sagt vor dem Wehrdienstausschuss des Senats aus in Washington am 14. Januar 2025 / © Joshua Sukoff ( shutterstock )

Neuerdings wird im Pentagon gebetet. Freiwillig, wie US-Kriegsminister Pete Hegseth betont – aber an prominenter Stelle im Auditorium des weltbekannten Gebäudes. 

Kürzlich trat der Ex-Soldat persönlich vor die Militärs und zivilen Mitarbeiter, die sich zum Gebet versammelt hatten. Während die US-Streitkräfte weiter den Iran bombardierten, betete er für eine "überwältigende Gewalt gegen jene, die kein Erbarmen verdienen".

US-Präsident Donald Trump erscheint beim damaligen Fox & Friends Co-Moderator Pete Hegseth bei einer Veranstaltung im East Room des Weißen Hauses / © Andrew Harnik/AP (dpa)
US-Präsident Donald Trump erscheint beim damaligen Fox & Friends Co-Moderator Pete Hegseth bei einer Veranstaltung im East Room des Weißen Hauses / © Andrew Harnik/AP ( dpa )

Hegseth zitierte die Worte eines Militärgeistlichen, die dieser nach dem spektakulären Einsatz gegen den venezolanischen Diktator Nicolás Maduro vor Soldaten gebraucht haben soll: "Möge jede Kugel ihr Ziel finden gegen die Feinde der Rechtschaffenheit und unserer großen Nation." 

Gott möge ihnen Weisheit schenken bei jeder Entscheidung, Ausdauer für die bevorstehende Prüfung sowie unverbrüchliche Einigkeit im Kampf.

In genau diesem Stil stellt sich Hegseth die Ansprachen patriotischer Prediger vor. Zu diesem Zweck kündigte der evangelikale Politiker per Videobotschaft eine spezielle Reform an. Er kanzelte die bisherigen Predigten ab, die er als zu lasch empfindet. Die Seelsorgertruppe sei von politischer Korrektheit und säkularem Humanismus durchtränkt. Sie hätten sich in bloße Therapeuten verwandelt, denen eigene Belange wichtiger seien als Glaube und Tugend.

Religiöse Insignien statt Militärabzeichen

Hegseth kündigte weiter an, den Kreis der Religionsgemeinschaften, die Geistliche stellen dürfen, von rund 200 auf 31 zu verkleinern. Die Militärseelsorger sollten nicht mehr ihre Rangabzeichen tragen, sondern religiöse Insignien. Es gehe darum, die Seelsorge "wieder großartig zu machen", so der Minister unter Verweis auf den bekannten America-Slogan von Präsident Donald Trump.

Großartig wären aus seiner Sicht evangelikale Prediger wie sein eigener Pastor, der christliche Nationalist Doug Wilson. Auch der populäre Franklin Graham passt gut in dieses Konzept. Beide Pastoren lassen ihre Theologie mit der militärischen Stärke der USA verschmelzen – und laden den Krieg gegen das iranische Mullah-Regime religiös auf.

Graham hatte im Dezember bei einem Gebetstreffen im Pentagon die Tonlage vorgegeben. "Wir wissen, dass Gott liebt. Aber wusstet ihr, dass Gott auch hasst?", fragte er die Versammelten, umgeben von Weihnachtsbäumen und einem jüdischen Chanukka-Leuchter. "Wisst ihr, dass Gott auch ein Gott des Krieges ist? Viele Menschen wollen das nicht wahrhaben oder vergessen es."

Betont martialischer Sprachgebrauch

Nicht so Hegseth, dessen martialischer Sprachgebrauch im Briefing-Room des Pentagon wiederholt aufhorchen ließ. Voller Pathos spricht er von den unübertroffenen Fähigkeiten des US-Militärs, das "Tod und Zerstörung von oben" über die Feinde im Iran bringen könne. 

Seine Landsleute rief er auf, für den Sieg und die Sicherheit der eigenen Truppen zu beten. "Jeden Tag, auf den Knien, mit eurer Familie, in euren Schulen, in euren Kirchen", sagte er nachdrücklich - "im Namen Jesu Christi".

In der Verbindung von höherer Macht und militärischer Feuerkraft sieht der Minister offenbar einen wichtigen Faktor zur Stärkung der Kampfmoral. "Unsere Fähigkeiten sind besser. Unser Wille ist stärker. Unsere Truppen sind besser", sagte er in einem Interview für die CBS-Sendung "60 Minutes". "Die Vorsehung unseres allmächtigen Gottes beschützt diese Truppen – und wir stehen zu dieser Mission."

Kritik vom Kardinal

Eine solche Einstellung widerspricht indes den Überzeugungen einer ganzen Reihe führender Kirchenvertreter in den USA. Der Washingtoner Kardinal Robert McElroy etwa zog eine klare Grenze: zwischen dem Gebet für die USA und ihre Soldaten, das er regelmäßig spreche – und einer archaischen Kriegermentalität, wie sie Hegseth vertritt.

Robert McElroy, Bischof von San Diego / © David Maung (KNA)
Robert McElroy, Bischof von San Diego / © David Maung ( KNA )

"Nach meiner Überzeugung und der Lehre der Kirche ist dies kein moralischer Krieg; es ist ein unmoralischer Krieg, und deshalb bete ich nicht dafür, dass dieser unmoralische Krieg weitergeht", sagte der Kardinal jüngst in einem Interview. Er sehe eine moralische Pflicht, den Iran-Krieg zu beenden und einen Waffenstillstand zu erreichen.

Die katholische Kirche in den USA

Die römisch-katholische Kirche ist die größte Glaubensgemeinschaft der USA, denn die Protestanten teilen sich in verschiedene Konfessionen. Ein knappes Viertel der US-Amerikaner ist katholisch, die meisten Katholiken leben im Nordosten und im Südwesten. Genaue Zahlen sind schwierig, weil in den USA der Wechsel einer Konfession sehr häufig vorkommt.

Die katholische Kirche in den USA / © rawf8 (shutterstock)
Die katholische Kirche in den USA / © rawf8 ( shutterstock )
Quelle:
KNA