Evangelischer Militärbischof fordert Vorbereitung auf den Kriegsfall

Mehr Bedarf an Seelsorge

Was, wenn Deutschland in Kriege verwickelt wird – oder diese sogar ins Land kommen? Die Kirchen bereiten sich auf einen möglichen Ernstfall vor. Der evangelische Militärbischof Bernhard Felmberg fordert zusätzliche Seelsorger.

Bernhard Felmberg, evangelischer Militärbischof   / © Christian Ditsch (epd)
Bernhard Felmberg, evangelischer Militärbischof / © Christian Ditsch ( epd )

Die Kirchen müssen sich nach Ansicht des evangelischen Militärbischofs Bernhard Felmberg gründlich vorbereiten auf einen möglichen Kriegsfall. "Es wäre grob fahrlässig, wenn wir in einem Verteidigungsfall nicht handlungsfähig wären", sagte er am Donnerstag in Berlin der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) nach der Veröffentlichung eines Papiers der beiden großen Kirchen zur Seelsorge im Falle eines Angriffs auf die NATO: "Deshalb ist es gut und richtig, dieses Konzept jetzt zu haben – auch wenn unser größter Wunsch bleibt, dass es für immer in der Schublade bleiben kann."

In ihrem Papier orientieren sich die Kirchen am "Operationsplan Deutschland" des Bundesverteidigungsministeriums: Diese Planungen gehen davon aus, dass Deutschland im NATO-Bündnisfall eine wichtige Logistikdrehscheibe wäre und dass mit Transporten von Verwundeten und Gefallenen ebenso zu rechnen sei wie mit großen Fluchtbewegungen.

Deutlicher Mehrbedarf an Seelsorge

Konkret rechnen die Kirchen in diesen Fällen mit einem deutlichen Mehrbedarf an Militärseelsorge, an Seelsorge in Krankenhäusern, aber auch bei der Überbringung von Todesnachrichten und bei Beisetzungen. Ebenso sei mit einer großen Zahl traumatisierter Heimkehrer zu rechnen. "Eine solche Aufgabe kann die Militärseelsorge personell nicht allein schultern", sagte Felmberg: "Das können die Kirchen im Ernstfall nur als Ganzes leisten."

Das neue Rahmenkonzept vernetze daher die zivilen und militärischen Seelsorgestrukturen und regele klar, wer welche Aufgaben wahrzunehmen hat: "Ich bin dankbar, dass die evangelische und katholische Kirche sowie die jüdische Glaubensgemeinschaft dieses Konzept miterarbeitet haben."

Antrag ans Verteidigungsministerium

Nötig ist aus Sicht des Militärbischofs auch eine deutliche personelle Aufstockung der Militärseelsorge. Wenn man die bisherige Qualität aufrechterhalten wolle, während die Streitkräfte von 184.000 auf 260.000 Soldatinnen und Soldaten anwachsen, sei der Mehrbedarf leicht zu berechnen: "Wir brauchen 42 zusätzliche Stellen", so Felmberg: "Diesen Bedarf haben wir beim Bundesverteidigungsministerium beantragt und erwarten zuversichtlich eine rasche Umsetzung, um für die Truppe verlässlich handlungsfähig zu bleiben."

Militärseelsorge in Deutschland

Nach dem Soldatengesetz hat jeder Soldat und jede Soldatin Anspruch auf Seelsorge und ungestörte Religionsausübung.

Bislang leisten in der Bundeswehr die evangelische und die katholische Kirche sowie die jüdische Gemeinschaft eine vertraglich vereinbarte Militärseelsorge für die Soldaten und deren Angehörige.

Die Bundeswehr hat ein Nachwuchsproblem / © Monika Skolimowska (dpa)
Die Bundeswehr hat ein Nachwuchsproblem / © Monika Skolimowska ( dpa )
Quelle:
KNA