Bischof in Frankreich muss wegen Fehlverhalten Entschädigung zahlen

Anwalt kündigte Einspruch an

Der französische Bischof Jean-Michel Di Falco, einst Liebling der Pariser Gesellschaft, muss 200.000 Euro Entschädigung zahlen. Die Vergewaltigungsvorwürfe eines ehemaligen Schülers aus den 1970er Jahren weist er weiterhin zurück.

Blick über Paris / © Felix Lipov (shutterstock)

Jean-Michel Di Falco (84), dem emeritierten Bischof von Gap und Embrun und zuvor Weihbischof in Paris, wirft ein Mann sexuelle Übergriffe in den frühen 70er Jahren vor, als Di Falco Leiter einer katholischen Schule in Paris war. Der Bischof weist die Vorwürfe seit Jahren vehement zurück.

Das Pariser Berufungsgericht entschied nun, der Fall sei nicht verjährt. Es sei durch Fehlverhalten ein körperlicher Schaden entstanden und Entschädigung zu leisten. Eine erste Klage wegen möglicher Vergewaltigung war 2002 abgewiesen und für verjährt erklärt worden. Eine zweite führte 2016 zu einem Zivilverfahren, das mehrere Instanzen durchlief.

Bischof beteuert Unschuld

Di Falco erklärte sich nach dem Urteil erneut für unschuldig. Sein Anwalt erklärte, der Geistliche habe das Waisenkind damals "moralisch und psychologisch unterstützt". Es gebe zudem keinerlei Beweise für die Taten, derer er beschuldigt werde. Der Anwalt kündigte Einspruch vor dem obersten Berufungsgericht an.

Di Falco war von 1987 bis 1996 Sprecher der Französischen Bischofskonferenz. In dieser Zeit nahm er regelmäßig an Diskussionsrunden und Talkshows zu aktuellen Themen teil und wurde so einer breiten Öffentlichkeit bekannt. In den 2010er Jahren initiierte er die erfolgreiche Pop-Band Les Prêtres (Die Priester). 

Noch 2024 feierte er die Totenmesse für den Filmstar Alain Delon. 2020 begleitete er eine private Trauerfeier für den früheren Staatspräsidenten Valéry Giscard d'Estaing.

Kirche in Frankreich

Die katholische Kirche in Frankreich zählt zu den traditionsreichsten und geistesgeschichtlich wichtigsten in Europa. Marksteine ihrer reichen Geschichte sind etwa für das christliche Mittelalter die Taufe von Frankenkönig Chlodwig, die Reichskirche Karls des Großen ("Charlemagne"), die großen Ordensbewegungen und das "Zeitalter der Kathedralen"; weiter die Religionskriege des 16./17. Jahrhunderts, die nationalkirchliche Strömung des "Gallikanismus", die Aufklärung und die Französische Revolution. Zu Frankreichs Kulturerbe gehören ungezählte Klöster und Kathedralen von Weltrang.

Französische Fahne / © Rick Hawkins (shutterstock)
Quelle:
KNA