Jean-Michel Di Falco (84), dem emeritierten Bischof von Gap und Embrun und zuvor Weihbischof in Paris, wirft ein Mann sexuelle Übergriffe in den frühen 70er Jahren vor, als Di Falco Leiter einer katholischen Schule in Paris war. Der Bischof weist die Vorwürfe seit Jahren vehement zurück.
Das Pariser Berufungsgericht entschied nun, der Fall sei nicht verjährt. Es sei durch Fehlverhalten ein körperlicher Schaden entstanden und Entschädigung zu leisten. Eine erste Klage wegen möglicher Vergewaltigung war 2002 abgewiesen und für verjährt erklärt worden. Eine zweite führte 2016 zu einem Zivilverfahren, das mehrere Instanzen durchlief.
Bischof beteuert Unschuld
Di Falco erklärte sich nach dem Urteil erneut für unschuldig. Sein Anwalt erklärte, der Geistliche habe das Waisenkind damals "moralisch und psychologisch unterstützt". Es gebe zudem keinerlei Beweise für die Taten, derer er beschuldigt werde. Der Anwalt kündigte Einspruch vor dem obersten Berufungsgericht an.
Di Falco war von 1987 bis 1996 Sprecher der Französischen Bischofskonferenz. In dieser Zeit nahm er regelmäßig an Diskussionsrunden und Talkshows zu aktuellen Themen teil und wurde so einer breiten Öffentlichkeit bekannt. In den 2010er Jahren initiierte er die erfolgreiche Pop-Band Les Prêtres (Die Priester).
Noch 2024 feierte er die Totenmesse für den Filmstar Alain Delon. 2020 begleitete er eine private Trauerfeier für den früheren Staatspräsidenten Valéry Giscard d'Estaing.